Montag
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Die Schweiz hat einen neuen König. Er heisst Christian Stucki und ist gestern am Eidgenössischen erkoren worden. Der Berner Hüne – er ist 1 Meter 98 gross und 140 kg schwer – drängt heute andere grosse Medienthemen wie die schrumpfenden Gletscher und Regenwälder an den Rand.
Herzliche Grüsse aus Bern
Schwingen ist – obwohl als Nationalsport bezeichnet – auch hierzulande kein Breitensport. Seit Jahren beträgt die Zahl der Aktiven rund 6000. Immer zahlreicher werden hingegen die Passiven. Am Eidgenössischen Schwingfest in Zug vom Wochenende kreuzten mehr als 400’000 Schwingfans auf.
Obwohl er ein würdiger König sei und ihm alle den Titel gönnten, sprangen die Zuschauer nicht vor Begeisterung von den Sitzen auf, als der 140 kg schwere Stucki den 110 kg schweren Wicki schon nach rund 40 Sekunden auf den Rücken legte.
Das war aber – wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) beobachtete – nicht Ausdruck einer mangelnden Begeisterung, sondern der Vernunft. Der Speaker hatte die Massen zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass die Tribünen einem kollektiven Freudensprung vielleicht nicht standhalten würde.
Schwinger und ihre Fans haben den Ruf, friedlich zu feiern. Diesem wurden sie am Wochenende weitgehend gerecht. Krawalle gab’s beim Schwingfest nicht. In den Festzelten kam es zu vereinzelten Streitigkeiten, aber nennenswerte Zwischenfälle seien nicht zu verzeichnen, berichtete die Polizei.
- Wie Stucki mit seinem Gegner Wicki kurzen Prozess machte, sehen Sie bei SRFExterner Link.
- Was das Eidgenössische mit den Menschen macht und weshalb diese immer gehorchen, erklärt Ihnen die NZZExterner Link. (Paywall)
- Warum der echte König aus Tonga bei der Krönung des Schweizer Königs dabei war, hat mein Kollege Luca Beti recherchiert.
- Das nächste Schwingfest findet 2022 in Pratteln, Basel-Landschaft, statt. Hier eine Vorschau des SRFExterner Link.
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Während das Schwingfest von Mal zu Mal gigantischer wird, schrumpft in den Alpen ein anderer wichtiger Teil der nationalen Identität und Geschichte: die Gletscher.
Allein während der Bruthitze Ende Juni und Ende Juli verloren sie 800 Millionen Tonnen Eis und Schnee. Forscher hoffen, die Lebenszeit der Eismassen mit Kunstschnee zu verlängern.
Seit 1850 nahm ihr Volumen um 60% ab. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es sie 2100 nicht mehr gibt. Der Verlust der Eismassen trifft die Schweiz in mehreren Bereichen: Am stärksten betroffen sind die Sektoren Wasserkraft, Wasserressourcen, Prävention von Naturgefahren und der Tourismus.
Eine Idee zur Rettung der Gletscher hat ein Schweizer Glaziologe. Er will das Schmelzwasser recyclen. Es soll in grosser Höhe aufbewahrt und im Winter wieder in Eis oder Kunstschnee verwandelt werden. Aber die Auswirkungen auf die Umwelt wären enorm.
Zwei Walliser Gemeinden verlassen sich lieber auf göttliche Vorsehung. Seit 2011 beten sie mit dem Segen des Papstes, um den Aletsch-Gletscher im Unesco-Weltnaturerbe vor der Klimaerwärmung zu schützen.
- Über die verschiedenen Ideen und Methoden zur Rettung der Alpengletscher berichtet mein Kollege Luigi Jorio.
- Dass die Gletscherschmelze bereits 1947 auffiel und sich aufmerksame Beobachter um die «Zierde der Alpen» sorgten, daran erinnern verschiedene Ostschweizer ZeitungenExterner Link.
- Steigen Sie mit uns ab in die geheimnisvollen Eishöhlen des Plaine-Morte-Gletschers mit 360-Grad-Panoramabilder, Videos und Animationen.
Ausgerechnet jetzt, wo Brasiliens Präsident für den brennenden Regenwald mitverantwortlich gemacht wird, schliessen die Schweiz und die EFTA-Partner mit den Ländern des südamerikanischen Wirtschaftsraums Mercosur ein Freihandelsabkommen ab.
Das sorgt für Applaus der Wirtschaft und für Kritik bei Grünen, Linken und Bauern.
