Vergiftete Bienen in Landquart GR: Vorschriften wurden eingehalten
Analysen eines externen Labors haben bestätigt, dass die Bienenvölker in der Region Landquart GR durch das Pflanzenschutzmittel Spinosad vergiftet wurden. Bei dessen Einsatz seien keine Verstösse festgestellt worden, teilte das landwirtschaftliche Ausbildungs- und Beratungszentrum Plantahof heute mit.
(Keystone-SDA) Am Plantahof in Landquart und bei einem Imker, der seine Bienenstöcke in der Nähe hat, war am 6. Juli ein ungewöhnliches Bienensterben festgestellt worden. Um die Umstände des Vorfalls besser zu verstehen, beauftragte die zuständige kantonale Behörde ein externes Labor mit den Analysen.
Die nun vorliegenden Analysen bestätigen gemäss einer Mitteilung vom Donnerstag, dass die Bienen mit dem natürlichen Insektizid Spinosad in Kontakt gekommen sind. Dieser Wirkstoff wird zum Schutz von Obst- und Gemüsekulturen eingesetzt und ist auch in der biologischen Landwirtschaft zugelassen, für Bienen jedoch sehr gefährlich. Deshalb darf er nur nachts eingesetzt werden, wenn die Bienen normalerweise nicht fliegen.
Vergiftung durch mehrere Faktoren
In der Medienmitteilung betonte der Plantahof, dass keine Regelverstösse festgestellt wurden. «Aufgrund der vorliegenden Informationen wird davon ausgegangen, dass die Kombination verschiedener Faktoren – insbesondere die Nähe der behandelten Kulturen zu den Bestäubungsstandorten und die durch die Sommerhitze verlängerte Flugzeit der Bienen – zu diesem bedauerlichen Zwischenfall beigetragen hat», heisst es in der Mitteilung weiter.
Gerade weil es keinen Verstoss gegeben habe, würden keine Massnahmen ergriffen, erklärte der Direktor des Plantahofs, Peter Vincenz, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Dieser Fall zeigt, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln heikel ist und die Anwendungsvorschriften wichtig sind. Der Plantahof lässt diese Erfahrungen in die Ausbildung von Jungbauern sowie in den Unterricht für Landwirte und Imker einfliessen», fügte Vincenz hinzu.
Verlust bei der Honigproduktion
Das landwirtschaftliche Ausbildungs- und Beratungszentrum hielt in seinem Schreiben fest, dass keines der 47 betroffenen Bienenvölker – 37 des Plantahofs und 10 des benachbarten Imkers – an den Folgen des Vorfalls zugrunde gegangen ist. Die geschwächten Völker wurden mit Zuckerwasser gefüttert, damit sie ihren Bienenstock wieder aufbauen können.
Um Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in der Nahrung, im Pollen und im Bienenwachs zu vermeiden, wurden alle Waben – also die von den Bienen gebauten sechseckigen Wachsstrukturen -, die Futtervorräte und Brut der betroffenen Völker enthielten, entfernt und in einer Kehrichtverbrennungsanlage entsorgt. Dies führte zu einem Verlust bei der Honigproduktion.