Zuger Kantonsrat befürwortet Einführung des Brustkrebs-Screenings
Der Kanton Zug soll künftig Vorsorgeprogramme für Brust- und Darmkrebs anbieten. Der Kantonsrat stimmte am Donnerstag dem Vorstoss in einer abgeschwächten Form als Postulat zu. Die Regierung wollte zunächst nur Programme zur Darmkrebsprävention fördern.
(Keystone-SDA) Der überparteilich eingereichte Vorstoss forderte, dass der Regierungsrat kantonale Programme zur Krebsfrüherkennung einführt und umsetzt, für Brustkrebs (Mammografie-Screening) und Darmkrebs.
Das Ziel der Motion sei es, tödliche Krankheitsverläufe zu verhindern und Gesundheitskosten zu senken. Der Kanton Zug soll sich dabei an den Programmen anderer Kantone orientieren. Dort werden Frauen ab 50 Jahren alle zwei Jahre zu einer Brust-Röntgenuntersuchung eingeladen.
Gemäss Vorstosstext verfügen 19 Kantone über ein Früherkennungsprogramm für Brust- und/oder Darmkrebs. Zug zählt zu den sieben Kantonen, die keine Krebsvorsorgeprogramme finanzieren.
«Kaum umsetzbar»
Die Regierung beantragte, die Motion in ein Postulat abzuschwächen und dieses nur teilerheblich zu überweisen. So befürwortete er die Einführung eines Dickdarmkrebs-Screenings, lehnte jedoch ein Mammografie-Screening ab. Stattdessen solle innerhalb von zwei Jahren nach dem Start des Dickdarmkrebs-Programms erneut geprüft werden, ob ein Früherkennungsprogramm für Brustkrebs eingeführt werden soll.
Eine gleichzeitige Einführung beider Programme sei «kaum umsetzbar» und «aufwändig», hielt er im Bericht an das Parlament fest. Ohne zusätzliche personelle Ressourcen liessen sich nicht beide Programme realisieren, sagte Gesundheitsdirektor Andreas Hausherr (Mitte) am Donnerstag.
Regierung überstimmt
Der Tenor im Kantonsparlament war jedoch klar ein anderer: Einzig der Sprecher der SVP unterstützte die Regierung in der Teilerheblichkeit. Die übrigen Fraktionssprechenden sprachen sich sowohl für die Einführung eines Darmkrebs- als auch eines Brustkrebs-Screenings aus.
Die heutige Situation im Kanton Zug sei geprägt von einem Wildwuchs an Screenings, die sozial ungleich verteilt seien, sagte Luzian Franzini (ALG). Ronahi Yener (SP) betonte, Zug könne sich dies als finanzstarker Kanton leisten und solle «Verantwortung übernehmen».
Mehrere Sprecherinnen und Sprecher wiesen darauf hin, dass in Kantonen, die über ein systematisches Screening verfügen, die Sterblichkeitsrate tiefer sei als in Kantonen ohne entsprechendes Programm.
Carina Brüngger (FDP) kritisierte, die Regierung beziehe sich in ihrer Studie auf veraltete Fakten und Statistiken. Vroni Straub (CSP) sagte, Frauen sollten ein Anrecht auf Früherkennung haben, da dies eine bessere Prognose ermögliche und eine «schonendere Therapie» erlaube.
Mit 55 zu 23 Stimmen stimmte der Kantonsrat der Umwandlung der Motion in ein Postulat zu. So gehe es möglicherweise sogar schneller vorwärts, hiess es im Rat.
Letztlich sprach sich das Parlament mit 66 zu 11 Stimmen für die volle Erheblichkeit des Anliegens aus.