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Falsche Polizisten, echter Schaden: Fast zehn Millionen Franken allein in der Romandie erbeutet

Ein Plakat einer Kampagne gegen Telefonbetrug
Ein Plakat der Kampagne gegen Telefonbetrug während einer Pressekonferenz am 28. September 2023 in Bern. Keystone / Peter Klaunzer

Die von falschen Polizisten organisierten Betrügereien nehmen zu. Wie eine Untersuchung der Fernsehsendung «Temps Présent» zeigt, haben Betrüger in der Westschweiz seit 2023 dank eines organisierten Netzwerks von «Geldeseln», über soziale Medien rekrutiert, fast zehn Millionen Franken ergaunert.

Das Phänomen nimmt besorgniserregende Ausmasse an. Im Jahr 2023 verzeichneten die Westschweizer Polizeien gestohlene Beträge von 1,5 Millionen Franken. Im darauffolgenden Jahr stieg die Summe auf 3,5 Millionen Franken. Allein von Januar bis Oktober 2025 hatten die Schäden bereits 4,5 Millionen Franken überschritten.

Hinter diesen Zahlen steckt eine gut geölte kriminelle Maschinerie, die das Vertrauen älterer Menschen ausnutzt und gerade volljährig gewordene Jugendliche als Zwischenhändlerinnen und -händler rekrutiert.

Ein perfekt einstudiertes Szenario: An einem Tag im April 2025 klopfen zwei Männer an die Tür von Suzanne Mermoud. Sie ist 81 Jahre alt und wohnt in der Altstadt von Sitten.

Die Männer erklären ihr, dass in ihrem Quartier Diebe gesichtet wurden. Sie fordern die 81-Jährige auf, ihnen ihren Schmuck, ihre Kreditkarte und ihr Bargeld zu übergeben, um diese an einem sicheren Ort aufzubewahren.

Überzeugt, es mit echten Polizisten zu tun zu haben, kommt die Seniorin dem Drängen eifrig nach. «Ich habe ihnen sogar die Tasche gegeben, um die Sachen hineinzulegen, weil ich so sicher war, dass es wahr ist und sie einfach Fotos machen und mir alles zurückgeben würden», erzählt sie in der Sendung «Temps Présent» des Westschweizer Fernsehens RTS.

Falsche Polizisten, aber echte Opfer. Die Sendung von «Temps Présent» (Franz.):

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Suzanne Mermoud ist eines von Hunderten Opfern in der Westschweiz. Die Vorgehensweise der Täter variiert kaum. Von Frankreich aus kontaktieren die Auftraggeber ihre Opfer zuerst telefonisch.

Simon Baechler, Chef der Neuenburger Kriminalpolizei und Koordinator der Aktion der lateinischsprachigen Polizeien, erklärt: «Sie rekrutieren aufgrund des Vornamens. Eine ältere Person trägt oft einen traditionellen französischen Vornamen – das ist der erste Indikator. Auf dieser Grundlage durchforsten die Auftraggeber Telefonverzeichnisse und spüren die Leute so auf.»

Eine von der Sendung «Temps Présent» erlangte Audioaufnahme enthüllt die Methode der Betrüger: «Hier ist die Polizei Freiburg am Apparat», verkünden sie gleich zu Beginn, um ihre Glaubwürdigkeit zu etablieren.

Dann berufen sie sich auf ein dringendes Sicherheitsproblem: «Ich kontaktiere Sie, weil wir zwei Jugendliche mit einem Duplikat Ihrer Bankkarte verhaftet haben.» Um die Illusion zu verstärken, geben sie falsche Dienstnummern und die Adresse des Postens «Route des Arsenaux 3» an.

Die Inszenierung ist sorgfältig. Wenn die Opfer sich über die Herkunft des Anrufs wundern, rechtfertigen sich die Betrüger: «Das ist ein geschützter Anruf. Wir rufen maskiert an», bevor sie ihre «Geldesel vor Ort schicken, um die Wertsachen des Opfers einzusammeln.

Komplexe Ermittlungen

Baechler beschreibt eine methodisch organisierte Vorgehensweise: «Die Auftraggeber organisieren alles von ihrer Basis aus, indem sie den Geldboten eine Liste mit den Namen der Opfer und genaue Anweisungen liefern.»

Trotz der bekannten Vorgehensweise haben die Kantonspolizeien Mühe, bis zu den Drahtziehern des Netzwerks vorzudringen. Die Grenzbarriere, die Verwendung falscher Identitäten – die Geldboten benutzen Pseudonyme – und der ständige Austausch der Vermittler erschweren die Ermittlungen.

Die Beschlagnahmung von Telefonen und der Informationsaustausch zwischen den Dienststellen bleiben die wichtigsten Waffen der Ermittler.

Angesichts dieser wachsenden Plage intensivieren die Kantonspolizeien ihre Sensibilisierungskampagnen bei älteren Menschen und verstärken ihre Zusammenarbeit mit internationalen Polizeibehörden.

Das Ziel ist es, die verletzlichsten Bürgerinnen und Bürger vor einem kriminellen Netzwerk zu schützen, das seine Methoden ständig perfektioniert und professionalisiert sowie grenzüberschreitend agiert.

Übertragung aus dem Französischen mithilfe von Deepl: Christian Raaflaub

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