Wenig oder kein Schwimmunterricht an Schweizer Schulen
In der Schweiz erhalten zu viele Schüler während ihrer Schulzeit zu wenig oder gar keinen Schwimmunterricht. Zur Beunruhigung von Sportlehrpersonen. Der Grund: In der reichen Schweiz fehlen Schwimmbäder.
In vielen Regionen macht sich der Mangel an Schwimmbädern immer deutlicher bemerkbar. Dabei sind Schwimmbäder von ganz besonderer Bedeutung, denn sie sind nicht nur zum Planschen oder Sporttreiben: Sie spielen auch eine wesentliche Rolle beim Erlernen des Schwimmens und der Wassersicherheit.
In einem Land voller Flüsse und Seen wie der Schweiz ist die Sicherheit im Wasser von entscheidender Bedeutung. Nicht Fussball oder Volleyball spielen zu können, hat nicht dieselben Folgen wie nicht schwimmen zu können. Die in diesen Kursen erlernten Fähigkeiten können Leben retten.
Laut einer Ende 2024 veröffentlichten StudieExterner Link haben jedoch 13% der Schweizer Schüler:innen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren während ihrer Schulzeit noch nie Schwimmunterricht erhalten, was zum Teil auf den Mangel an verfügbaren Schwimmbädern zurückzuführen ist.
Schauen Sie dazu den RTS-Beitrag (auf Französisch):
Immer mehr Defizite
Diese Feststellung verärgert Fachleute aus der Branche, wie zum Beispiel die ehemalige Spitzenschwimmerin Swann Oberson, die heute Sportlehrerin ist. «Solange die Kinder nicht wissen, wie sie sich im Wasser zurechtfinden, haben wir unsere Aufgabe nicht erfüllt», sagt sie gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS und wies dabei auf Schüler:innen hin, denen ein, zwei oder sogar drei Jahre in Folge der Schwimmunterricht vorenthalten wurde.
«Das sind Defizite, die sich anhäufen. Nicht jeder kann sich Schwimmkurse in einem Verein leisten… Das sind Kinder, die Jahr für Jahr den Anschluss verlieren», beklagt Swann Oberson. Die Folgen sind im schlimmsten Fall Unfälle und Ertrinken.
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Ansätze zur Kostensenkung
Kurzfristig liegt die Lösung für Swann Oberson so weit wie möglich in der optimalen Nutzung der bestehenden Infrastruktur. In dieser Hinsicht sind einige Gemeinden deutlich proaktiver als andere. Das gilt zum Beispiel für Echallens im Gros-de-Vaud, wo das Schwimmbad des Collège des Trois-Sapins nach Schulschluss ein zweites Leben erhält.
«Vom späten Nachmittag bis in den Abend hinein finden zahlreiche Kurse statt», erklärt Sébastien Salvi, der in Echallens als Gemeindevertreter für die Gebäude zuständig ist. «Kürzlich haben wir zudem testweise am Samstagmorgen für die Öffentlichkeit geöffnet, um herauszufinden, ob Bedarf für ein zusätzliches Zeitfenster besteht.»
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Für ihn ist es ein Glücksfall, über dieses Schwimmbad zu verfügen. Er würdigt «die Visionäre, die es vor 50 Jahren gewagt haben, diese Infrastruktur in Echallens zu errichten. «Heute sind wir die Erben davon!», freut er sich.
Durch diese Öffnung für die Öffentlichkeit lassen sich die jährlichen Betriebskosten in Höhe von 800’000 Franken senken, die bisher vom interkommunalen Schulverband und damit letztlich von den Gemeinden getragen wurden – eine Win-Win-Lösung.
Ein seit langem bekanntes Problem
Die Feststellung, dass es an Schwimmunterricht mangelt, ist nicht neu: In Beantwortung einer InterpellationExterner Link räumt der Waadtländer Staatsrat bereits 2018 ein, dass 41% der Waadtländer Schüler:innen während ihrer sechsjährigen Primarschulzeit nicht auf die mindestens 40 Schwimmstunden kamen, die nötig gewesen wären, um die festgelegten pädagogischen Ziele zu erreichen. 17% hatten überhaupt keinen Schwimmunterricht erhalten.
Der Waadtländer Staatsrat hält zudem fest, dass es «nicht realistisch ist, gesetzlich eine Verpflichtung festzulegen, von der man genau weiss, dass sie mangels ausreichender Hallenbäder nicht eingehalten werden kann».
«Enorme Belastungen»
Im Kanton Freiburg sieht es ähnlich aus: Die Empfehlungen bezüglich der Schwimmstunden für Schulkinder können nicht überall umgesetzt werden. «Sie werden grundsätzlich von den Gemeinden eingehalten, die über Hallenbäder verfügen. Für alle anderen ist es oft schwieriger», sagt der für Sport zuständige Freiburger Staatsrat Romain Collaud gegenüber RTS.
«Für kleine Gemeinden sind das gigantische Belastungen», begründet er und plädiert zugleich für die Fortsetzung des Prozesses der Gemeindefusionen, bis eine kritische Grösse erreicht sei.
Collaud sagt weiter, dass der Kanton eine gewisse Verantwortung dafür trage, die Gemeinden beim Bau von Schwimmbädern zu unterstützen. In FreiburgExterner Link «wurden in den letzten Jahren 45 Millionen Franken für den Bau neuer Schwimmbecken bereitgestellt.»
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