Corden Pharma baut Chemiewerk in Muttenz BL vorläufig doch nicht
Ein bereits angekündigter Bau eines neuen Chemiewerks in Muttenz BL wird nun vorläufig doch nicht realisiert. Das Biotech-Unternehmen Corden Pharma stellt das 2025 angekündigte Projekt einer neuen Produktionsstätte für Peptide mit über 300 Arbeitsplätzen zurück.
(Keystone-SDA) Corden Pharma habe infolge einer strategischen Überprüfung entschieden, das Peptid-Projekt in Muttenz zurückzustellen, während «andere Möglichkeiten evaluiert» würden, bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens der Nachrichtenagentur AWP am Dienstag. Zuvor hatten die «CH Media»-Publikationen über den Projektstopp berichtet.
Milliarden-Umsatzziel
Das Pharmaunternehmen, das im Besitz des Luxemburger Private-Equity-Unternehmers Astorg ist, hatte im März 2025 angekündigt, über 500 Millionen Euro für den Neubau eines Peptid-Werks in Muttenz zu investieren. Corden Pharma werde mehr als 1 Milliarde Euro in Produktionsstätten in ganz Europa und den USA investieren.
Das damals ausgegebene Ziel eines Umsatzes von über 1 Milliarde Euro mit Peptiden gelte auch weiterhin, heisst es von Seiten von Corden Pharma: Das Unternehmen stütze sich dabei auf eine starke Nachfrage und den fortschreitenden Ausbau der Kapazitäten im globalen Netzwerk. Peptide kommen unter anderem bei Medikamenten zum Gewichtsverlust zum Einsatz.
Die Schweiz und Europa blieben wichtige Säulen der globalen Aktivitäten von Corden Pharma, versicherte die Firmensprecherin. Das Unternehmen werde im Rahmen seiner langfristigen Wachstumsstrategie weiterhin in der Region investieren. «Weitere Informationen zu unseren Plänen werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.»
Mutmassen über Gründe
Laut den ursprünglichen Plänen hätte der Bau des Werks bereits 2025 starten sollen, die Aufnahme der Produktion war für die erste Hälfte 2028 vorgesehen. Die Gemeinde Muttenz sei vergangenen Oktober über die vorläufige Sistierung der Investitionspläne informiert worden, sagte Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann gegenüber «CH Media». Man bedauere den Entscheid, ohne dessen Gründe zu kennen.
Laut «CH Media» vermuten Brancheninsider, dass für den Entscheid von Corden Pharma die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump eine wesentliche oder gar ausschlaggebende Rolle spielt. Trump hatte 2025 hohe Zölle für Importe aus der Schweiz verhängt, von denen die Pharmaindustrie allerdings zunächst ausgenommen war.
Anfang April 2026 kündigten die USA dann generelle Zölle von bis zu 100 Prozent auf patentgeschützte Medikamente und deren Wirkstoffe an. Für Schweizer Exporte gilt aber ein reduzierter Satz von 15 Prozent. Ausgenommen sind Firmen, die mit der US-Regierung Deals abschliessen.