The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Die neue Stimme des Kosovo

Arben Osmani aus Mitrovica, Praktikant bei Radio Blue Sky, beim Moderieren. Keystone Archive

Für Radio Blue Sky, eine mit Auslandhilfe aufgebaute Radiostation im Kosovo, beginnt die Zeit der Selbständigkeit. Die Gründerin, die Schweizerin Thérèse Obrecht, blickt zurück.

Am 1. Januar geht die Zeit der internationalen Unterstützung für die Radiostation Blue Sky zu Ende. Initiiert wurde das Projekt durch die «Stiftung Hirondelle», die sich für unabhängige Berichterstattung in Krisengebieten einsetzt. Von Seiten der UNO und der Schweiz wurde Radio Blue Sky finanziell unterstützt. Der Sender nahm im Oktober 1999 den Betrieb auf – unter Leitung der Schweizerin Thérèse Obrecht.

Stimme für Versöhnung und Toleranz

Die ehemalige Skirennfahrerin und spätere Moskau-Korrespondentin des Westschweizer Fernsehens fand im Kosovo eine Herausforderung, die ihresgleichen sucht: Um nicht weniger ging es, als im Kosovo ein Radio-Programm ins Leben zu rufen, ein Programm, das sich an die Jugend richtet und für Mehrsprachigkeit und Versöhnung innerhalb der durch den Krieg zerrissenen Gemeinschaft einsteht.

«Es war nicht einfach, Mitarbeiter zu finden», erinnert sich Thérèse Obrecht. «Es gab sehr wenige ausgebildete Journalisten. Die Albaner beherrschten ihre Muttersprache schlecht. Sie war seit 1990 offiziell verboten, wurde aber immerhin an Schulen im Untergrund gelehrt. Die Serben wiederum zögerten sehr, in Pristina zu arbeiten, wo wir sie auf der Strasse von Soldaten begleiten lassen mussten.»

Neben Sendungen auf Albanisch und Serbisch strahlte Radio Blue Sky auch Programme in Türkisch, einer Sprache, die von rund 30’000 Kosovaren gesprochen wird, aus. Die zunächst kleine Radiostation gewann rasch an Grösse und geriet auch zum bevorzugten Sender der Kosovaren im Ausland, die via Internet mithörten. Von Oktober 1999 bis Juli 2000 war Blue Sky ein Radio der UNO-Mission im Kosovo (UNMIK) und wurde schliesslich zum zweiten Programm des öffentlich-rechtlichen Senders RTK.

Honoration

Die unabhängige Berichterstattung, das Bestreben, die Probleme dort zu thematisieren, wo sie sich stellten trugen RTK schliesslich im Dezember 2000 den Medienpreis des Journalisten-Verbandes des Kosovo ein.

Blue Sky spielte während der zwei Wahlkämpfe, die seit dem Krieg von 1999 in der Provinz stattfanden, eine wichtige Rolle gespielt: Das Radio scheute sich nicht, seine Reporter in Regionen mit grossem Konfliktpotential zu senden oder Serben in albanischsprachigen Sendungen das Wort zu erteilen – und umgekehrt.

Auf diese Weise gelang es Thérèse Obrecht, die ihr übertragene Mission in vollem Umfang zu erfüllen: zur demokratischen Debatte anzuregen, dem Pluralismus zu mehr Beachtung zu verhelfen und den Respekt zwischen den verschiedenen Gemeinschaften zu fördern.

Kosovo auf gutem Weg

Gemäss der Gründerin von Blue Sky ist das Kosovo heute auf dem richtigen Weg. «Auch wenn es unter den Kosovaren noch Extremisten gibt, bin ich doch erstaunt, in Pristina junge Menschen zu finden, die denjenigen in der Schweiz in sehr vielem gleichen», erklärt die Schweizer Journalistin. «Sie surfen ebenso im Internet, hören die selbe Musik, sprechen sehr gut englisch und sind insgesamt sehr aufgeschlossen.»

Ist die Mission von Radio Blue Sky nun erfüllt? Die Zukunft werde es zeigen, sagt Thérèse Obrecht. 99 Prozent der albanischen Kosovaren seien frustriert, weil sie die Unabhängigkeit von Serbien bisher nicht erhielten.

Die Wahl eines Regionalparlaments im November sei für die Provinz von zentraler Bedeutung. Nun könne bewiesen werden, dass das Kosovo auch mit einem gewissen Mass an Selbstverwaltung in der Lage sei, Frieden zu halten.

Felix Münger und Philippe Kropf

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft