ECONOMICS/DE: RWI erwartet Stagnation auf dem Stahlmarkt
ESSEN (awp international) – Der rasante Aufschwung auf dem deutschen Stahlmarkt ist nach Ansicht des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) vorbei. Im weiteren Verlauf des Jahres sowie im kommenden Jahr rechnen die Experten nur noch mit einer stagnierenden Rohstahlproduktion, wie das RWI am Montag in Essen mitteilte. Die Forscher erwarten, dass der steigende Kostendruck durch teure Rohstoffe und sinkende Stahlpreise dazu führen werden, dass die Beschäftigtenzahl weiter sinkt. Weltweit rechnen die Forscher in den kommenden Monaten mit einem Rückgang der Stahlproduktion.
Die deutschen Stahlunternehmen erholten sich vor allem dank der guten Entwicklung der Auto- und Maschinenbauindustrie relativ schnell von der Wirtschaftskrise. Nach RWI-Berechnung erreichte die Rohstahlproduktion in der ersten Hälfte dieses Jahres 94 Prozent vom ersten Halbjahr 2007, dem Rekordjahr seit Wiedervereinigung. Dagegen wurden EU-weit im ersten Halbjahr nur 82 Prozent der Vorkrisenmenge produziert, in den USA waren es 84 Prozent.
Bis zum Frühjahr 2010 verbesserten sich auch die Erträge. Grund dafür waren laut RWI die in der Wirtschaftskrise deutlich eingebrochenen Preise für Eisenerz, Stahlschrott und Kokskohle sowie die vergleichsweise hohen langfristigen Stahlpreise. Inzwischen sind die Kosten für Rohstoffe aber wieder in einem neuen Höhenflug, während die Stahlnachfrage aufgrund der wieder gut gefüllten Vorräte zuletzt abflaute. Das setzt die Preise unter Druck.
Vor diesem Hintergrund rechnen die Forscher nach dem kräftigen Zuwachs in den ersten sechs Monaten nun mit einer sinkenden Stahlproduktion in Deutschland. Im gesamten Jahr dürfte sie aber immer noch 36 Prozent über dem Wert von 2009 liegen. 2011 rechnen die Forscher hingegen mit einem leichten Rückgang um 2 Prozent, da die Produktion der Stahlverarbeiter wahrscheinlich nur leicht steigen werde. Die Ertragssituation werde sich wahrscheinlich verschlechtern, da die Rohstoffe teuer blieben und die Stahlunternehmen Schwierigkeiten haben dürften, diese höheren Kosten an ihre Kunden weiterzureichen.
Auch weltweit rechnen die Experten in den kommenden Monaten mit einem Produktionsrückgang. Ursache hierfür ist vor allem China, das zuletzt aus Umweltschutzgründern und aus Sorge vor einer Überhitzung der eigenen Wirtschaft 50 alte Stahlwerke stilllegte. Zudem sind die Lager in der Volksrepublik den Experten zufolge voll. Im gesamten Jahr rechnet das RWI noch mit einem Zuwachs der Weltstahlproduktion um 13,5 Prozent, 2011 trotz einer erwarteten Belebung im Jahresverlauf mit Stagnation./enl/alg/tw