Können Schweizer Skirennfahrer wieder siegen?
Das Schweizer Ski-Team ist startbereit: Am Wochenende erfolgt im österreichischen Sölden der Start in die diesjährige Weltcup-Saison.
Obschon die Equipe klein geworden ist, will sie an die Erfolge von früher anknüpfen.
Bereits zum fünften Mal beginnt die Weltcup-Saison auf dem Rettengletscher in Sölden. Diesmal stehen zwei Riesenslaloms.
Ein Blick zurück: Vor einem Jahr konnte Swiss Ski, der Schweizer Ski-Verband beim Saisonbeginn in Österreich sein 100-jähriges Bestehen feiern.
Damals hofften die Verbandsgewaltigen und Trainer des helvetischen Skisports, das Ereignis mit Spitzenplätzen der Schweizer Skirennfahrerinnen und -fahrer gebührend feiern zu können.
Pleite-Winter 03/04
Doch daraus wurde nichts. Einst Referenznation der alpinen Skidisziplinen, musste sich die Schweiz letzten Winter lange gedulden, bis bei den Herren endlich der erste Podestplatz herausschaute.
Und am Saisonende fiel die Bilanz dann enttäuschend mager aus: Zwei Siege, zwei zweite und drei dritte Plätze, mehr hatte das Schweizer Ski-Team nicht vorzuweisen.
Doch das war nichts Neues: Seit der uneingeschränkten Domination in den Achtziger Jahren lassen die Leistungen der Schweizer Skirennfahrer langsam nach. Es mangelte unter anderem an Wettbewerb in den eigenen Reihen
Motto: Nach vorne schauen!
«Man muss positiv bleiben», sagt Maria Walliser pragmatisch. Sie gehörte damals selber zu den ganz Grossen im Ski-Zirkus. Die Schweiz verfüge weiterhin über gute Skifahrerinnen und –fahrer, die gute Resultate bringen könnten.
«Was zu meiner Zeit ablief», so Walliser, «war wirklich einzigartig.» Sie zählt die klingenden Namen auf: Michela Figini, Erika Hess, Vreni Schneider, Brigitte Oertli, Pirmin Zurbriggen, Peter Müller oder Karl Alpiger. «Ein Vergleich mit heute ist da nicht möglich.»
Walliser, ehemalige Weltmeisterin und olympische Medaillenträgerin aus dem St. Gallischen Toggenburg, ist bis heute eine aufmerksame Beobachterin der Schweizer Skisrennszene geblieben.
Interner Druck fehlt
Sie erinnert sich an den Wettbewerb, der es während der 80er-Jahre noch innerhalb der Schweizer Ski-Mannschaft gab. Ein Arbeitsklima, das es ermöglicht habe, sich gegenseitig zu übertreffen. Dort, wo damals die von Sieg zu Sieg eilenden Schweizer standen, stehen heute die Asse aus Österreich.
«Hat es mehr als einen Champion in der Equipe, motiviert das alle anderen», sagt Walliser. «Heute ist das Reservoir beschränkter. Doch man muss damit arbeiten können» Schliesslich sei auch beim Start jeder Athlet auf sich allein gestellt.
Nüchterner Realismus
Bei Swiss Ski wurde reagiert: Die Teams führen jetzt die beiden Cheftrainer Marie-Theres Nadig (Frauen) und Martin Rufener (Herren). Erwartungen werden keine hochgeschraubt, nüchterner helvetischer Realismus hat Einzug gehalten.
Dadurch wollen die Beiden Enttäuschungen, welche die Vorgänger erlebt hatten, vermeiden. «Wir zielen Rangierungen zwischen 1 und 10 an», tönt es von Nadig und Rufener.
Die Schweiz hat zwar mit Sonja Nef, Nadia Styger, Didier Cuche, Ambrosi Hoffmann und Bruno Kernen Athleten am Start, die das Zeug zu Top-Klassierungen haben. «Man sollte vom Wochenende in Sölden aber nicht allzu viel erwarten», warnt Maria Walliser. Erst nach den Rennen in den USA sei es dann möglich, eine erste Bilanz zu ziehen.
Eines jedenfalls ist sicher: Die Schweizer Ski-Cracks müssen spätestens im Januar bereit sein: Dann finden in Bormio die Weltmeisterschaften statt.
swissinfo, Mathias Froidevaux
(Übertragung aus dem Französischen von Alexander Künzle)
Der Herren-Nationalmannschaft gehören Didier Cuche, Ambrosi Hoffmann, Bruno Kernen, Silvan Zurbriggen und Tobias Grünenfelderm an.
Paul Accola und Didier Défago wurden aus der Nationalmannschaft ins A-Team zurückversetzt.
Die Nationalequipe der Frauen umfasst Nadia Styger, Fränzi Aufdenblatten und Sylviane Berthod.
Versetzt ins A-Team wurden Sonja Nef und Marlies Oester.
14 Nachwuchs-Athletinnen und -Athleten bilden das C-Team.
Der diesjährige Ski-Zirkus beginnt wie in den letzten Jahren auf der Gletscherpiste von Sölden.
Im vergangenen Jubiläumsjahr vom Swiss Ski vermochte das Schweizer Team total nur sieben Podiumsränge zu verbuchen.
Höhepunkt der neuen Saison sind die Weltmeisterschaften in Bormio (28. Januar bis 13. Februar 2005).
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