Thun erhält SVP-Stadtpräsidentin und rotgrüne Mehrheit
Die Thuner Stimmberechtigten haben sich für eine SVP-Frau als erste Stadtpräsidentin und für eine rotgrüne Mehrheit im Gemeinderat entschieden. Die Kampfwahl ums Stadtpräsidium entschied Eveline Salzmann (SVP) zu ihren Gunsten.
(Keystone-SDA) Die ehemalige Gerichtspräsidentin, die seit 2023 im Gemeinderat sitzt und der Abteilung Sicherheit und Soziales vorsteht, erreichte im zweiten Wahlgang 6304 Stimmen. Auf Gemeinderätin Andrea de Meuron (Grüne) entfielen 5490 Stimmen, wie die Stadt am Sonntag mitteilte. Die Wahlbeteiligung lag bei 38,7 Prozent.
Die Ersatzwahl wurde nötig, weil der bisherige Amtsinhaber Raphael Lanz (SVP) im März in den Berner Regierungsrat gewählt worden war. Lanz hatte das Amt seit 2011 inne.
Salzmann, die von SVP, Mitte und FDP gemeinsam nominiert worden war, zeigte sich dankbar und demütig. Sie wertete das Resultat als Vertrauensbeweis, wie sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.
Sie habe während des Wahlkampfs breite Unterstützung gespürt. Ihre nicht-ideologische Sachpolitik habe das Resultat ausgemacht.
Im ersten Wahlgang vom 14. Juni hatte keine Kandidatin das absolute Mehr erreicht. Salzmann lag damals mit 7446 Stimmen vor de Meuron mit 4507 und Katharina Ali-Oesch (SP) mit 4359 Stimmen. Die SP-Kandidatin zog sich darauf zurück und unterstützte de Meuron für die Stichwahl.
Salzmann ist im Frühling auch ins Berner Kantonsparlament gewählt worden. De Meuron gehört seit kurzem auch dem Nationalrat an.
Neue Kräfteverhältnisse
In der Stadtregierung gibt es neu eine rotgrüne Mehrheit. Claudius Domeyer (SP) gewann die Ergänzungswahl für das frei gewordene Mandat im Gemeinderat. Im fünfköpfigen Gemeinderat hält die SP neu zwei Sitze und die Grünen stellen einen Sitz, während die SVP nur noch zwei Sitze besetzt.
Der Pflegefachmann und Dozent Domeyer setzte sich im zweiten Wahlgang mit 6081 Stimmen gegen Stadtrat Valentin Borter (SVP) durch, der 5147 Stimmen holte. Die Wahlbeteiligung betrug 37,5 Prozent.
Im ersten Wahlgang war noch eine Kandidatin der Grünen im Spiel, die sich nach einem schwächeren Resultat zurückzog. Auch diese Ersatzwahl ging auf die Wahl von Raphael Lanz in die Kantonsregierung zurück. Domeyer muss sich bereits Ende November bei den Gesamterneuerungswahlen einer Bestätigungswahl stellen.
Rotgrünes Intermezzo
Schon im Jahr 2021 gab es in Thun eine Ersatzwahl, bei der die SP der SVP einen Sitz abknöpfte und dem rotgrünen Lager eine Mehrheit bescherte. Die Freude der Linken war aber von kurzer Dauer. Bei den Proporz-Gesamterneuerungswahlen ein Jahr später eroberte die SVP drei Sitze und stellte die bürgerliche Mehrheit wieder her.
Obwohl Thun im Jahr 2026 erstmals eine Stadtpräsidentin erhält, spielte eine Frau schon viel früher eine entscheidende Rolle: Vor über 760 Jahren verlieh Gräfin Elisabeth von Kyburg der Stadt Thun die Stadtrechte und sorgte so für die offizielle Gründung.