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Mehr Einfluss der Kirchen gefordert

Bischof Amédée Grab: Gerade heute ist die Stimme der Kirche gefragt. Keystone

Die Spitzen der katholischen und reformierten Landeskirchen haben Bundes-Präsident Moritz Leuenberger die Botschaft "Wort der Kirchen" am Samstag in Bern übergeben. Leuenberger hat die Kirchen aufgerufen, ihre Botschaften in die Politik einzubringen.

In einem Festakt in der Berner Heiliggeist-Kirche nahmen Bundespräsident Moritz Leuenberger, Gewerkschafts-Vertreter Paul Rechsteiner, Arbeitgeber-Chef Fritz Blaser und Vertreterinnen von Ausländer- und Hilfsorganisationen das «Wort der Kirchen zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz» entgegen.

«Zukunft nicht nur im Jenseits»

Die von Bischof Amédée Grab und Pfarrer Thomas Wipf präsentierte Botschaft ist Resultat einer 1998 gestarteten «Ökumenischen Konsultation», in deren Verlauf über tausend Stellungnahmen von kirchlichen Basis-Organisationen und Privatpersonen zur Zukunft der Schweiz gesammelt worden waren.

In der hundertseitigen Broschüre nehmen die beiden grössten Schweizer Kirchen zu Themen wie Arbeit, Migration, Familie, Umwelt, Geld und internationale Politik Stellung. Die Kirchenvertreter betonten, gerade in Zeiten, in denen «ethische Werte keine Selbstverständlichkeit» seien, sei die Stimme der Kirche gefragt.

Für die Kirchen sei «die Zukunft nicht nur im Jenseits», erklärte Wipf, der dem Evangelischen Kirchenbund vorsteht. Vielmehr sei es das Ziel der Kirchen, sich für «eine gerechte, solidarische und menschliche Gemeinschaft» einzusetzen: «Ohne Rücksicht gibt es keinen Fortschritt», fasste Wipf zusammen.

Als «Teil der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung unseres Landes» müssten die Kirchen ihre Verantwortung wahrnehmen und auf eine Welt hinarbeiten, in der es keine Working-Poor oder Sans-Papiers gebe, ergänzte der Präsident der Bischofskonferenz Amédée Grab.

Leuenberger fordert «mehr Einflussnahme»

In seiner Rede vor mehreren hundert Gästen in der Heiliggeist-Kirche bedankte sich Moritz Leuenberger für die christliche Stellungnahme zu politischen Themen und forderte die Kirchen zu noch «mehr gesellschaftlicher Einflussnahme» auf.

Zwar sei er ein Anhänger der strikten «institutionellen Trennung von Kirche und Staat». Da die Kirchen «zu Fragen der Solidarität und sozialen Gerechtigkeit einen direkteren und einfacheren Zugang» bieten, als dies die Politik tun könne, müsse sich die Kirche aber gerade auch in die Tagespolitik einmischen.

Mit dem «Wort der Kirchen» sei «dieser wichtige Schritt getan». Allerdings könne uns die Kirche niemals «die eigenständige Benutzung des Gewissens» oder die «Auseinandersetzung mit politischen Gegenpositionen» abnehmen. «Ich darf mir dies nicht abnehmen lassen», betonte Leuenberger.

swissinfo und Agenturen

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