Axpo hofft auf KMU beim Ausbau der Windkraft
Mit Windstrom erhielten KMU Planungs- und Versorgungssicherheit und die umstrittene Stromproduktionsform mehr Akzeptanz.
Die Windkraft hat es politisch nicht einfach in der Schweiz. Nun versucht der Energiekonzern Axpo direkt über Unternehmen mehr Schwung in den Windkraft-Ausbau zu bringen: Privathaushalte kaufen sich kaum ein Windrad, für KMU aber scheint eine solche Investition interessant.
Jedes Windkraftprojekt beginnt mit einem Messmast. Derzeit steht zum Beispiel in Rossrüti, auf einer Wiese im hügeligen Gelände nordöstlich der Stadt Wil im Kanton St. Gallen, ein solcher. Hier werden Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Temperatur und Luftdruck gemessen.
Entscheidende Topographie
Die vorhandenen Daten aus dem sogenannten Windatlas reichten nicht, sagt Cédric Aubert, Leiter Windkraft beim Axpo-Konzern, der hier einen Windpark bauen möchte: «Die Topografie ist sehr entscheidend. Deshalb müssen wir immer bei jedem Projekt wirklich genau messen.»
Für die Umweltverträglichkeitsprüfung muss Axpo zudem die Aktivitäten von Fledermäusen und Vögeln aufzeichnen. Drei grosse Windräder, die vor allem im Winter so viel Strom produzieren wie rund 5000 Haushalte verbrauchen, möchte Axpo hier aufstellen.
Die Messungen am Mast in Rossrüti seien bisher vielversprechend, meint Cédric Aubert. Und grundsätzlich sei der Standort ideal. «Weil es Wind gibt und weil der Strom lokal verbraucht werden könnte.»
Verkaufsargument Planungs- und Versorgungssicherheit
Cédric Aubert hofft, dass sich neben den umliegenden Gemeinden auch kleine und mittlere Unternehmen aus der Region am Projekt beteiligen. «Die Investition in Windkraft ist für KMU ideal, weil ein Windpark eine Lebensdauer von rund 25 Jahren hat», sagt Cédric Aubert. «Wer in einen Windpark investiert, kann sich für diese Periode Strom kaufen, zu einem konstanten Preis. Das heisst: Planungs- und Versorgungssicherheit. Sie kriegen den Strom und sind der geopolitischen Lage und den stark schwankenden Strompreisen nicht ausgesetzt.»
Planungs- und Versorgungssicherheit würden sich KMU auch etwas kosten lassen, ist Cédric Aubert überzeugt. Aktuell kostet die Kilowattstunde Windstrom 2 bis 3 Rappen mehr als der Durchschnittsstrom. «Zudem ist der Strom von Windrädern erneuerbar, und sauber. Die KMU müssen ja auch ihre CO₂‑Bilanz anschauen.»
Axpo sei mit verschiedenen KMU im Gespräch über mögliche Beteiligungen. Konkrete Namen will Cédric Aubert noch nicht nennen. Klar ist für ihn aber: «Wenn die lokale Industrie sich beteiligt, sehen die Leute: ‹Aha, das hat einen Nutzen, auch einen wirtschaftlichen, für unsere Region.›» Der Akzeptanz würde das helfen.
Frühestens im Jahr 2031 könnten die drei Windräder bei Rossrüti Strom produzieren. Heute drehen in der ganzen Schweiz erst etwa fünfzig dieser grossen Rotoren und produzieren deutlich unter einem Prozent des Schweizer Stroms.
Hoffen auf einen Boom analog zur Solarenergie
Bis 2050 soll Wind gemäss Energiestrategie deutlich mehr, nämlich 7 Prozent, zum Strommix beitragen. Das tönt herausfordernd bis unmöglich. Cédric Aubert hofft aber auf eine ähnliche Entwicklung wie bei der Solarenergie. «Vor 15 Jahren war Solar auch bei 0.2 Prozent. Heute produzieren Solaranlagen mehr als 14 Prozent des Schweizer Stroms. Damals haben alle gesagt: ‹Das geht nicht.›»
Der Ausbau ist aber noch alles andere als gewiss. Gleich zwei Volksinitiativen, die den Bau von Windrädern stark einschränken wollen, kommen voraussichtlich 2027 zur Abstimmung.
Der Windatlas zeigtExterner Link Windrichtung und Windstärke für verschiedene Standorte in der Schweiz auf. Das Planungsinstrument des Bundesamts für Energie (BFE) zeigt zudem auf, in welchen Gebieten besonders hohes Windpotenzial herrscht. Im Vergleich zeigt der Windatlas auch eine Schweizer Karte mit den verschiedenen Bundesinteressen im Gebiet. Darauf werden zum Beispiel Bauzonen (mit Lärmschutz) oder Schutzgebiete aufgezeigt, welche beim Bau einer Windkraftanlage berücksichtigt werden müssten.
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