Im Klimawandel kann auch gutes Wetter den Bäumen schaden
In Europa sterben Bäume nicht nur wegen Trockenheit. Laut einer neuen Studie gehen beispielsweise Weisstannen auch nach eigentlich idealen Wachstumsbedingungen wie einem warmen, feuchten Frühling ein.
(Keystone-SDA) Forschende vermuten laut einer Mitteilung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL vom Dienstag, dass die Bäume in einem Frühling mit guten Bedingungen stärker wachsen als üblich. «Das erhöht ihren Wasserbedarf und macht sie anfälliger, sobald es trocken wird».
Das sagt laut der Mitteilung WSL-Doktorand Pascal Schneider, Erstautor einer in der Fachzeitschrift «Nature Communications» veröffentlichten Studie.
Wenn beispielsweise eine Weisstanne im Frühling mehr Wasser absauge, gerieten diese Tannen im Fall eines trockenen Sommers schneller unter Stress, so Schneider weiter. Denn durch den grossen Wasserverbrauch im Frühling sei schon früh im Jahr mehr Bodenwasser weg. Zudem könnten feuchte Frühlinge Krankheitserreger wie Pilze begünstigen und die Bäume zusätzlich schwächen.
Auch ungewöhnlich milde Winter könnten für Bäume problematisch sein, weil Schädlinge bei höheren Wintertemperaturen besser überlebten. Letztlich stürben Bäume durch ein Zusammenspiel von Abweichungen vom üblichen Klima und nicht durch einzelne Extremergebnisse.
Basis: Französisches Forstinventar
Die Studie stammt von einem internationalen Team unter der gemeinsamen Leitung des französischen Laboratoire des Sciences du Climat de de l’Environnement und der WSL. Sie basiert auf Daten des französischen Forstinventars von 2015 bis 2023.
Die Erkenntnisse der Studie lassen sich laut WSL-Communiqué auf andere Regionen in Europa übertragen. In Frankreich kämen fast alle in Europa vorkommenden geografischen und klimatologischen Bedingungen vor. Dass in Europa vermehrt Bäume absterben, zeigten die vorhandenen Daten klar.
Für die Forstwirtschaft bedeuteten die Ergebnisse, dass trockenheitsresistente Baumarten wichtiger würden. Grosse Bäume, die viel Wasser verbrauchten, müssten früher aus dem Bestand entfernt werden. Auch eine Auflockerung der Bestände helfe, das verfügbare Wasser für die verbleibenden Bäume zu sichern.