Die Schweiz exportiert jährlich Güter im Wert von rund 3,6 Mrd. Franken in die Mercosur-Staaten. Das sind vorwiegend Medikamente. Sie machen rund drei Viertel der Schweizer Exporte aus. Importiert werden vor allem Nahrungsmittel, allen voran Kaffee und Fleisch.
Der im Abkommen vorgesehene Zollabbau wird hier von der Exportlobby, die sich neue Absatzmärkte erhofft, begrüsst. Kritik kommt hingegen von der Landwirtschaft. Während Bolsonaro sich um Nachhaltigkeit foutiere, sei die Schweizer Bauern an hohe Umwelt- und Tierschutzauflagen gebunden, kritisiert die helvetische Landwirtschafts-Lobby.
Auch Grüne und linke Politiker künden Widerstand gegen den Freihandelsvertrag an. Sie würden einem Abkommen mit den Mercosur-Staaten nicht zustimmen, solange Brasilien die Zerstörung des Regenwalds nicht stoppe.
- Weshalb die Brände im Amazonas das Abkommen gefährden lesen Sie bei swissinfo.chExterner Link.
- Wie der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin Brasiliens Präsident Bolsonaro für eine nachhaltigere Politik motivieren will, erklärte er gegenüber SRFExterner Link.
- SRF-Südamerika-Korrespondent Ulrich AchermannExterner Link bezeichnet Parmelins Argumente zum Umweltschutz in Brasilien als Wunschdenken.
- Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin spiele mit dem Feuer, titelt der BlickExterner Link (Paywall).
- Die NZZExterner Link führt den «erfreulichen» Durchbruch darauf zurück, dass in Brasilien und Argentinien Regierungen am Ruder seien, die auf wirtschaftliche Öffnung setzten. (Paywall)
Apropos: Essen Sie noch Fleisch aus Südamerika, oder schämen Sie sich schon? Kaum ein Tag vergeht, an dem uns Konsumenten niemand sagt, was nicht auf den Teller gehört. In Zürich ist der Ruf nach ökologischer Ernährung sogar in der Gemeindeordnung verankert.
Vegetarierinnen und Veganer sind hierzulande immer noch eine kleine Minderheit. In der Schweiz verzichten nur drei Prozent gänzlich auf tierische Produkte, immerhin elf Prozent ernähren sich vegetarisch. Die anderen verspeisen jährlich mehr als 50 Kilogramm Fleisch pro Kopf.
Das soll sich ändern. Nach dem Rauchen oder dem Reisen per Flugzeug gerät wird zunehmend auch der Konsum von Fleisch hinterfragt. Ob aus Gründen des Tierschutzes, der Gesundheit, der Klimaerwärmung oder ethischen Überlegungen wird von verschiedener Seite vom Verzehr tierischer Produkte abgeraten.
Die Appelle sind längstens in der Politik angekommen. Die Stadt Zürich hat sich schon 2017 zur Förderung einer umweltschonenden Ernährung verpflichtet. Nun soll diese umgesetzt werden.
- Wie die Schweizer Wirtschaftsmetropole nachhaltiges Essen konkret fördern will, hat die NZZExterner Link recherchiert. (Paywall)
- Über den «Vegan-Hype» und «Beyond-Burger» berichtet heute auch der Bote der UrschweizExterner Link.
- Weshalb ein verschwenderischer Vegetarier immer noch besser fährt als ein sparsamer Fleischesser, erklärt ein Umweltingenieur im Interview mit watsonExterner Link.
Weil ein Schweizer Napoleons Diener war, waren im 19. Jahrhundert Schweizer Hausangestellte in Paris und Marseille beliebt. Die Arbeit war hart, aber die Lebensbedingungen waren besser als in der ländlichen Schweiz.
Der Waadtländer Jean-Abram Noverraz war nicht einfach nur Diener von Napoleon, sondern auch Pfleger, Kurier, Gerichtsvollzieher, Jäger und sogar Leibwächter. Damit er nach Napoleons Tod keinem anderen Herrn dienen musste, vermachte ihm dieser in seinem Testament 100’000 Franken.
Schweizer und Schweizerinnen hatten den Ruf, durch Hauswirtschaftsschulen gut ausgebildet und vor allem pünktlich und aufrichtig zu sein. Sprich: Sie machten trotz schlechter Bezahlung keine Schwierigkeiten.
- Mehr Details über das Leben von Schweizer Hausangestellten in Frankreich lesen Sie in unserer Reportage aus Paris.
- Insbesonderen mit kleinem Einkommen oder Vermögen lebt es sich auch heute im Ausland besser als in der Schweiz. Deshalb unsere Frage des Tages: Führen Sie ein «glamouröseres» Leben, als dies in der Schweiz möglich wäre?
Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie hier
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