Beispiellose Hilfsbereitschaft
Bei der Glückskette sind bereits rund 20 Mio. Franken an Spenden für die Flutopfer eingegangen. Nationaler Sammeltag ist am 5. Januar.
Zahlreiche nationale und internationale Hilfsorganisationen sind im Einsatz. Sie verbreiten am Jahresende so etwas wie Hoffnung in einer scheinbar hoffnungslosen Situation.
Die Spenden an die Glückskette – sie ist der karitative Arm der Schweizerischen Radio und Fernsehgesellschaft (SRG) – für die Opfer des Seebebens in Südostasien haben am Freitag die 20-Mio. Franken-Grenze überschritten.
Seit der letzten Bestandesaufnahme am Donnerstagmorgen kamen damit 9 Millionen hinzu.
Kommunikationsleiter Roland Jeanneret bezeichnete dieses Ergebnis als «sensationell». So einen Rekord habe er «noch nie erlebt». Bereits am Mittwoch waren bei der Glückskette 7 Mio. Franken eingegangen.
TV-Sondersendung
Das Schweizer Fernsehen strahlt am 5. Januar die Sondersendung «Wir helfen Südasien – Die grosse Schweizer Sammelaktion» aus. An den Spendentelefonen nehmen rund 20 Prominente Anrufe entgegen. Alle Spenden fliessen der Glückskette zu.
Die 100-minütige Sondersendung auf dem ersten TV-Programm wird am gleichen Tag ausgestrahlt, an dem die Glückskette ihren nationalen Sammeltag durchführt.
Gemeinden und Firmen spenden
Die Glückskette erhielt bereits von zahlreichen Gemeinden und Unternehmungen Spenden. Beispielsweise spendete die Gemeinde Stäfa 100’000 Franken für die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien. Dies beschloss der Gemeinderat der Zürcher Gemeinde am Freitag. Das Seebeben habe unvorstellbares Leid verursacht.
Angesichts der für nicht betroffenen Menschen unvorstellbaren Auswirkungen dieser grauenhaften Ereignisse wolle der Gemeinderat rasch und unbürokratisch ein Zeichen setzen, heisst es in der Mitteilung der Gemeinde.
Der Zürcher «Tages Anzeiger» begründete die Tatsache, dass die Zeitung keine eigene (und werbewirksame) Spendenaktion startete so: «Dieses Ereignis erträgt weder aus logistischen noch politischen Gründen Amateurismus. Hilfshektik ist nachvollziehbar, aber kontraproduktiv. Aktivismus überspielt nur die eigene Hilflosigkeit.»
Deswegen werde die Zeitung am Sammeltag den Betrag von 100’000 Franken an die Glückskette überweisen.
Partner-Hilfswerke
Bei ihrer Aktion arbeitet die Glückskette mit acht Partner-Hilfswerken zusammen. Diese haben ihrerseits Beiträge in der Höhe von 2,7 Mio. Franken zur Verfügung gestellt.
Diese Schweizer Hilfswerke (HEKS, Caritas, Terre des hommes, SAH, SRK und MSF, Medair und Handicap International) leisten die Nothilfen teils zusammen mit Partnerorganisationen vor Ort. So wurden und werden Nahrungsmittel, Wolldecken, Kleidung und Hygieneartikel abgegeben.
Weiter werden provisorische Unterkünfte gesucht, Trinkwasser- Tanks und Toiletten sowie mobile Kliniken eingerichtet und örtliche Spitäler mit medizinischen Hilfsmitteln unterstützt.
Ab Freitag verschickte das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) in mehreren Flügen 26 Tonnen Hilfsgüter in das Katastrophengebiet von Sri Lanka, teilte die Organisation mit.
Das SRK erhöhe seine Soforthilfe für die Katastrophenopfer in Südasien während der nächsten Wochen auf 1 Mio. Franken.
Medizinische Notfalleinheiten
Die Hilfsorganisation Medair sandte ein Evaluationsteam nach Sri Lanka. An der Ostküste klärt es laut Communiqué die Bedürfnisse von gut 180’000 obdachlosen Menschen ab.
Medair schickte auch vier medizinische Notfalleinheiten, die 40 000 Menschen drei Monate lang versorgen können und Wasserreinigungsausrüstung.
Für das Hilfswerk Handicap International reisen am 3. Januar sechs Atemwegs-Physiotherapeuten nach Sri Lanka. Die Menschen hätten Meerwasser eingeatmet, was zu schweren Infektionen führen könne, teilte die Organisation mit.
Mit Terre des Hommes organisiert Handicap sieben Notfallequipen für die unmittelbare Hilfe.
Hilfe für Kinder
Das grösste international tätige Schweizer Kinderhilfswerk, Terre des Hommes, ist mit einer permanenten Equipe vor Ort und koordiniert nach eigenen Angaben diverse Hilfsanstrengungen.
Viele Kinder seien ertrunken, überlebende Kinder irrten elternlos umher, erklärt die Organisation.
Die Hilfsgelder sind am Hauptsitz in Lausanne zugunsten der Seebebenopfer freigestellt worden.
Noch zahlreiche Vermisste
Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) hat am Freitagmorgen vier Schwerverletzte von Phuket nach Genf geflogen. Zudem wurden zwei weitere Patienten nach Genf geflogen, die zuvor nach Frankfurt gebracht worden waren.
Ein dritter Ambulanz-Jet der Rega war am Donnerstagmittag nach Phuket gestartet.
Die Rega kümmert sich im Katastrophengebiet um rund 130 Schweizer Verletzte.
Fünf Tage nach der Flutkatastrophe in Asien werden noch tausende Touristen aus Europa vermisst. Aus der Schweiz sind es noch 850 Personen.
Allein Deutschland, Österreich und Grossbritannien vermissen weit über 2000 Landsleute.
Das Ausmaß der Flutkatastrophe am Indischen Ozean sprengt jede Vorstellungskraft: Die Behörden der betroffenen Küstenregionen befürchten mittlerweile insgesamt rund 150’000 Tote, offiziell gemeldet sind bislang rund 130′ 000 Opfer.
swissinfo und Agenturen
Die Glückskette ist der karitative Arm der SRG.
Sie sammelt bei Katastrophen – verursacht durch Mensch oder Natur – und beteiligt sich an der Finanzierung von Hilfsprogrammen ihrer Partner, den Schweizer Hilfswerken.
Die Glückskette wurde 1946 gegründet
Die Hotline des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), die Verwandten von Südostasien-Reisenden Auskunft gibt:
+41 31 325 33 33.
Das Sammelkonto der «Glückskette» lautet: 10-15000-6 (Vermerk «Seebeben Asien»).
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