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«Die Schweiz in einer Gesamtschau»

Beat Witschi: Seit dem 1. Januar 2005 Direktor von swissinfo. swissinfo.ch

Beat Witschi, neuer Direktor von swissinfo, sieht im Internet ein Medium mit grossem Entwicklungs-Potential.

Den Landsleuten im Ausland will er künftig mehr bieten, das Angebot qualitativ ausbauen und die swissinfo-Site in der SRG SSR idée suisse besser verankern.

swissinfo: Seit dem 1. Januar sind Sie Direktor von swissinfo. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Beat Witschi: Ich habe schon 1999 mitgeholfen, nach mehreren Jahren Radio-Kurzwellendienst, die Website von swissinfo einzuführen. Jetzt ist die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, zu der swissinfo gehört, daran, die ganze Multimedia-Strategie neu zu definieren.

swissinfo soll und muss dabei eine wichtige Rolle spielen. Wir haben zusätzlich zum Auslands-Mandat der SRG auch sonst einiges zu bieten. Und dabei möchte ich sicher sein, dass die SRG das auch weiss und werde mich dafür einsetzen, dass wir der SRG auf diesem Gebiet im weiteren Sinne helfen können.

swissinfo: Wie haben Sie sich auf diese neue Herausforderung vorbereitet?

B.W.: Ich hatte das Glück, während der Zeit, die ich ausserhalb von Schweizer Radio International verbrachte, im Bereich Multimedia einiges lernen zu dürfen. Dieses Wissen möchte ich hier einbringen.

Zum Teil hatte ich schon die Gelegenheit und möchte es auch in Zukunft tun. Zudem kenne ich das Haus, da ich hier mehrere Jahre als Radio-Journalist gearbeitet habe.

swissinfo: Was wird unter Ihrer Leitung neu bei swissinfo?

B.W.: Wir versuchen sicher, die swissinfo-Site innerhalb der SRG besser zu verankern. Zudem sollte unsere 9-sprachige Website qualitativ und inhaltlich ausgebaut werden. Das Angebot müssen wir weiterziehen, verbessern und attraktiver gestalten.

Auch den Landsleuten im Ausland müssen wir künftig mehr bieten, ein bisschen Service orientierter werden, wozu sich das Internet vorzüglich eignet.

swissinfo: Haben Sie für das neue Jahr, aber auch mittelfristig, konkrete Projekte vorgesehen?

B.W.: Konkret liegt in den nächsten 12 Monaten der Fokus sicher auf der Verbesserung der Websites. Einen ersten guten Wurf hatten wir vor gut zwei Jahren, als wir alle Sites neu aufgegleist haben. Es bleibt aber noch einiges zu tun, um interaktiver, schneller und inhaltlich breiter zu werden.

Was mittelfristig sein wird, hängt von der SRG ab, denn unser Mutterhaus wird massgeblich entscheiden, wie weit wir innerhalb des Konzerns integriert werden.

swissinfo: Sie haben die Online-Strategie erwähnt: Wird es gemäss Ihrer Prognose swissinfo in drei Jahren in der jetzigen Form noch geben?

B.W.: Die Website wird es auf jeden Fall noch geben. Ob weiterhin 9-sprachig, weiss ich nicht, hoffe es aber. Dies ist weitgehend ein Entscheid der politischen Behörden.

Meiner Meinung nach ist swissinfo aber sehr gut positioniert. Wir sind kostengünstig und flexibel, haben ein attraktives journalistisches Angebot und verbreiten unsere Inhalte auf einem Vektor, der sehr weit um die Erde gespannt ist.

Generell bin ich sehr optimistisch, dass wir auch in ein paar Jahren noch da sein werden.

swissinfo: Die Konkurrenz erwächst nicht nur von innerhalb der SRG, sondern auch von privaten Anbietern. Wie stehen die Chancen von swissinfo in der Schweiz?

