Rigamontis Zitterpartie
Der Star des ersten Tages der Schwimm-Weltmeisterschaften in Fukuoka (Jap) war Ian Thorpe. Er wurde über 400 m Crawl mit Weltrekordzeit Weltmeister und gewann danach mit der 4x100-m-Crawl Staffel die zweite Goldemdaille. Flavia Rigamonti qualifizierte sich als Achte für den 800er-Final.
Trotz Rigamontis erfüllter Pflicht verlief der WM-Auftakt für die Schweizer Delegation wenig verheissungsvoll. Alle andern Schwimmer schieden in den Vorläufen aus, die 4x100m-Crawlstaffel wenigstens mit einem neuen Schweizer Rekord von 3:24,10, mit dem sie die Uralt-Marke aus dem Jahr 1987 auslöschten.
Selbst die Finalqualifikation von Rigamonti wirkte wenig überzeugend. Mit 8:40,33 schlüpfte die Europameisterin und Olympia-Vierte knapp als Letzte ins Feld der acht Finalistinnen. Weniger als ein Armschlag trennte sie von der neuntklassierten Russin Irina Ufimtsewa, der 800-m-Weltcupsiegerin und 400-m-Europameisterin in der Kurzbahn.
Rigamonti: «Ich kann mich noch steigern»
An den Olympischen Spielen in Sydney war Rigamonti 15 Sekunden schneller geschommen. Sie habe noch Reserven, meinte die 20-Jährige aus Breganzona: «Vorläufe am Morgen sind nicht meine Stärke. Ich werde mich im Final noch steigern können.» In Sydney war sie im Endkampf fünf Sekunden schneller geschwommen als im Vorlauf, aber dort hatte sie immerhin eine 8:30er-Zeit vorgelegt. Mit einem solchen Wert hätte sie in Fukuoka den Vorlauf gewonnen.
Als (überlegene) Vorlaufsiegerin erreichte die Deutsche Hannah Stockbauer eine Zeit von 8:31,79. Stockbauer, die Europameisterin von 1999, die bei der EM 2000 – als Rigamonti und Strasser einen Doppelsieg feierten – ihren Titel nicht verteidigte, gilt im Final als hohe Favoritin. «Aber dahinter», so Rigamonti, «hoffe ich in den Kampf um Silber und Bronze eingreifen zu können». Ungewohnt für die Tessinerin, die wegen Matura-Prüfungen nicht so intensiv wie im Olympiajahr trainieren konnte, wird die Aussenbahn 8 sein. «Zumindest werde ich bei dieser Ausgangslage keinen Druck spüren und kann das Finalrennen unbeschwert angehen.» Um rund vier Sekunden verpasste die EM-Zweite Chantal Strasser den Final. Mit 8:44,78, einer Zeit zehn Sekunden über ihrer persönlichen Bestleistung, kam sie über den 14. Platz nicht hinaus.
Rekord – und Schlusspunkt unter Aera Voléry/Halsall
Für das zweite positive Ergebnis sorgte die 100-m-Crawl-Staffel, die den 14 Jahre alten Schweizer Rekord von Volery, Bottini, Krist und Halsall auslöschte. Dabei war ein Einsatz ursprünglich gar nicht vorgesehen. Das Quartett wurde nur fürs Staffelrennen gemeldet, weil Christoph Bühler, Karel Novy, Philipp Gilgen und Lorenz Liechti individuell die WM-Selektion geschafft hatten und ohnehin in Japan weilten. Mit 2:24,10 unterboten sie die Cracks von anno dazumal um 1,14 Sekunden. Novy, Gilgen und Liechti leisteten mit persönlichen Bestleistungen ihren Beitrag zur neuen Bestmarke; nur vier Schwimmer waren schneller als Novy, der glänzende 49,32 schwamm.
Über 50 m Crawl verpassten Novy (22.) und Bühler (20.) das Ziel einer Halbfinal-Qualifikation (beste 16) knapp. Deutlicher scheiterten Agata Czaplicki und Carmela Schlegel über 100 m Brust. Vor allem Czaplicki, die mit Koordinations-Problemen kämpft, war ein Schatten ihrer selbst und musste sich mit dem 35. Rang unter 42 Teilnehmerinnen begnügen.
14. Weltrekord für «Thorpey»
Schon am ersten Tag brachte der dreifache Olympiasieger Ian Thorpe die 10’000 Zuschauer in Verzückung. Mit einem phänomenalen Endspurt zog «Thorpey» seinem Landsmann Grant Hackett und den beiden Italienern Brembilla und Rosolini davon und schwamm den 14. Weltrekord seiner Karriere. «Der Sieg in dieser Disziplin ist für mich der wichtigste», fand der Australier. «Über 400 m bin ich vor drei Jahren (mit 15 als jüngster Schwimmer aller Zeiten, die) erstmals Weltmeister geworden, wurde dann auch Olympiasieger und schwamm schon drei Weltrekorde.» Den vierten Weltrekord in Fukuoka hatte sich kaum abgezeichnet: Bei halber Distanz lag Thorpe noch anderthalb Sekunden hinter seiner alten Bestmarke zurück.
Wenig später holte Thorpe mit seinen Landsleuten Michael Klim, Ashley Callus und Todd Paerson über 4×100 Crawl die zweite Goldmedaille vor Holland mit Lead-Schwimmer Pieter van den Hoogenband. Die US-Staffel wurde disqualifiziert, wäre aber auch sonst nur zu Bronze gekommen. Bei den Frauen ging der erste Titel über 400 m Lagen an die Olympiasiegerin Jana Klotschkowa aus der Ukraine.
swissinfo und Agenturen
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