Irans Beileid geht über die Schweiz

Junge Iranerinnen und Iraner verlassen die Schweizer Botschaft, nachdem sie sich ins Kondolenzbuch eingetragen haben. Keystone

In Europa und den USA gehen die diplomatischen Manöver für mögliche militärische Vergeltungsschläge gegen Osama Bin Laden weiter. Inzwischen tragen sich zahlreiche iranische Würdenträger in dem in der Schweizer Botschaft in Teheran aufgelegten Kondolenzbuch ein. Die Schweiz vertritt die Interessen der USA.

Dieser Inhalt wurde am 20. September 2001 - 10:25 publiziert

Am Dienstag kam Ahmad Borghani, Abgeordneter und Pressesprecher des iranischen Parlamentspräsidenten zur Schweizer Botschaft. Der kleine, rundliche, reformfreundliche Parlamentarier steht Präsident Chatami nahe und war während der letzten Wahlkampagne auch dessen Pressesprecher. Er gehört damit zu dessen Vertrauensleuten.

"Ich komme im Namen des Parlaments und seines Präsidenten, um mit meiner Eintragung in diesem Buch unser Mitgefühl mit den Familien der Opfer, dem amerikanischen Volk, aber auch dem Repräsentantenhaus auszudrücken", bekräftige er. Und fügte bei: "Alle Länder der Welt sollten im Kampf gegen den Terrorismus zusammenspannen." Der Schweizer Botschafter versprach, er werde "die Botschaft weiterleiten".

Das Image verbessern

Die zumindest ungewöhnliche Geste zeigt den Willen der gemässigten iranischen Führung, diese Krise zu nutzen, um das Image des Iran im Westen, insbesondere in den USA zu verbessern.

Die beiden Länder haben ihre diplomatischen Beziehungen vor 22 Jahren abgebrochen. Ausserdem gehört Iran in den USA offiziell nach wie vor zu den Ländern, welche den internationalen Terrorismus unterstützen. Doch dass Teheran die Anschläge vom Dienstag vergangener Woche verurteilte, stiess in Washington wie auch in Europa auf ein sehr positives Echo. In den letzten Tagen mehrten sich in der Tat die Sympathie-Kundgebungen für die USA.

Vor zwei Tagen schickte der Bürgermeister von Teheran, ein Reformpolitiker, dem Bürgermeister von New York ein Kondolenz-Schreiben. Und vor allem wurde letzten Freitag zum ersten Mal seit der iranischen Revolution von 1979 das traditionelle Motto "Tod den USA" aus dem Freitagsgebet weggelassen.

Doch die Iraner wollen nichts überstürzen. So hat es Teheran abgelehnt, an einer internationalen Koalition unter Leitung der USA teilzunehmen. Stattdessen verlangte es, dass der Kampf gegen den Terrorismus den Vereinten Nationen übertragen werden solle. Das ist beunruhigender.

Siavosh Ghazi, Teheran

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