B.W.: Wir werden einerseits durch den Entscheid der politischen Behörden definiert, die ein Auslands-Mandat wollen, auf der anderen Seite von der SRG, die uns mitfinanziert. Diese beiden Behörden werden letztendlich entscheiden, wie und ob wir weiter existieren.

Auf jeden Fall müssen wir uns weiter entwickeln. Das heisst, je nach dem, wie die ganze Informationspolitik und Multimedia-Geschichte sich dann im Detail abspielt, wird entscheidend sein dafür, welche Inhalte wir künftig noch machen müssen, wollen und dürfen.

Idealerweise wäre swissinfo eine Ergänzung zu dem, was die SRG sowieso schon im Bereich Multimedia anbietet. Die Gespräche, die im Moment im Gang sind, zielen vor allem in diese Richtung.

Wir wollen möglichst viel Inhalte bieten, können aber aufgrund unserer Ressourcen nicht alles selber machen. Gefragt ist also eine Partnerschaft der kreativen Art und Weise. Dafür setzen wir uns ein.

swissinfo: Was hebt swissinfo von den anderen Online-Anbietern ab?

B.W.: Sicher die Auslands-Perspektive, denn die einheimischen Medien bedienen primär ein einheimisches Publikum. Das heisst der Blickwinkel ist häufig regional geprägt.

swissinfo aber muss mehr bieten, nämlich eine Gesamtschau des Landes. Unsere Journalistinnen und Journalisten müssen die Schweiz quasi von aussen sehen können.

Sie müssen entscheiden können, welches die wichtigen Themen, Trends und Entwicklungen sind, die hinter den Headlines des tagesaktuellen Geschehens stehen. Dies ist unsere Marktlücke, unsere Stärke und auch unser Auftrag.

swissinfo: Ende Oktober hat swissinfo/SRI sämtliche Radioprogramme eingestellt. Nicht alle Schweizerinnen und Schweizer im Ausland haben Internet-Zugang. Gibt Ihnen das zu denken?

B.W.: Ideal wäre es natürlich, wenn wir über mehr Vektoren verfügten, das heisst über Radio, Fernsehen, Internet, Mobil-Telefon. Aus finanziellen Gründen mussten wir vor einigen Jahren jedoch eine Entscheidung treffen – die fiel zugunsten des Internets aus.

Der Vorteil davon ist, dass wir massiv mehr Inhalte bieten können als vorher. Der Nachteil ist, dass das Internet nicht überall präsent ist. Ich denke, wir haben in der jetzigen Situation eine gute Wahl getroffen und können den Auslandschweizern und –schweizerinnen, aber auch einem internationalen Publikum, so wie wir es jetzt tun, am meisten bieten.

swissinfo: Wo sehen Sie die Chancen des noch jungen Mediums Internet?

B.W.: Vermutlich wird die Vermischung der Plattformen noch weiter voranschreiten. Ich stelle mir vor, dass in sehr naher Zukunft die Audio- und Video-Beiträge individueller gehandhabt werden.

Die jüngere und jüngste Generation entscheidet schon jetzt, wann sie welche Informationen über welche Geräte haben will. Also Abruf «on demand». Das ist die grosse Chance dieses Mediums – sie ist bei weitem noch nicht ausgenutzt, geschweige ausgereizt.

swissinfo-Interview: Gaby Ochsenbein

Beat Witschi:
Geboren 15. 06. 1958 in Bern
Anglistik- und Germanistik-Studium in Bern
1988 – 1995 Journalist bei Schweizer Radio International
1995 – 1999 CNN Atlanta
2000 – 2001 CNN London
2001 – 2004 Leiter swissinfo Website
Seit 1. Januar 2005 Direktor swissinfo, Nachfolger von Nicolas Lombard.

swissinfo/SRI berichtet in den 9 Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch, Japanisch, Chinesisch.

swissinfo-Budget 2005: 28 Mio. Franken (Bund: 5 Mio., SRG SSR idée suisse 23 Mio.)

swissinfo-Budget 2006: 28 Mio. Franken von der SRG.

Der Bund hat im Rahmen seines Entlastungs-Programms seinen Anteil gestrichen.

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