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Der Schweizer Rekordsommer 2026 in Zahlen

Ein grosser Ventilator in einem Kuhstall, ein Bauer sorgt sich um Kühe
Dieser Züchter aus dem Kanton Waadt musste auf neue Lösungen zurückgreifen, um den Hitzestress seines Viehs zu verringern. Keystone / Jean-Christophe Bott

Der diesjährige Sommer war der heisseste und trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1864 – nur ein nationaler Rekord wurde nicht gebrochen.

Der Sommer 2026 hat die Klimageschichte der Schweiz neu geschrieben. Die Durchschnittstemperatur, die Anzahl der Hitzewarntage und die Anzahl der Tropennächte übertrafen jene des «Jahrhundertsommers» von 2003, während die Niederschlagmengen und die Pegel zahlreicher grosser Seen des Landes saisonale Tiefstwerte erreichten.

Der am 10. September veröffentlichte Abschlussbericht Externer Linkfür den Sommer des Schweizerischen Instituts für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) zeigt, wie aussergewöhnlich die vergangenen Monate waren. Eine Anomalie, die gemäss Klimamodellen zur Norm werden könnte, wenn die Treibhausgasemissionen nicht rasch reduziert werden.

«Mit den heutigen Klimagesetzen weltweit steuern wir auf eine Welt zu, in der etwa jeder zweite Sommer heisser ist als dieser», sagte Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich), gegenüber dem Portal WatsonExterner Link.

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3,4°C über dem langjährigen Mittel

Die nationale Durchschnittstemperatur der Monate Juni, Juli und August betrug 17,2°C. Dieser Wert liegt 3,4°C über dem Mittelwert des Referenzzeitraums 1991–2020 (im gleichen Zeitraum betrug die Durchschnittstemperatur 2003 16,9°C).

Knutti nennt fünf Gründe für die aussergewöhnliche Hitze: die globale Erwärmung, die zu 60 bis 70% dazu beiträgt, die Bodentrockenheit, die den kühlenden Effekt der Verdunstung aufhebt, die sauberere Luft, welche die Sonneneinstrahlung erhöht, die Ansammlung von Hochdruckgebieten über Europa sowie den Mangel an Gewittern.

Die Schweiz gehört zu den Ländern, die sich weltweit am schnellsten erwärmen. Im Herzen Europas schreitet die Klimaerwärmung doppelt so schnell voran wie im globalen Durchschnitt. In diesem Artikel erklären wir, warum das so ist.

39,7°C in Basel

In diesem Sommer haben 30 der rund 160 automatischen Messstationen von Meteoschweiz neue Rekordhöchsttemperaturen verzeichnet. Fast die Hälfte davon wurde bereits im Juni erreicht.

Den nationalen Rekord hält die Messstation Basel/Binningen mit 39,7°C, die am 30. Juli gemessen wurden. Damit wurde der Hitzerekord der Schweiz nördlich der Alpen, der 2015 in Genf/Cointrin aufgestellt worden war, egalisiert.

Neue Tageshöchsttemperaturen wurden zudem in Buchs/Aarau (38,6°C), Zürich/Kloten (38,3°C) und Luzern (36,8°C) gemessen. Südlich der Alpen wurde der Höchstwert mit 39,2°C am 30. Juli in Biasca im Kanton Tessin registriert.

Auch in den Bergen wurden aussergewöhnliche Temperaturen erreicht. In Scuol im Kanton Graubünden zeigte das Thermometer auf 1304 Metern Höhe 35,1°C an.

Der absolute Höchsttemperaturrekord der Schweiz wurde hingegen nicht gebrochen. Dieser gehört weiterhin Grono im südlichen Graubünden, wo im Sommer 2003 41,5°C gemessen wurden.

Diese Messung ist jedoch umstritten, da sie nicht mit einem elektronischen Sensor durchgeführt wurde, wie es heute üblich ist. Nach den aktuellen Kriterien für die Messung und Auswertung meteorologischer Daten würde dieser Wert 40,5°C entsprechen.

57 Hitzewarntage

Der Sommer 2026 wird unter anderem wegen der vielen Hitzewellen in die Annalen eingehen. Als Hitzewellen werden Zeiträume von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen mit einer täglichen Durchschnittstemperatur von 25°C oder mehr definiert. Zwischen Ende Mai und Ende August gab es vier solche Perioden.

Locarno/Monti im Tessin verzeichnete die höchste Anzahl an Hitzewarntagen: 57 auf Stufe 3 (mässige Gefahr) und 33 auf Stufe 4 (starke Gefahr), gekennzeichnet durch einen täglichen Durchschnitt von mindestens 27°C. Darüber hinaus wurde mit 24 Tagen in Folge über 30°C ein neuer Rekord für aufeinanderfolgende Tage aufgestellt.

