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Gegen das schlechte Öko-Gewissen beim Fliegen

Der Anteil des Flugverkehrs am weltweiten Ausstoss von Treibhausgasen wächst rasch. Keystone Archive

Der Verein Myclimate bietet klimaneutrales Fliegen mit ökologischen Zusatz-Billeten an. Mit den Einnahmen werden Treibhaus-Emissionen kompensiert.

Dieser Inhalt wurde am 29. August 2005 - 09:49 publiziert

Das Konzept gefällt bereits einigen Unternehmen und Behörden. Doch der Bund bleibt vorderhand noch skeptisch.

Sich an den Stränden der Malediven ausspannen gehört zu den Träumen, die man sich eiligst erfüllen sollte, denn wegen der Klimaerwärmung steigt der Meeresspiegel ständig.

Paradoxerweise sind es gerade auch Malediven-Reisende, die dazu beitragen, dass das Meer ihr Traumziel langsam überflutet. Mit einem Flug von Zürich-Kloten nach Malé stösst das Flugzeug pro Passagier 1,5 Tonnen CO2 in die Atmosphäre aus. Dies entspricht etwa der Menge, die ein Automobilist in einem ganzen Jahr emittiert.

Klimaschutz konkret

Wie lassen sich unter diesen Umständen ökologisches Gewissen, ökologische Dringlichkeit und Mobilitätsanprüche unter einen Hut bringen? Junge Umweltwissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) gründeten vor bald drei Jahren den Verein Myclimate.

Dieser verkauft Zusatz-Billette zu den Flugtickets und will so den CO2-Ausstsoss neutralisieren. Mit eine Flug Zürich-Rom retour produziert ein Passagier 412 kg. Damit das ökologische Gleichgewicht einigermassen im Lot bleibt, müssen diese 412 kg mit einer gleichgrossen Einsparung an Emissionen irgendwo anders auf der Welt ausgeglichen werden.

Das Myclimate Zusatz-Billet kostet 25 Franken. Das Geld wird verwendet, um in Eritrea Solarkollektoren zu installieren. Myclimate hat die durchschnittlichen Kosten für die Kompensation von einer Tonne von CO2 in einem Klimaschutz-Projekt berechnet. Das Zusatz-Billet nach Malé kostet 109 Franken.

Luftverkehr als wichtiger Verursacher von Treibhausgas

Weder im Protokoll von Kyoto über die Reduktion von Treibhausgasen noch in der Schweizer Gesetzgebung sind derartige Massnahmen im Flugverkehr vorgesehen.

International ist der Luftverkehr für rund 3% des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich. In der Schweiz für gut gut 10%.

Innerhalb der gesamten Transportindustrie jedoch gilt der Luftverkehr als der am schnellsten wachsende Sektor. Massnahmen wären deshalb angebracht, sagt Corinne Moser von Myclimate gegenüber swissinfo.

Unternehme man nichts, so rechnet sie vor, werden sich bis 2050 die Emissionen von Treibhausgasen aus Flugzeugen verdreifachen. Dies würde alle Reduktions-Bemühungen, die in anderen Bereichen realisiert werden, zunichte machen.

Eine Idee, die Boden gewinnt

Das Konzept von Myclimate hat bereits verschiedene Unternehmen, Teile der Reisebranche und Privatpersonen überzeugt. 2004 betrug das Budget des Vereins 190'000 Franken. Dieses Jahr dürften 300'000 Fr. überschritten werden.

"80% der Einnahmen gehen in die Entwicklung von alternativen Energien", sagt Moser. Im vergangenen Jahr hat der Verein 105'000 Fr. an die vier Klimaschutzprojekte in Eritrea, Südafrika, Indien und Costa Rica überwiesen.

Dieses Jahr werden es mit 200'000 Fr. fast doppelt so viel sein. "Erfolg haben wir vor allem bei Unternehmen im Privatsektor", sagt Moser. Beinahe 20 Schweizer Tour Operator unterstützen Myclimate, aber nicht die Grossen wie Kuoni oder Hotelplan.

Bundesrat gegen Mehrausgaben

Kürzlich hat es der Bundesrat abgelehnt, den Kauf von Myclimate-Tickets für alle Flugreisen des Bundes obligatorisch zu erklären. Diese Forderung hatte die grüne Berner Nationalrätin Franziska Teuscher in einer Motion erhoben.

Der Bundesrat hält dagegen, ein Myclimate-Obligatorium für Bundesräte, Parlamentarier und Bundesangestellte hätte "erhebliche Mehrausgaben" zur Folge. Diese aber wären wegen des "eher bescheidenen Beitrags" zur CO2-Reduktion "nicht gerechtfertigt".

Corinne Moser hätte sich natürlich ein anderes Resultat gewünscht, doch gibt sie sich auch so zufrieden: "Wenigstens hat die Regierung nun festgesetzt, dass jedes Bundesamt innerhalb der eigenen Budgetvorgaben selbst entscheiden darf, Myclimate-Billete zu erstehen."

Das Bundesamt für Energie hat sich bereits festgelegt: Seine Mitarbeiter werden auf die Möglichkeit von Myclimate aufmerksam gemacht. Wollen sie jedoch "ökologisch sauber" reisen, müssen sie den Myclimate-Zusatz aus der eigenen Tasche bezahlen.

swissinfo

Fakten

Im Jahr 2004 hat Myclimate den Ausstoss von 3000 Tonnen des Treibhausgases CO2 kompensiert.
2002 stiess der von der Schweiz ausgehende internationale Flugverkehr 4,13 Mio. Tonnen CO2 aus.
Weitere 14,85 Mio. Tonnen können dem alllgemeinen Verkehr (ohne Luftfahrt) zugeschrieben werden.
24,34 Mio. Tonnen werden von anderen Energiequellen ausgestossen (Heizöl, Brennholz).
1,85 Mio. Tonnen stammen aus industriellen Prozessen.

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