20 Jahre Kunstzeitschrift PARKETT
1984 entstand PARKETT aus der Idee heraus, nicht nur über Künstler zu schreiben, sondern eng mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Einzigartig sind die ungewöhnliche Aufmachung und die Editionen, die jeweils pro Band in limitierter Auflage produziert werden
Seit 1984 sind so 150 Kunstwerke entstanden, die hauptsächlich in den USA, Deutschland und der Schweiz verkauft wurden. Zum jetzigen Jubiläum zeigt das Kunsthaus Zürich in der Ausstellung «Musée en appartement» die vollständige Sammlung. Kuratiert hat die Schau Mirjam Varadins.
Zu den fünf Gründungsmitgliedern, die zugleich Herausgeber sind, gehören Bice Curiger und Jacqueline Burckhardt. swissinfo hat die beiden Frauen getroffen.
swissinfo: Einer der grundlegenden Gedanken von PARKETT ist die Förderung des Dialoges zwischen Europa und den USA. Ist solches heute noch aktuell oder braucht es eine Neuorientierung? Man hört, PARKETT strecke seine Fühler bereits nach Shanghai aus….
Bice Curiger (lacht): Wir haben nur eine Reise geplant. Ich hatte Pipilotti Rist getroffen, als sie gerade von einer Biennale aus Shanghai zurückkam und ganz begeistert war. So kamen wir auf die Idee, nach Shanghai zu reisen.
Selbstverständlich sind wir offen gegenüber neuen Strömungen, aber eine Neuorientierung, insbesondere wenn es sich um eine uns noch sehr fremde Kultur handelt, müsste gut organisiert und geplant werden.
Da wir uns ja als Partner der Künstler verstehen, entsteht fast alles, was wir machen, aus Beziehungen und daraus, dass man etwas länger verfolgt und beobachtet. Die Zusammenarbeit mit den Künstlern ist sehr wichtig. Aber auch sonst: New York ist immer noch ein sehr dynamischer Ort.
Jacqueline Burckhardt: Die amerikanische Kultur ist uns halt noch viel näher. Bei einer Kultur wie der Asiatischen, die derart unterschiedlich von der unseren ist, besteht die Gefahr, die Kontrolle über den Inhalt zu verlieren. Es ist eine jahrelange Arbeit, in eine solche Szene hineinzuschauen und den Überblick zu gewinnen.
swissinfo: Wie kam es eigentlich vor 20 Jahren zur Idee, eine Zeitschrift wie PARKETT zu gründen?
J.B.: Wir waren alle ein wenig frustriert von unserer Arbeit. Bice arbeitete als Kunstkritikerin beim «Tages Anzeiger» und ich im Kunsthaus, aber so richtig konnten wir unsere eigenen Ideen nicht verwirklichen.
Dann war da auch diese allgemeine Aufbruchstimmung. Jedenfalls hatten wir plötzlich die Idee, mit Freunden eine eigene Kunstsammlung aufzubauen. Das hat sich aber ganz rasch als nicht umsetzbar herausgestellt, dafür wurden wir von einem Freund, Walter Keller, angeregt, eine Zeitschrift zu machen.
B.C.: Wir wussten sehr bald, dass wir eine langsame Publikation wollten, etwas, das in die Tiefe geht – gerade, weil die Szene sich so beschleunigte. Was es brauchte, war eine Vertiefung der Diskussion und der Auseinandersetzung.
Natürlich gab es Zeitschriften und Publikationen über Kunst, aber sie waren entweder sehr trocken und akademisch oder sehr kurzlebig und oberflächlich. Wir wollten eine Publikation, die von Künstlern gemacht wurde, die einer interessierten Leserschaft eine vertiefte, sehr intime Auseinandersetzung mit dem aktuellen Kunstgeschehen ermöglicht und welche als Quelle in der Kunstgeschichte überlebt.
Wir wollten auch etwas über Gegenwartskunst machen, da diese damals kaum wissenschaftlich bearbeitet wurde. Und auch die Tatsache, dass die Publikation zweisprachig und damit sehr international ausgerichtet sein sollte, war uns wichtig.
Wir wollten keine Nabelschau, sondern den Blick nach Aussen hin öffnen. Kurz gesagt: Wir wollten einen internationalen Austausch auf sehr hohem Niveau, um der schnell konsumierbaren Information etwas entgegen zu setzen.
swissinfo: Nach welchen Kriterien suchen Sie die Künstler aus?
B.C.: Wir schauen, was relevant ist, wo eine innovative Stimme ist, wo Vielschichtigkeit und Ausdauer bereits zum Ausdruck kamen. Wir schauen, was die Leute beschäftigt, sind ständig unterwegs, stets darauf bedacht, nichts zu verpassen.
Wir kennen sehr viele Leute und wissen, welche Qualitäten sie besitzen. Auf diese Art entstehen die Ideen und die gemeinsamen Projekte. Natürlich gibt es auch immer wieder Künstler, die sich an uns wenden. Meistens sind es aber solche, die wir eigentlich nicht publizieren möchten.
swissinfo: Wie überlebt PARKETT? Wie finanzieren Sie sich?
J.B: Es gibt verschiedene Standbeine. Da sind die Abonnenten, die Inserenten, der Buchhandel, die Gönner und natürlich die Editionen, die einen sehr wichtigen Teil ausmachen. Es ist natürlich ein ausgesprochen idealistisches Projekt, das eigentlich nur ein Gründerteam durchziehen kann. Wir identifizieren uns alle sehr stark mit der Zeitschrift und wir haben alle sehr viel eigenes Geld und Gratisarbeit hineingesteckt.
swissinfo: Weshalb läuft die Ausstellung läuft unter dem Motto «Musée en appartement»?
B.C.: Die Grundidee der Editionen ist ja, etwas für den Hausgebrauch zu machen, etwas Demokratisches, etwas, was sich mehr Leute leisten können als das grosse Ölbild über dem Sofa. In den 60er-Jahren und bis in die späten 70er konnte man das vervielfältigte Werk quasi im Warenhaus kaufen.
In den 80er-Jahren dann beschäftigten sich die Künstler mit verschiedenen Drucktechniken, wobei sie auf dem konzeptuellen Wissen und den Erfahrungen der Vorgängergeneration aufbauten. An all das soll die Ausstellung ein wenig erinnern.
Beim PARKETT fliessen da aber noch zusätzliche Aspekte hinein. Wir haben hier ein multipliziertes Objekt, aber da es mit einer Zeitschrift verbunden ist, spielen auch Massenverbreitung und hohe Sichtbarkeit eine Rolle.
Obwohl wir hier eigentlich vom «oeuvre mineure» eines Künstlers sprechen, gewinnt es dank der hohen Sichtbarkeit, die es durch PARKETT erfährt, ungemein an Wichtigkeit.
swissinfo, Carole Gürtler
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich ist bis am 13. Februar 2005 geöffnet.
Zur Ausstellung ist ein ausführlicher Katalog erschienen.
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