Mehrere Messstationen verzeichneten mindestens zwei Wochen mit mehr Tropentagen als bei früheren Rekorden. So überschritten Basel, Genf und Sitten die Marke von 50 Tagen mit mindestens 30°C, während Zürich und Bern zusammen mehr als 40 Tage zählten. Auch die Anzahl der Tage mit starker Hitze über 35°C nahm zu.

Der vergangene Sommer gibt einen Vorgeschmack auf die Sommer der Zukunft. Klimamodelle sagen voraus, dass die Schweiz bei einer globalen Erwärmung um 3°C im Jahresdurchschnitt 45 Hitzewarntage der Stufe 3 und 15 Tage der Stufe 4 verzeichnen könnte.

Der diesjährige Sommer sollte einer Schweizer Expertin für die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze zufolge ein Weckruf sein:

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50 Tropennächte in Locarno/Monti

Auch in den Nachtstunden blieben die Temperaturen in der Schweiz hoch. Von Tropennächten spricht man, wenn die Temperatur nicht unter 20°C fällt. Locarno/Monti verzeichnete 50 dieser Nächte und damit acht mehr als im Sommer 2003. Die dortige Bevölkerung erlebte zwischen Ende Juli und Mitte August eine ununterbrochene Abfolge von 19 Tropennächten.

Auch in Neuenburg in der Nordwestschweiz war der Hitzestress stark ausgeprägt. Dort verdoppelte sich die Anzahl der Tropennächte von 15 im Jahr 2003 auf 30 in diesem Jahr.

Wenn das Thermometer auch nachts nicht unter 20°C fällt, kann sich der Körper nicht abkühlen und von der tagsüber angesammelten Wärme erholen. Dies erhöht die Gesundheitsrisiken für besonders gefährdete Personen wie ältere Menschen oder Personen mit chronischen Krankheiten.

Seit den 1980er-Jahren lag der Anstieg im Durchschnitt bei fünf bis acht weiteren Tropennächten pro Jahrzehnt, erklärte der Meteorologe Luca Nisi gegenüber dem italienischsprachigen Radio- und Fernsehen RSIExterner Link.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das Wachstum jedoch beschleunigt und liegt nun bei rund zehn weiteren Nächten pro Jahrzehnt.

Gemäss den Klimaszenarien für die SchweizExterner Link könnten die Tropennächte in Locarno/Monti bei einer globalen Erwärmung von 3°C auf mehr als 70 pro Jahr ansteigen. In Neuenburg und anderen Schweizer Städten könnten sie sich der Marke von 50 annähern.

Kombination aus zwei Bildern, die den Balkon eines Gebäudes zeigen: links auf einem normalen Foto, rechts mit einer Wärmebildkamera
Fotografiert kurz nach Mitternacht am 30. Juli 2026 in Zürich, rechts mit Wärmebildkamera: Blau steht für tiefe Temperaturen, Rot für hohe. Keystone / Gaetan Bally

50 Zentimeter weniger im Bodensee

Auch in Bezug auf die Trockenheit war das Jahr 2026 aussergewöhnlich. Der Zeitraum von April bis August war der trockenste seit 1901, die Niederschlagmengen in der Schweiz lagen bei nur etwa der Hälfte (61%) des üblichen Werts.

Einige Orte verzeichneten besonders geringe Niederschläge: 318 mm in Herisau (im Vergleich zu 736 mm im Zeitraum 1991–2020), 282 mm in Freiburg (im Vergleich zu 490 mm) und 371 mm in Faido (im Vergleich zu 692 mm).

Grafik: Kai Reusser, Swissinfo

Die Abflussmengen vieler Fliessgewässer lagen deutlich unter dem langjährigen Mittel. Einige, wie die Emme in der Zentralschweiz, trockneten auf einzelnen Abschnitten sogar aus.

Bei niedrigem Wasserstand erwärmen sich Bäche und Flüsse unter der intensiven Sonnenstrahlung schneller. Dies erhöht den Stress für Fische und weitere Wasserlebewesen.

Die Lage war besonders kritisch beim Rhein, wo die aussergewöhnlich niedrigen Abflüsse die Schifffahrt behinderten. Viele Schiffe mussten ihre Ladung reduzieren, was die Transportkosten erhöhte und die Versorgung mit Waren und Rohstoffen erschwerte.

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Auch die wichtigsten Schweizer Seen waren von der Trockenheit betroffen. So sanken die Pegelstände des Bodensees und des Zürichsees während des Sommers unter die historischen Tiefstwerte, die üblicherweise in dieser Jahreszeit beobachtet werden – die Abweichungen betrugen knapp 50 Zentimeter.

Der Sommer 2026 ist als der heisseste der letzten 162 Jahre in die Geschichte eingegangen. Laut Meteoschweiz könnte er jedoch – sollte sich die Erde weiter erwärmen – bis Ende des Jahrhunderts als einer der kühlsten Sommer in Erinnerung bleiben.

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Editiert von Gabe Bullard/vdv, Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub

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