In Zürcher Gefängnissen sind die Kiosk-Preise immer wieder Thema
Ein Gefängnisaufstand wie vergangene Woche in der Strafanstalt im freiburgischen Bellechasse droht in Zürich derzeit nicht. Die Preise an den Gefängnis-Kiosken und die Telefonkosten sind aber immer wieder Thema bei den Inhaftierten.
(Keystone-SDA) Die Situation in der Strafanstalt Bellechasse lief vergangene Woche aus dem Ruder: Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen weigerten sich aufständische Gefangene, in ihre Zellen zurückzukehren. Sie verbarrikadierten sich und demolierten die Einrichtung.
Nach drei Stunden konnten die Angestellten die Lage beruhigen und die Männer zurück in ihre Zellen schicken. Verletzt wurde niemand. Grund für den Aufstand waren die Telefonkosten und die Kiosk-Preise, die von den Inhaftierten als zu hoch kritisiert wurden. Die Gefängnisleitung zeigte sich danach bereit, einige Forderungen der Insassen zu prüfen. Ob sie erfüllt werden, ist offen.
Kioskpreise «ein sensibles Thema»
Eine ähnlich explosive Stimmung wie in Bellechasse gibt es in Zürcher Gefängnissen derzeit nicht. Aktuell gebe es keine Diskussionen bezüglich Kioskpreise oder Telefonkosten, hiess es bei Justizvollzug und Wiedereingliederung (Juwe) auf Anfrage von Keystone-SDA.
Die Preise an den Gefängnis-Kiosken seien aber ein sensibles Thema, das immer wieder zur Sprache käme. Die Preisgestaltung basiere grundsätzlich auf den Einkaufspreisen des jeweiligen Vertragspartners. Rundungen sind möglich, jedoch erheben die Gefängnisse keine zusätzliche Marge auf die Produkte.
Die Gefängnisse wollen an den Zigaretten und gesalzenen Nüsschen also nichts verdienen. Am wichtigsten ist ohnehin, dass das Sortiment verlässlich angeliefert wird. Bei der Ausschreibung der Aufträge sei die Versorgungssicherheit – neben der Preise – denn auch ein besonders wichtiger Aspekt, so der Kanton.
Zellenzuteilung wird schwierig
Problematisch ist aktuell eher die hohe Auslastung: So ist etwa das Gefängnis Zürich im Kreis 4 derzeit mit 102 Prozent Auslastung überbelegt, auch in der Pöschwies ist es mit 95 Prozent Belegung eng. Für Justizvollzug und Wiedereingliederung (Juwe) bedeutet dies, dass die Zellenzuteilung schwierig wird.
Es fehle dann an der nötigen Flexibilität. Wenn immer möglich soll aber auf Kriterien wie Raucher/Nichtraucher, Sprache oder Religion Rücksicht genommen werden.
Ein weiteres Problem besteht gemäss Juwe, dass ein hoher Anteil der Inhaftierten mittlerweile psychische Auffälligkeiten mitbringt. Oft können Doppelzellen nur noch mit einer Person belegt werden, was die Zahl der verfügbaren Plätze nach unten verschiebt.
In der Untersuchungshaft muss gemäss Juwe auch die Kollusionsgefahr berücksichtigt werden, also die mögliche Beeinflussung oder Einschüchterung von Zeugen.
Werden ganze Gruppen von Personen inhaftiert, die nicht aufeinander treffen dürfen, müssen Insassen möglicherweise umplatziert werden, weil zu wenige Plätze frei sind. Ohne solche Rochaden geht es aber nicht, sonst würden die Strafuntersuchungen gefährdet.
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