Drummeli: Cliquen überzeugen
Das diesjährige Monstre-Trommelkonzert der Basler "Vorfasnacht" ist vor allem im musikalischen Bereich ein Leckerbissen. Die Sketches können nicht überzeugen.
«Wenn s am Mändig wyder Vieri schloot…» – und dies 2002 bereits am 18. Februar! Dann taucht ganz Basel für 72 Stunden wieder in eine riesige «Glücksääligkeit» ab. Aber schon die «Vorfasnachts-Veranstaltungen» haben es in sich. Allen voran das «Drummeli».
An der Premiere vom Samstag war das Publikum vor allem von den Auftritten der Cliquen, der Schnitzelbänggler und der Guggenmusik begeistert. Das Monstre-Trommelkonzert – in Basel «Drummeli» genannt – wird seit 1911 unter der Ägide des Fasnachts-Comités durchgeführt.
Das «Drummeli» wird zehn Mal im «Muba-Festsaal» aufgeführt. Dernière ist am nächsten Samstag. Billette gibt es keine mehr. Wer es trotzden versuchen will, kann sich vor die Abendkasse stellen und hoffen. Nicht abgeholte Billete werden nämlich weiter verkauft.
Die Cliquen können ihren Auftritt vom Bühnenbild, über die Auswahl des Musikstückes bis zur Kostümierung selber gestalten. Bei den grossen Cliquen treten oft alle musizierenden Mitglieder auf, so dass zwischen 50 und 100 Personen auf der Bühne stehen.
Fahnen, Schwinger und Turner auf der Bühne
In diesem Jahr wählten einige Formationen bodenständige Themen, wie Turner- und Schwingerfest. Auf der Bühne turnt der «Dupf Club» und immer wieder sind Schweizer Fahnen zu sehen, so auch bei den «Wiehlmys». Es stellt sich die Frage, ob die patriotische Welle aus den USA nun auch in Basel angekommen ist.
Von einer Brass-Band unterstützt wird die «Olympia» und die «Opti-Mischte» intoniert den Radetzky-Marsch. Ein Hauch von Wiener Neujahrs-Konzert-Stimmung schwebt in der Luft, weshalb wohl das Publikum auch mitklatscht.
Einen optisch und musikalisch wunderschönen Auftritt zeigt der «Central Club Basel» mit seinem «Charlie Chaplin Blues». Während im Hintergrund bekannte Sequenzen aus den Filmen Chaplins über eine grosse Leinwand flimmern, spielt im Vordergrund die Clique im Rhythmus ihr Stück.
Zwei Cliquen feiern in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und liessen sich deshalb etwas Besonderes einfallen. Die «Lälli» lässt Varianten des Jubiläums-Signets zu einem neuen Marsch auf dem Beamer aufblitzen und der «Barbara-Club» spielt «D Brite 79», während auf der Leinwand das Pferde-Rennen von Ascot zu sehen ist.
«Erlebnispädagogik» auf der Bundesratsreise
Der für die Regie zuständige Jürg-Alexander Hatz liess sich auch einige Gags einfallen. Zweimal treten Cliquen mit einem ähnlichen Auftritt hintereinander auf; früher hatte man solche «Doubletten» im über dreistündigen Programm weit auseinander platziert. Auch bei den Schnitzelbängglern gibt es ein Déja-vu.
In den Sketches (Rahmenstiggli) wird der Untergang der Swissair und der Abgang von Crossair-Boss Moritz Suter mehrmals aufgenommen. Andere Themen sind der FCB und die hohen Löhne der Fussballer, der Schutz der alten Bauten in der Stadt sowie die mögliche Privatisierung der Post.
In einem weiteren Rahmestiggli irrt die Landesregierung in einer Höhle herum. Diese «Elebnispädagogik» endet mit einer ungewöhnlichen Umbesetzung des Bundesrates.
Alle Texte stammen von einem anonym bleibenden Autorenteam. Das Premièren-Publikum reagierte bei vielen Szenen eher zurückhaltend. Oft fehlen Pointen oder sie sind schlecht platziert.
swissinfo und Agenturen
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