Warum die Zürcher Europaallee am Wochenende blüht statt glüht
Ein Teil der Europaallee neben dem Zürcher Hauptbahnhof blüht über das Wochenende zu einer Wildblumenwiese auf und sorgt in der aktuellen Hitzewelle für etwas Abkühlung. Die Aktion soll zeigen, wie Städte mit mehr Natur besser auf die Folgen des Klimawandels reagieren können.
(Keystone-SDA) Die rund 500 Quadratmeter grosse Blumenwiese und die Bäume wurden am Donnerstag bei brütender Hitze auf der Europaallee aufgestellt – bei rund 37 Grad. «Passender könnten die aktuellen Temperaturen nicht sein», sagte Claudio Sedivy am Freitagvormittag bei der Eröffnung der Aktion. Er ist Projektleiter und Geschäftsführer von Kompass B, mit dem der WWF Zürich bei dieser Aktion zusammenarbeitet. Auch die Stadt Zürich ist mit Grün Stadt Zürich involviert.
Denn aktuell könnte der Temperaturunterschied zwischen Asphaltflächen und Wiesenboden ja kaum grösser sein, wie Sedivy ausführte. Und mit der Hitzewelle und dem heftigen Gewitter vor einer Woche habe der Klimawandel schliesslich «voll eingeschlagen».
Eindrücklich zeigt sich der Unterschied mit den Infrarot-Thermometern, mit welchen die Besucherinnen und Besucher dieser Aktion auf der Europaallee die Bodentemperatur gleich selbst messen können. Ein Test am Freitagmorgen um 10.30 Uhr ergab: Auf dem Asphalt wurden 43 Grad gemessen, auf der Blumenwiese 33 Grad und im Schatten eines Vogelkirschenbaums 26 Grad. Damit die Wildblumenwiese das heisse Wochenende gut übersteht, wird sie bewässert.
Resilienz stärken
Die Aktion zielt darauf ab, aufzuzeigen, wie die Resilienz der Stadt gegenüber der Klimaerwärmung gestärkt werden kann. Thomas Vellacott, Geschäftsführer WWZ Schweiz, sagte, es gehe darum, die Natur in die Stadt zu bringen.
Dabei stehen drei Themen im Vordergrund: Hitzeminderung, Schwammstad, also das Prinzip Regenwasser vor Ort zu speichern und die Kanalisation zu entlasten sowie die Förderung der Biodiversität in der Stadt
Und genau diese Themen sind bis Sonntag bei der Europaallee direkt erlebbar: Auf der temporären Wildblumenwiese gibt es Sitzgelegenheiten im Schatten der Bäume – inklusive Wildbienenparadieses. Zudem steht ein Bagger bereit, mit dem symbolisch Asphalt aufgebrochen werden kann, sowie in Barfussweg.
Wer möchte, kann ein Stück Wildblumenwiese mitnehmen und im eigenen Garten pflanzen. Nach Abschluss der Aktion wird die Wiese dann an einem anderen Ort weiterblühen: Und zwar bei der ABZ-Genossenschaft in Zürich Affoltern und Oerlikon.