AKTIEN FRANKFURT/Etwas schwächer – US-Konjunkturdaten enttäuschen
FRANKFURT (awp international) – Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag seine Tagesverluste ausgeweitet. Auch von den vormittags veröffentlichten ZEW-Konjunkturerwartunge gingen keine positiven Impulse für den Markt aus. Der Dax verlor am frühen Nachmittag 0,79 Prozent auf 5.756,46 Zählern und entfernte sich damit wieder deutlich von der Marke von 5.800 Punkten, um die er noch im frühen Handel gependelt war. Der MDax sank um 0,63 Prozent auf 7.303,66 Punkte und der TecDax fiel um 0,91 Prozent auf 805,83 Punkte.
Die Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York hatten sich im Dezember deutlich eingetrübt. Zudem sind in den USA die Erzeugerpreise im November stärker als erwartet gestiegen. Am Nachmittag könnten noch weitere US-Konjunkturdaten wie etwa zur Industrieproduktion für weitere Bewegung sorgen.
Ein positiv aufgenommener Zeitungsbericht schob MAN-Aktien mit plus 3,05 Prozent auf 54,41 Euro an die Dax-Spitze. Der Volkswagen-Konzern (VW) könnte laut «Süddeutsche Zeitung» den Aktionären des Münchner Nutzfahrzeugherstellers schon bald ein Übernahmeangebot unterbreiten. Das erwartet ein führender Manager des Unternehmens. «Das Angebot wird kommen», sagte der Manager der Zeitung. VW ist mit 29,9 Prozent an MAN beteiligt. Die Stammaktien von VW gaben um 0,47 Prozent auf 80,62 Euro nach.
Titeln von Infineon standen ebenfalls nach einem Presseartikel im Blickfeld der Anleger. Konzernchef Peter Bauer peilt langfristig eine operative Gewinnmarge von 15 Prozent an, wie er der «Börsen-Zeitung» erklärte. Langfristig müssten aus seiner Sicht die Segmentergebnisse in Summe die 15 Prozent-Marge erreichen. Laut Heino Ruland, Analyst bei Ruland Research, hört sich dieses Ziel aber sehr ambitioniert an. Die Produktionskosten von Infineon fielen hauptsächlich in Euro an, gleichzeitig würden die Waren aber in Dollar verkauft – das belaste bei ungünstiger Währungsentwicklung. Tobias Loskamp, Analyst bei Kepler, wertete Bauers Äusserungen über mögliche Zukäufe als beruhigend. Die Aktien notierten zuletzt prozentual unverändert bei 3,380 Euro und schlugen sich damit besser als der Gesamtmarkt.
Im MDax stand Tui mit Zahlen und Personalien im Fokus. Der weltgrösste Reisekonzern schrieb im Rumpfgeschäftsjahr 2009 nur wegen des Teilverkaufs von Hapag-Lloyd schwarze Zahlen und behält weiter seinen kompletten Ausstieg bei der Container-Reederei im Auge. Die Tui AG passt gerade ihr Geschäftsjahr an das touristische Jahr bis Ende September an. Aus diesem Grund wurde die Berichtsperiode 2009 auf neun Monate verkürzt. Ferner geht Finanzvorstand Rainer Feuerhake im Februar in den Ruhestand. Horst Baier wird sein Nachfolger. Zudem sprach sich der Aufsichtsrat für Klaus Mangold als neues Mitglied des Kontrollgremiums aus. Sowohl bei Händlern als auch bei Analysten stiess der besser als erwartete Geschäftsbericht auf Beifall. Die Titel gaben in dem schwachen Marktumfeld ihre Anfangsgewinne aber wieder ab und sanken zuletzt um 0,95 Prozent auf 5,195 Euro.
Spitzenreiter im Index der mittelgrossen Werte waren die Titel von Vossloh , die sich um 4,25 Prozent auf 69,68 Euro verteuerten. Merrill Lynch hatte die Papiere nach der Übernahme mehrerer Schienendienstleister in Deutschland von «Neutral» auf «Buy» hochgestuft. Analyst Claus Roller setzte das Kursziel für die Aktien des Verkehrstechnikkonzerns in einer Studie auf 80 Euro. Die Zukäufe schätzt er als sehr attraktiv ein, da die akquirierten Unternehmen dank ihres technischen Know-Hows und lang bestehender Kundenbeziehungen zur Deutschen Bahn deutlich wertsteigernde Dienstleistungen anböten. Anteilsscheine von Fielmann legten um 0,29 Prozent auf 51,90 Euro zu. Hier erhöhte Merrill Lynch das Votum für die Aktien von «Neutral» auf «Buy» und hob das Kursziel von 50 auf 58 Euro an. Sowohl auf der Umsatz- als auch der Gewinnebene dürfte die Augenoptiker-Kette 2010 und 2011 wieder solide wachsen, schrieb Analyst Flavio Cereda.
Im SDax liess ein angehobenes Ergebnisziel die Aktien der Comdirect Bank um 0,49 Prozent auf 6,18 Euro steigen – im Hoch hatte die Aktie sogar 6,31 Euro erklommen. Die Onlinebank erhöht ihr Ergebnisziel für 2009 auf 75 Millionen Euro vor Steuern. Ausserhalb der bekannten Indizes sprangen die Titel von Solon um 5,71 Prozent auf 6,66 Euro in die Höhe. Mit rund einem Jahr Verspätung hatte ein Kunde des Solarmodul-Herstellers endlich seine Rechnung für einen Grossauftrag beglichen. Dank der hohen Nachfrage zum Jahresende insbesondere in Deutschland produziert Solon zudem nach eigenen Angaben derzeit in seinen Werken in Berlin und Greifswald unter Volllast.
la/gl