Huygens: Die ersten Bilder vom Titan
Grosser Erfolg für die europäische Raumfahrt. Die Sonde Huygens hat nach ihrer planmässigen Landung auf dem Saturn-Mond Titan Bilder zur Erde gesandt.
Ein Teil der Huygens-Technologie stammt von der Schweizer Firma Contraves Space.
Die Europäische Raumfahrt-Kontrollstation hat in Darmstadt ein erstes Foto vom Saturnmond Titan präsentiert. Das schwarz-weiss Bild zeigt eine Hügellandschaft, die von Bachläufen durchzogen scheint.
Die Oberfläche des Saturnmonds Titan hat zahlreiche Ähnlichkeiten mit der Erdoberfläche. «Wir gehen davon aus, dass es auf dem Titan Flüssigkeiten gibt», sagte Marty Tomasco vom Planetary Laboratory in Arizona.
Bislang habe Huygens Daten für 350 Fotos auf die Erde gesandt. Sie müssen allerdings noch bearbeitet werden. «Das Bild vermittelt nur einen ersten Eindruck. In den kommenden Tagen werden wir aussagekräftigere Fotos vorlegen können», sagte Tomasco.
Nach sieben Jahren Flug mit der Muttersonde «Cassini» über 1,2 Milliarden Kilometer durch unser Sonnensystem ist Huygens am Freitag Nachmittag mitteleuropäische Zeit erfolgreich und unerwartet sanft auf dem Saturnmond Titan gelandet.
Begeisterung in Darmstadt
Die im ESA-Zentrum anwesenden 500 Techniker, Forscher und Medienvetreter seien begeistert vom perfekten Funktionieren des High-Tech-Gerätes gewesen, sagte Jakob Frauchiger vom Schweizer Büro für Weltraumangelegenheiten in Darmstadt.
Die Mission, die 1997 mit dem US-Raumschiff Cassini gestartet war, sei ein voller Erfolg.
Nach den ersten Erkenntnissen konnte die Raumsonde Huygens sogar insgesamt mehr als vier Stunden in der unwirtlichen Umgebung des Titan bei Minus 180 Grad arbeiten. Dabei hat Huygens Daten an die US-Raumsonde Cassini gesendet.
Erleichterung in Zürich
Nachdem Huygens den Forschungsflug beendet hatte, schickte Cassini die Daten gebündelt zur Erde. Um die Distanz zu überbrücken, werden 67 Minuten benötigt. Vier Stunden dauerte die Übertragung aller Daten.
Er sei erleichtert und sehr glücklich über das Gelingen der Mission, sagte Contraves CEO Umberto Somaini gegenüber swissinfo. Das von der Schweizer Contraves Space konstruierte Hitzeschild habe den extrem hohen Temperaturen standgehalten.
swissinfo: Wieweit ist das Gelingen dieser schwierigen Mission den minutiösen Vorbereitungen zuzuschreiben und inwieweit hat auch das Glück eine Rolle gespielt?
Umberto Somaini: Die Mission begann in den späten 80er Jahren. Sie wurde äusserst sorgfältig geplant. Die in das Projekt involvierten Personen investierten sehr viel Zeit und haben das Vorhaben ausführlich getestet.
Trotzdem blieb eine gewisse Unbekannte bestehen. Wir waren nie auf dem Titan und wir kennen seine Atmosphäre nicht. Das Risiko eines Misserfolges ist immer da, aber wir haben alles getan, um das Risiko soweit als möglich zu begrenzen.
Der Erfolg ist das Resultat einer minutiösen Planung, einer gewissenhaften Ausführung, aber auch einer guten Portion Glück.
swissinfo: Welches war der schwierigste Moment?
U.S.: Wir wussten sehr wenig über die atmosphärischen Bedingungen auf dem Titan und konnten damit nicht wissen, was die Sonde beim Eintreffen in die Titan Atmosphäre antreffen wird.
swissinfo: Welches wird das nächste Raumfahrt-Projekt von Contraves sein?
U.S.: Zurzeit sind wir mitten in einem Projekt für das Teleskop der Planck-Mission im Jahr 2007. Damit soll die Rest-Radioaktivität des Urknalls erforscht werden.
Dieses Teleskop muss auch bei extrem tiefen Temperaturen sehr präzise arbeiten. Im Gegensatz zum Hitzeschild der Huygens, welches extrem hohe Temperaturen aushalten musste, arbeiten wir jetzt an Materialstrukturen, die bei minus 270 Grad funktionieren müssen. Das sind extreme Gegensätze.
swissinfo: Was bedeutet der Erfolg der Cassini-Huygens-Mission für Contraves?
U.S.: Der Erfolg gibt uns die Motivation für die neuen Herausforderungen, die vor uns liegen. Er ist die Belohnung für unsere harte Arbeit.
swissinfo-Interview, Morven Mclean
(Übertragung aus dem Englischen: Andreas Keiser)
Huygens wurde im Oktober 1997 zusammen mit der Nasa-Sonde Cassini von Cape Canaveral gestartet.
Die beiden Raumfahrzeuge trennten sich an Weihnachten.
Die Trennung wurde durch einen von der Schweizer Firma Contraves Space gebauten Trenn-Mechanismus vollzogen.
Huygens‘ Aufgabe ist mit der Erforschung des Saturnmondes erfüllt.
Cassini, mit über zwei Mrd. Euro mehr als drei Mal so teuer wie Huygens, soll den Planeten dagegen mindestens noch viereinhalb Jahre lang umkreisen und dabei umfangreiche Messungen vornehmen.
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