Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Im Walliser Dorf Blatten wird nach dem Bergsturz ein Schafbauer vermisst. Sein Stall befand sich ausserhalb der offiziellen Evakuierungszone, trotzdem wurde er verschüttet.
Weiter geht es mit dem ASO-Kongress in Deutschland und zum Schluss des heutigen Briefings berichte ich Ihnen von zwei unangenehmen Briefen für Aussenminister Ignazio Cassis.
Herzliche Grüsse aus Bern
Bergsturz von Blatten: Die Schuttmassen waren viel grösser als erwartet. Hat die falsche Prognose einen Bergbauern das Leben gekostet?
Auch diese Woche blickt die Schweiz ins Lötschental, wo letzte Woche eine Schlammlawine das Bergdorf Blatten fast komplett verschüttet hatte. Der Schuttkegel ist gewaltig und reichte über die Evakuierungszone hinaus. Wie konnte das passieren, fragt heute 20 Minuten.
Ein Experte vermutet, dass es sich nicht um einen normalen Bergsturz gehandelt hat. Mit dem Gletscherabbruch sei nicht nur Geröll und Eis ins Tal gestützt, sondern auch viel geschmolzenes Wasser aus dem Inneren des Gletschers. So kam das Abbruchmaterial als Schlammlawine ins Tal, welche über die berechneten Grenzen hinausschwappen konnte.
Noch immer wird ein 64-jähriger Schafbauer vermisst, der vermutlich zur Zeit des Bergsturzes bei seinen Tieren war. Es wird davon ausgegangen, dass er nicht mehr am Leben ist. Sein Stall, der nicht in der offiziellen Evakuierungszone lag, ist wurde komplett verschüttet.
Er wollte die umstrittene Suizidkapsel Sarco in der Schweiz etablieren – nun ist Florian Willet, Präsident der Sterbehilfeorganisation «The Last Resort» tot. Damit ist unklar, wie es mit dem juristischen Präzedenzfall um Sarco weitergeht.
Im September 2024 hat sich eine schwer kranke 64-jährige Amerikanerin in der Schweiz mit der Suizidkapsel Sarco das Leben genommen. Mit dabei im Wald bei Schaffhausen war auch Florian Willet. Der Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz war Präsident der Sterbehilfeorganisation «The Last Resort» und wollte Sarco in der Schweiz etablieren.
Nun ist bekanntgeworden, dass Willet tot ist. Gemäss Quellen des Tages-Anzeigers ist der 47-jährige in Deutschland durch Suizid verstorben. Um seine Persönlichkeit zu schützen, werden keine genaueren Angaben gemacht.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen hat nach dem Tod der Amerikanerin ein Strafverfahren eröffnet, Willet sass zehn Wochen in Untersuchungshaft. Gewöhnlich werden solche beim Tod der beschuldigten Person eingestellt, doch Sarco hat in der Schweiz einen Präzedenzfall ausgelöst, der erstmals diskutiert, ob eine Selbstbedienungs-Suizidkapsel mit dem Schweizer Sterbehilfegesetz vereinbar ist.
Aufbruchsstimmung in Deutschland: Die ASO Deutschland wählt ihre Vetreter:innen für den Auslandschweizer-Rat.
Meine Kollegin Claire Micallef war am vergangenen Wochenende in Kassel am Kongress der ASO Deutschland. Es war eine historische Versammlung – erstmals wurden die Mitglieder des Auslandschweizer-Rats via elektronischer Direktwahl bestimmt; alle 62’000 volljährigen Auslandschweizer:innen waren wahlberechtigt.
4416 von ihnen haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht, das entspricht ein Anteil von 7%. Eine deutliche Zunahme, wie Tobias Orth sagt, der sich in der Arbeitsgruppe von ASO International für die Reformierung des Systems eingesetzt hatte: «2021 wählten 32 Vertreterinnen und Vertreter der 40 stimmberechtigen Schweizer Vereine. Obwohl es noch Luft nach oben gibt, sind 4416 Wählende eine deutliche Steigerung.»
Drei bisherige und fünf neue Kandidat:innen sind gewählt worden, darunter auffällig viele junge, wie meine Kollegin schreibt. Doch das Alter spiele keine Rolle, Engagement sei wichtig, betonte Sonja Lengnin, die Präsidentin von ASO Deutschland.
Offene Kritik an Aussenminister Cassis: Ehemalige Diplomat:innen werfen dem Aussenminister vor, Israels Vorgehen in Gaza nicht klar genug zu verurteilen. Sie fordern konkrete Massnahmen – bis hin zur Anerkennung Palästinas.
Der Druck auf Aussenminister Ignazio Cassis wegen seiner zurückhaltenden Haltung zum Vorgehen Israels wächst: 55 ehemalige EDA-Diplomat:innen warnen in einem offenen Brief vor «genozidalen Prozessen» und «ethnischen Säuberungen». Gemäss Blick wollte der Bundesrat letzte Woche das Vorgehen der israelischen Regierung verurteilen – doch Cassis sei nicht darauf vorbereitet gewesen.
Im Brief fordern die ehemaligen Diplomat:innen konkrete Massnahmen: Palästina soll unverzüglich anerkannt werden. Bei der UNO-Konferenz in New York Mitte Juni, welche die konkrete Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung zum Thema hat, soll die Schweiz eine aktive Rolle übernehmen. Auch der ehemalige Auslandschweizer-Nationalrat Tim Guldimann hat den Brief unterschrieben.
Doch nicht nur Ex-Botschafter:innen sind unzufrieden, wie der Blick weiter schreibt: Auch die Belegschaft des EDA hat sich schriftlich bei Cassis gemeldet. Sie verlangt eine klare Verurteilung der israelischen Militäraktionen und erinnert den Minister an seine Kernaufgabe – die Verteidigung des humanitären Völkerrechts.
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