Wasserpegel des Lago Maggiore bald auf neuer Rekordtiefe
Der Wasserstand des Lago Maggiore befindet sich derzeit unter den Werten der Dürresommer 2003 und 2022. Zum historischen Juli-Tiefstand von 1976 fehlen nur noch wenige Zentimeter.
(Keystone-SDA) Die Situation am Lago Maggiore sei derzeit «extrem kritisch», erklärte der Vorsteher des Tessiner Amtes für Wasserläufe, Laurent Filippini, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sollten in den kommenden Wochen keine ergiebigen Niederschläge fallen, bestehe ein «sehr reales Risiko», dass neue Tiefstwerte für diese Zeit-Periode oder sogar absolute historische Rekorde erreicht würden.
Als jüngster Referenzpunkt gilt das Jahr 2022, da damals der Seespiegel bis Ende August kontinuierlich weiter sank, wie Filippini erklärte. Die wichtigsten historischen Tiefstwerte stammten hingegen aus den Sommern 1976 und 1990.
Ende Juli 1976 wurde mit 192,16 Metern über dem Meeresspiegel der Tiefstwert für diesen Monat registriert, während Ende August 1990 mit 192,09 Metern das absolute Minimum für den Monat August gemessen wurde. Das Besondere an der aktuellen Lage sei, dass der derzeitige Pegel im direkten Tagesvergleich sogar unter den Absinkkurven von 2003 und 2022 liege.
Abfluss des Sees wird gedrosselt
Das Krisenmanagement des Kantons konzentriere sich derzeit vor allem darauf, den Abfluss des Sees zu drosseln, um die verbleibenden Wasserreserven so gut wie möglich zu schonen, sagte Filippini weiter. Die Wasserabgabe flussabwärts sei über mehrere Wochen hinweg schrittweise gesenkt worden und liege mittlerweile unter dem eigentlichen Bedarf der Landwirtschaft, um das Absinken des Seespiegels zu verlangsamen.
Gesteuert werde dieser Prozess von Italien über das Miorina-Wehr im lombardischen Sesto Calende. Zwischen den zuständigen italienischen und Schweizer Behörden finde eine ständige Koordination statt.
Zusätzlich erschwert werde die Lage dadurch, dass auch die alpinen Stauseen im Tessin und im Piemont historische Tiefststände für diese Jahreszeit aufwiesen. Die Entwicklung werde täglich überwacht, um den Schutz der Umwelt sowie die Anforderungen von Wasserversorgung und Landwirtschaft bestmöglich abzuwägen.