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Der Seele Ausdruck geben

Der weltweit bekannte Schweizer Bildhauer André Ramseyer in seinem Atelier. Keystone

Der Neuenburger André Ramseyer zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der Schweiz. Am 31. Januar wird er 90 Jahre alt.

Auch im Ausland sind seine Werke, die stets das Thema des Kreises aufnehmen, bekannt.

Fahles Winterlicht fällt durch fast blinde Scheiben. Auf den Möbeln und Skulpturen liegt eine hauchdünne weisse Gipsschicht. André Ramseyer schaut sich um. «Ein bisschen Wehmut verspüre ich schon», sagt er mit einem feinen Lächeln.

Der Künstler, der hier mit millionenfachen Hammerschlägen Steine, Bronze und Gips bearbeitet hat, kommt nur noch selten in sein Atelier. Die körperlichen Kräfte reichen nicht mehr für die Bildhauerei.

Wichtige Pariserjahre



Über 60 Jahre lang ist André Ramseyer, der 1914 als Pfarrerssohn im bernischen Tramelan geboren wird, mit seinen Skulpturen beschäftigt. Nach Abschluss des Lehrerseminars und Besuch der Kunstgewerbeschule in La Chaux-de-Fonds, wo er auch seine Frau, die Malerin Jacqueline Maeder, kennenlernt, zieht der junge Künstler nach Paris. Dort arbeitet er bei Ossip Zadkine an der Académie de la Grande-Chaumière.

«Paris übte auf uns einen ganz besonderen Zauber aus», erinnert sich der Künstler. «Deshalb blieben wir für längere Zeit, als die Stadt Neuenburg mir meine erste Skulptur abkaufte.» Das war 1949. Später lässt sich Ramseyer wieder in seiner neuenburgischen Heimat nieder, doch mit Paris ist er immer verbunden geblieben. Das Centre George Pompidou besitzt in seiner Sammlung eine Ramseyer-Skulptur.

Vom Kreis besessen



In der Schweiz zieren über 50 seiner Werke zahlreiche Schulhöfe und öffentliche Plätze: an der ETH Zürich, in Kreuzlingen, Thun, Montreux oder Biel etwa. Aber auch in Italien, den USA, den Niederlanden und in Saudi-Arabien sind seine Skulpturen zu sehen.

Sowohl seine Monumentalwerke als auch die kleineren Plastiken drehen sich buchstäblich im Kreis. Eine frühe figurative Phase hat er schnell hinter sich gelassen. «Der Kreis ist für mich nach der Kugel die vollendetste Form der Welt. Ich bin von ihm besessen», sagt Ramseyer.

Die immer wiederkehrende Form entwickelt sich zu Ellipsen, Spiralen, Wellen. Indem die Konturen ineinander fliessen, scheinen sie die Skulpturen in Schwingung zu versetzen. Ruhe und Dynamik ergänzen sich.

Im Verlaufe seiner künstlerischen Tätigkeit interessiert sich Ramseyer aber auch immer stärker für den Hohlraum. «Eine Skulptur ist nicht nur Körperform, sie lebt auch von der transparenten Materie, dem Licht», sagt er. Das Ringen um die Gesamtheit prägt sein ganzes Werk. Damit möchte er seiner Seele Ausdruck geben.

Von der Bildhauerei zur Poesie



Mit seinen feingliedrigen Händen umfasst Ramseyer eine Skulptur in seinem Atelier. Was macht er nun, da sein Körper keine Bildhauerei mehr zulässt? «Ich habe das grosse Glück, mich durch Poesie ausdrücken zu können.» Seit etwa 15 Jahren schreibt er regelmässig Gedichte. Sie sind seine neue Ausdrucksform.

Und die Skulpturen, vermisst er sie nicht? André Ramseyer lächelt. «Auch die Poesie ist eine Skulptur. Meine Werke bestehen alle aus Herz, Bauch und Intellekt.» Und was er damit ausdrückt, ist die vierte Dimension, das Geistige, die Spiritualität.

Den spirituellen Weg weitergehen

Seit 62 Jahren ist er verheiratet, drei Kinder haben Jacqueline und André Ramseyer gemeinsam grossgezogen. Was wünscht sich der renommierte Künstler zu seinem runden Geburtstag? Er richtet seinen Blick auf seine Frau und sagt: «Dass mein Leben so weitergeht wie bisher und ich meinen spirituellen Weg weitergehen kann.» Dann könnte sich ein weiterer Kreis schliessen.

swissinfo, Jacqueline Forster-Zigerli (sda)

André Ramseyer wurde am 31. Januar 1914 in Tramelan, Kanton Bern, geboren.

Der renommierte Bildhauer erhielt nicht nur den begehrten Jean-Arp-Preis, sondern seine Skulpturen stehen an mehr als 50 Standorten in der Schweiz.

Doch auch im Ausland – in Deutschland, Italien, den Niederlanden, den USA, in Saudi-Arabien und im Centre Georges Pompidou in Paris – werden seine vielfältigen Variationen des universellen Symbols geschätzt und bewundert.

Typisch bei seinen Werken ist die stete Wiederholung des Kreises, er sei «nach der Kugel die vollendetste Form der Welt», sagt der Künstler.

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