Bistumsartikel wird gestrichen
Volk und Stände haben der Abschaffung des Bistumsartikels klar zugestimmt. Der Ja-Anteil betrug rund 64%. Die Zustimmung war in den katholischen Ständen grösser als in den Kantonen mit protestantischer Mehrheit.
Mit der Streichung des Bistumsartikels ist fortan weder bei der Errichtung noch bei der Veränderung der Grenzen bestehender Bistümer die Zustimmung der Schweizer Regierung notwendig. 64% der Stimmenden sagten dazu Ja.
Am deutlichsten für die Streichung des Artikels stimmten die vorwiegend katholischen Kantone Tessin, Jura, Freiburg, Solothurn und Wallis mit Ja-Anteilen zwischen 69% und 72%. Recht knapp war die Zustimmung in den Kantonen Schaffhausen (53% Ja-Anteil) und Genf (54% Ja-Anteil). Beide Kantone sind mehrheitlich protestantisch.
Zufriedenheit und Freude bei den Siegern
Der Luzerner CVP-Ständerat Franz Wicki, Co-Präsident des überparteilichen Ja-Komitees, zeigte sich mit dem Resultat zufrieden. Die Verfassung gebe nun allen Glaubens-Gemeinschaften eine rechtsgleiche Behandlung: «Jetzt gilt für die katholische Kirche das, was für alle Kirchen eigentlich selbstverständlich ist: Der Bund mischt sich nicht in ihre Angelegenheiten ein.» Laut Wicki haben nun alle Glaubens-Gemeinschaften das Recht, sich so zu organisieren, wie sie dies für richtig halten.
Ebenfalls Freude über das Resultat herrscht bei der Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Das Volk habe sich für die Streichung eines «obsoleten und diskriminerenden» Verfassungsartikels ausgesprochen, sagte SBK-Vize-Generalsekretär Marc Aellen. Befürchtungen, dass nun namentlich in Zürich oder Genf neue Diözesen entstünden, seien unbegründet.
Keine Zerknirschung bei den Verlierern
Gelassen gibt man sich auch auf der Verliererseite: Der Berner EDU-Nationalrat Christian Waber vom Schweizerischen Komitee gegen die Aufhebung des Bistumsartikels (SKGAB) – ein Komitee protestantischer Kleingruppierungen – tröstet sich mit dem beachtlichen Nein-Anteil: «Es gibt immerhin einen grossen Anteil, der ernsthafte Bedenken gegen den undemokratischen Machteinfluss von Rom hat.»
Beim Schweizerischen Katholischen Frauenbund, der sich ebenfalls gegen die Streichung des Artikels zur Wehr gesetzt hat, ist man laut Vize-Präsidentin Caroline Meier-Machen immerhin erleichtert darüber, dass der Ja-Anteil nicht noch höher ausfiel.
Schaffung eines Religionsartikels?
Nach Ansicht des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK) ist mit der Abschaffung des Bistumsartikls die Kirchendebatte nicht abgeschlossen. Vielmehr gehe es jetzt darum, die Diskussion über die Schaffung eines Religionsartikels zu lancieren.
Weniger emotionale Kampagne als bei Militärvorlagen
Die Abstimmung über die Streichung des Bistumsartikels sorgte im Gegensatz zu den Militärvorlagen vor dem Abstimmungs-Wochenende für wenig Gesprächsstoff. Während die Befürworter der Streichung die Auffassung vertraten, der Artikel verstosse gegen Religionsfreiheit und Völkerrecht, traten vor allem liberale Katholikinnen und Katholiken für eine Beibehaltung ein. Sie erkannten im Bistumsartikel eine Sicherheit gegen eine allzu weitreichende Macht des Vatikans.
Felix Münger
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