Basel: Erfolgreiche Tanzdynamik
Richard Wherlock, neuer Ballettdirektor am Theater Basel, hat am Sonntag das Publikum mit den zwei Balletten "(No) Breathing Spaces" und "Wunderbar" begeistert.
Seinen Einstand als neuer Basler Ballettdirektor hatte der Engländer Richard Wherlock vor rund einem Monat auf der Kleinen Bühne gegeben: Mit «Folk-Lore», einem vielfältigen Spektrum der Tanzlust, hatte er das Publikum begeistert.
Mitreissende Tanzlust
Wie hingerissen das Basler Publikum von Wherlocks dynamischer Mischung aus Ballett und modernem Tanz ist, hat sich auch am Sonntag, bei Wherlocks erster Premiere auf der Grossen Bühne, gezeigt. «(No) Breathing Spaces», zu Musik von Vivaldi, und «Wunderbar», zu einem Mix aus Zarah Leander, Johann Strauss, Gioacchino Rossini und Nina Hagen, ernteten tosenden Applaus.
Nach den allzu introvertierten, sperrigen Bewegungsbildern des ehemaligen Basler Tanztheaterchefs Joachim Schlömer scheint das Basler Publikum nun mit Richard Wherlock höchst zufrieden zu sein.
Glasklare Struktur
«(No) Breathing Spaces» ist zwar kein neues Stück Wherlocks, überzeugt aber nach wie vor durch seine glasklare Struktur und seine sinnliche Dynamik. Zu verschiedenen Kompositionen Vivaldis entfalten die hervorragenden Tänzerinnen und Tänzer rasend schnell wechselnde Konstellationen von Begegnungen und Vereinzelungen.
Bestechend dabei ist, wie der Choreograph Wherlock nahe an der musikalischen Struktur bleibt und gleichzeitig ein tänzerisches Eigenleben herausschält. Sinnlich-Erotisches, Ironisches und Verspieltes verbinden sich schnörkellos mit der komplexen Musik.
Hinreissender Humor
Wherlocks Stil liebt Dynamik und Tempo, die Eleganz des Balletts und die Direktheit des modernen Tanzes. Seine Choreographien wirken zwar abstrakt. Doch sind sie von Emotionen und Stimmungen beseelt.
Wieviel Sinn für Humor der Engländer ausserdem hat, zeigte er im Ballett «Wunderbar». Wherlock hatte «Wunderbar» bereits während seiner Aera als Ballettdirektor am Luzerner Theater (1996-1999) choreographiert.
Auf der Grossen Bühne des Basler Theaters kommen die witzigen Szenen einer turbulenten Party besonders gut zur Geltung. Schauplatz ist der Festsaal eines grossen Schiffs, wo buchstäblich alles drunter und drüber geht.
Die Männer und Frauen stellen einander nach, um sich gegenseitig immer wieder ein Bein zu stellen. Dabei schwelgen sie in der Musik von Johann Strauss, Gioacchino Rossini und Zarah Leander. Oder sie heben zu den schrillen Tönen Nina Hagens ab. Virtuose Tänze verbinden sich mit feinsinnigem Slapstick.
Aufbruch
Zuletzt war Richard Wherlock als Ballettdirektor an der Komischen Oper Berlin engagiert. Der erfolgreiche Beginn seiner Basler Aera ist vielversprechend.
Wherlock scheint die Herzen des Basler Publikums im Sturm erobert zu haben. Zu verdanken ist dies auch Wherlocks eigenwilligem, hervorragendem Ensemble.
swissinfo und Eva Bucher, sda
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch