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Rekrutenschule: Immer mehr junge Auslandschweizer melden sich freiwillig zum Dienst

Immer mehr Auslandschweizer melden sich freiwillig zum Militärdienst
Die Rekrutenschule ist für einige Auslandschweizer eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. 19h30 – lundi à 19:30

Am Montag haben fast 13'000 junge Menschen ihre Rekrutenschule begonnen. Unter ihnen sind auch 45 junge Auslandschweizer – und das, obwohl für sie keine Militärpflicht gilt.

Valentin Lopez hat fast keine Verbindung zur Schweiz. Er besitzt den roten Pass dank seines Urgrossvaters, aber seine Familie lebt seit drei Generationen in Frankreich. Trotzdem hat sich der 19-Jährige aus dem Département Haute-Savoie südlich des Genfersees entschieden, in der Schweizer Armee Dienst zu leisten.

Weg vom Aussenseiter-Dasein

«Ich sehe das als Möglichkeit, mich mehr als Schweizer zu fühlen», sagt Lopez gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Ich hatte das Glück, als Schweizer geboren zu werden, lebe aber nicht hier. Man fühlt sich dann ein wenig wie ein Aussenseiter.»

Valentin und rund zwanzig weitere Freiwillige mit Wohnsitz im Ausland wurden zu einer speziellen Rekrutierung nach Payerne aufgeboten. Viele haben wie er die französische Staatsangehörigkeit. Sie könnten auch in Frankreich Dienst leisten und müssten dort nur einen einzigen «Tag der Verteidigung und Staatsbürgerschaft» («journée défense et citoyenneté») absolvieren. Danach könnten sie sich vom Dienst dispensieren lassen.

Rückkehr zu den Wurzeln

Christian Buschardt beispielsweise lebt seit mehreren Jahren in Berlin. Während seines Dienstes wird er bei seiner Familie in Genf wohnen. Er muss sich organisieren, um seine Freundin zu sehen, die in der deutschen Hauptstadt geblieben ist.

«Wir werden schon eine Lösung finden. Sie wird mich an einigen Wochenenden hier besuchen kommen, und ich werde an einigen Wochenenden nach Berlin zurückkehren. Ich werde dieses Opfer bringen. Ausserdem ist es immer schön, Freunde zu treffen und in Berlin ein Bier zu trinken», sagt der 24-Jährige.

Für ihn ist der Militärdienst eine Möglichkeit, wieder eine Verbindung zur Schweiz aufzubauen. «Ich habe nur noch ein Semester vor mir, dann bin ich mit meinem Studium fertig. Nach und nach werden wir wieder in die Schweiz zurückkehren. Nach acht Jahren im Ausland ist der Militärdienst für mich eine gute Möglichkeit, neu anzufangen», meint er.

Elf Monate statt einen Tag

In Payerne werden die französischsprachigen Freiwilligen einberufen.

Der 18-jährigen Sébastien Albayrak aus Strassburg möchte einen längeren Dienst leisten. «Manche halten es für unlogisch, elf Monate in der Schweiz statt nur einen Tag in Frankreich zu dienen. Aber mir geht es vor allem darum, mich selbst weiterzuentwickeln. Ich finde, das ist eine Win-win-Situation.»

Eine Motivation, die diejenigen überraschen mag, die in der Schweiz leben und zum Dienst verpflichtet sind. «Ich hätte es vorgezogen, nicht zur Armee zu müssen. Persönlich hätte ich mich also nicht dafür entschieden», sagt ein junger Mann, während er auf seinen Arzttermin wartet.

Auch die Sprache muss angepasst werden

Aber Valentin Lopez bleibt hartnäckig. Im Laufe der medizinischen und sportlichen Untersuchungen fühlt er sich in seiner Entscheidung bestätigt. «Vielleicht denken sie in der Schweiz, ich sei Franzose. Vielleicht werde ich ausgeschlossen. Aber letztendlich sind wir alle gleich», sagt der junge Mann, der nun übt, die Zahl siebzig «septante» statt wie in Frankreich «soixante-dix» zu sagen.

Zu Hause, im französischen Dorf Valleiry, ist seine Mutter Pascale begeistert. Sie hat gute Erinnerungen an ihren Grossvater, der Offizier in der Schweizer Armee war. «Man kehrt immer zu seinen Wurzeln zurück. Ich bin ich stolz auf Valentin», sagt Pascale, die in Marseille aufgewachsen ist.

Sie verspricht, ihren Sohn in Birmensdorf bei Zürich zu besuchen, einer Kaserne mit einem für sie schwer auszusprechenden Namen, fünf Stunden mit dem Zug von ihrem Zuhause entfernt. Valentin wurde dort für einen längeren Dienst in der Infanterie angenommen. Er plant, aufzusteigen und vielleicht später Polizist in der Schweiz zu werden.

Zunahme der Freiwilligen

Die Auslandschweizer machen nur einen Bruchteil der Rekruten aus. Aber ihre Zahl steigt stetig: Von etwa 50 im Jahr 2020 zählt die Armee heute fast 90 Auslandschweizer, die sich jedes Jahr freiwillig melden.

Auslandschweizer unter Waffen Anzahl der im Ausland lebenden Schweizer, die sich zur Rekrutierung der Schweizer Armee melden.
Die Zahl der im Ausland lebenden Schweizer, die sich zur Rekrutierung der Schweizer Armee melden, ist angestiegen. Graphique: Michael Maccabez / RTS Source: Armée suisse

Der Kommandant des grössten Rekrutierungszentrums des Landes, Oberst Samuel Crettol, hat diesen Anstieg ebenfalls festgestellt. «Ja, tendenziell werden es immer mehr. Das hängt vielleicht mit der internationalen Lage zusammen», sagt er.

Aber die Rekrutierung ist für alle gleich. «Wenn sie bei mir sind, gibt es keinen Unterschied mehr, egal aus welchen Gründen und von wo sie kommen. Die Auslandschweizer sind extrem motiviert, sie wollen es wirklich», so Crettol.

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