Wallis Unwetter: Kaum mehr Hoffnung auf Überlebende

In den Trümmern von Gondo. Keystone

Die am Montag aufkeimende Hoffnung, möglicherweise Überlebende der Fels- und Schlammlawine von Gondo zu bergen, ist am Dienstag (17.10.) stark gesunken. Die Rettungs-Mannschaften stiessen auf weitere sterbliche Überreste.

Dieser Inhalt wurde am 17. Oktober 2000 - 15:26 publiziert

Die Suche nach Überlebenden im Schuttkegel von Gondo wird seit Montag ohne Unterbruch fortgesetzt. Neue Lebenszeichen von Verschütteten gab es aber nicht mehr. Die Rettungsarbeiten werden durch Einsturzgefahr in den Trümmern behindert und erschwert.

Bei der Strassenräumung in Gondo sind die Rettungsmannschaften laut Staatsrat Fournier unterdessen auf weitere Leichenteile gestossen.

Die verschüttete Person, welche Rettungsarbeiter in Gondo am Montag klopfen und rufen gehört hatten, ist laut Alfred Squaratti, Sprecher des Krisenstabs Gondo, "mit Sicherheit" nicht jene Person, die etwas später tot geborgen wurde.

Die Walliser Behörden erstellten unterdessen eine Liste mit den Namen der Vermissten. Sie wurde jedoch nur den Angehörigen zur Verfügung gestellt.

Zahl der Todesopfer wird steigen

Seit Sonntag sind im Wallis drei Tote geborgen und identifiziert worden. Unter dem Schuttkegel in Gondo werden weitere zwölf Menschen vermutet. Eine Person wird nach wie vor im Erdrutschgebiet von Stalden-Neubrück vermisst.

Die 1'400 Evakuierten aus den Orten Saillon, Baltschieder und Kalpetran konnten auch am Dienstag nicht in ihre Häuser zurückkehren. Keine Probleme mehr gab es mit der Trinkwasserversorgung in Naters. Wie in Gondo wird auch in anderen Teilen des Wallis in vollem Gang aufgeräumt. Rund 800 Armeeangehörige werden bis am Dienstagabend im Wallis eintreffen, um die Rettungsarbeiten zu unterstützen.

Verkehr weiter eingeschränkt

Laut den Schweizerischen Bundesbahnen SBB verkehren die Züge seit Dienstagmorgen wieder zwischen Lausanne und Siders. Der stark beschädigte Abschnitt der Strecke Siders - Brig bleibt hingegen noch für rund zwei Wochen gesperrt.

Auf der Simplonstrecke wird wahrscheinlich bereits am Mittwoch der Schienentransit wieder aufgenommen. Nach wie vor unterbrochen waren die Verbindungen ins Saas- und ins Mattertal sowie einzelne Strassenabschnitte in anderen Seitentälern des Wallis.

Gewaltige Schäden hat das Unwetter bei der Brig-Visp-Zermatt-Bahn (BVZ) angerichtet. Vor Ende Jahr sei kaum mit einem durchgehenden Normalbetrieb zu rechnen. Das Bahntrassee ist auf 15 von insgesamt 44 Kilometern beschädigt. Die Schäden werden auf mindestens 10 Mio. Franken geschätzt.

Die Bahn hofft, ab Donnerstag (19.10.) den Pendelbetrieb zwischen Täsch und Zermatt wieder aufnehmen zu können. Die Strasse war am Dienstag noch unterbrochen. Die Bahn organisierte aber bereits Ersatzbusse, die auf der Strecke Visp - St. Niklaus zum Einsatz kommen.

Seit vergangenem Sonntag können Einheimische und Gäste in Zermatt nicht mehr mit der Aussenwelt kommunizieren. Die Lage sei aber nicht Besorgnis erregend, erklärte Tourismusdirektor Roland Imboden am Dienstag. Über den Luftweg wurden bisher 200 Menschen ausgeflogen, 700 befanden sich auf der Warteliste.

Immense materielle Schäden

Abgesehen von den menschlichen Verlusten konnte das Ausmass der Schäden im Wallis auch am Dienstag noch nicht abgeschätzt werden. Die Kantonsregierung will zusammen mit den zuständigen Bundesämtern eine Arbeitsgruppe für die Schadensaufnahme einsetzen.

Staatsrat Fournier bezeichnete die am Wochenende in den Medien genannte Zahl von sechs Milliarden Franken als übertrieben. Die Schäden werden jedoch höher eingestuft als bei der Unwetterkatastrophe von 1993 in Brig. Damals hatte die Schadensumme mehrere hundert Millionen Franken betragen.

swissinfo und Agenturen

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