Wie die Kamele nach Zürich kamen
In Oberglatt leben seit 15 Jahren Kamele. Dahinter steckt ein Tunesier, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat – und damit Besuchende aus aller Welt anlockt.
Für das 15. Kamel-Festival in Oberglatt reisten Gäste sogar aus Saudi-Arabien an. Hinter dem Event steht Kamel Ben Salem, Inhaber der «Ben’s Kamelfarm». Die Beziehung zu den Tieren ist auch Teil seiner Familiengeschichte. Schon seine Grosseltern widmeten sich der Kamelzucht.
Diese Tradition führt er nun weiter. Und, die Kamele haben einen grossen Stellenwert für ihn, wie er sagt: «Für mich kommen zuerst Mutter und Vater, dann kommt das Kamel. Das war früher so, und ist auch heute noch so.»
Kamel-Festival als Anlass für kulturellen Austausch
Das Kamel-Festival soll zum Austausch zwischen der arabischen Welt und dem Dorf Oberglatt anregen. So findet zum Beispiel auch der traditionelle tunesische Folkloretanz, mitsamt Krug-Akrobatik, statt. Das lockt Besucher von weit her an – mit Saad Al-Omda war etwa der Vizepräsident des Weltverbandes des Kamelsports aus Saudi-Arabien angereist. Auch Menschen aus Afrika sind nach Oberglatt gereist.
Sogar ein Fernsehteam des nationalen tunesischen Senders Télévision Tunisienne kam in die Schweiz. Sie wollen über die Erfahrungen berichten, die ihr Landsmann gemacht hat, als er aus dem Süden von Tunesien in die Mitte von Europa gekommen sei, um solch ein Projekt umzusetzen.
Kamelhaltung in der Schweiz: Ein hartes Business
Ben Salem lebt von den Kamelen, auch wenn die Kamelhaltung in der Schweiz eine finanzielle Herausforderung ist. Da die Zucht von Kamelen hierzulande nicht subventioniert wird und die Nachfrage nach Kamelprodukten gering ist, setzt er vorwiegend auf Tourismus und Events.
Das macht 80 Prozent von seinen Einnahmen aus. Die restlichen 20 kommen etwa vom Verkauf der Kamelmilch, oder auch gelegentlich vom Verkauf eines Kamelbabys.
Es mache ihn glücklich, sagt er. Und Aufgeben komme nicht infrage. In seiner Kamelhaltung stecke viel Liebe. Und die, sagt Ben Salem, lasse man nicht einfach so schnell los. Seine Kamele sind damit mehr als Nutztiere: Sie verbinden für ihn zwei Welten – seine Herkunft Tunesien und seine neue Heimat Schweiz.
Wüstentiere in der Schweiz
Sind die Wüstentiere in der Schweiz artgerecht zu halten? Schliesslich sehe man die Tiere eher in der Wüste und nicht hier im Grünen.
Wolfgang Zenker, Tierarzt im Knies Kinderzoo, beschwichtigt auf Nachfrage. Kamele stammen zwar ursprünglich aus trockenen Regionen, sind aber nicht grundsätzlich auf hohe Temperaturen angewiesen. Besonders Trampeltiere sind an sehr kalte Bedingungen angepasst. Sie kommen deshalb auch mit dem Schweizer Klima gut zurecht.
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