Berner Viererfeld-Überbauung kostet mindestens 80 Millionen mehr
Ewigkeitschemikalien im Boden und aufgelaufene Bauteuerung: Das im Berner Viererfeld geplante neue Stadtquartier kostet mindestens 80 Millionen Franken mehr als zunächst grob geschätzt. "Das Vorhaben ist dadurch nicht in Frage gestellt", hielt Stadtpräsidentin Marieke Kruit am Freitag fest.
(Keystone-SDA) «Wir werden den Auftrag erfüllen, den uns die Stimmberechtigten erteilt haben», zeigte sich Kruit (SP) überzeugt. Der Baustart mit Beginn der Bodenaufwertung sei weiterhin für Herbst 2027 vorgesehen.
Der Kostenanstieg gegenüber der Schätzung von 2019 geht gemäss Stadtregierung vor allem auf unbeeinflussbare Faktoren zurück. Allein die Aufbereitung des mit PFAS belasteten Bodens kostet rund 24 Millionen Franken.
Die Schadstoffe wurden im Frühjahr 2025 nachgewiesen. Auf dem landwirtschaftlich genutzten Land war drei Jahrzehnte lang Klärschlamm ausgebracht worden.
Ein Teil des Bodens kann, wie geplant, auf dem Areal weiterverwendet werden – allerdings mit grossem zusätzlichem Aufwand. Belastetes überschüssiges Material muss laut Gemeinderat Matthias Aebischer (SP) kostspielig verbrannt und entsorgt werden, voraussichtlich in den Niederlanden.
Planungsmehrwert neu berechnet
Weitere 21 Millionen Franken verursacht die Bauteuerung. Zudem schätzt die Stadt zusätzliche Aufwände im Bereich der Infrastruktur auf mindestens 35 Millionen Franken. Diese zusätzlichen Aufwände entstehen etwa durch die nun immer konkreter werdende Planung, aber auch durch die PFAS-Sanierung.
Diese löst nicht nur direkte Entsorgungskosten aus, sondern hat laut Gemeinderätin Melanie Mettler (GLP) auch Auswirkungen auf einzelne Teilprojekte und die Abwicklung des Gesamtprojekts.
Zusätzlich korrigiert die Stadt nach einem Hinweis der Finanzkontrolle die Planungsmehrwertabgabe von 9,4 Millionen auf rund 35 Millionen Franken. Die Stadt als Bodeneigentümerin müsse die Planungsmehrwertabgabe genauso bezahlen wie private Landeigentümer, erklärte Kruit. Das Geld verbleibe also innerhalb der Stadt.
Politische Entscheide
Die Verwaltung prüft nun Anpassungen und die Höhe eines allfälligen Nachkredits. Gemäss Mettler wird auch geprüft, welche Einsparungen beim Projekt selber möglich seien. Wie die Mehrkosten gestemmt würden, sei letztlich ein politischer Entscheid.
Der Gemeinderat erarbeitet Grundlagen für den Umgang mit den Kosten, die den vom Volk bewilligten Kredit übersteigen. Die Stimmberechtigten hatten 2023 einen Kredit für städtische Leistungen von rund 200 Millionen Franken abgesegnet.
Mettler räumte ein, dass in einem umfangreichen Mitwirkungsprozess zahlreiche Ideen, und Ansprüche an das Projekt herangetragen worden seien. Nach einer ersten Abstimmungsniederlage des Viererfeldprojekts 2004 und Kritik an mangelnder Einbindung der Interessengruppen habe man es besser machen wollen.
Nun sei der Zeitpunkt da, wo man all die Ideen und Ansprüche durchkämmen müsse. Es gelte zu prüfen, was in dem komplexen Projekt realisierbar sei und welche Nutzungen sich etwa widersprächen.
Dazu kommt laut Mettler, dass in den letzten Jahren auch Klimafragen beim Bauen eine immer stärkere Rolle spielten und im Projekt berücksichtigt würden. Aebischer nannte als Beispiel etwa die häufiger auftretenden Starkregen und Hitzephasen.
Am günstigen Wohnraum soll nicht gerüttelt werden
Ein grosses Ziel, das die Stadt auf dem Viererfeld verfolgt, ist bezahlbarer, gemeinnütziger Wohnraum. Daran werde nicht gerüttelt, betonte Mettler. Der Baurechtszins für die erste und zweite Etappe werde nicht verändert. Die Gemeinderätin verwies auf die Richtlinien des Bundesamts für Wohnungswesen, die Obergrenzen für die Erstellungskosten festlegten.
Auf dem 19 Hektar grossen Areal soll Wohnraum für rund 3000 Menschen sowie eine Schule entstehen.