Epoche der Empfindsamkeit
Zwei Schäferspiele aus dem 18. Jahrhundert sollen diesen Sommer auf der Petersinsel im Bielersee die Epoche der Empfindsamkeit wieder aufleben lassen. Dafür wurde eine Wanderbühne aus jener Zeit rekonstruiert.
Zur Aufführung gelangen die miteinander verwandten Schäferspiele «Le devin du village» (Der Dorfwahrsager) von Jean-Jacques Rousseau (1952) und «Bastien und Bastienne» des jungen Wolfgang Amadeus Mozart (1768). Gespielt wird zwischen dem 3. August und 8. September.
Der Ort wurde nicht zufällig gewählt: Rousseau liess sich 1762, nach seiner Flucht aus Frankreich, zunächst in Môtiers NE nieder und zog sich vor zunehmenden Anfeindungen im Herbst 1765 auf die Petersinsel zurück. Bereits Ende Oktober musste er die Insel auf Geheiss der bernischen Regierung wieder verlassen.
Rousseau, der zu seiner Zeit eine neue Natubegeisterung entfachte, hat der Insel in den «Träumereien des einsamen Spaziergängers» ein begeistertes literarisches Denkmal gesetzt. Wie die Initianten der Aufführung schreiben, darf die Petersinsel noch heute als Muster einer idyllischen Landschaft gelten, wie sie in der Epoche der Empfindsamkeit im 18. Jahrhundert verherrlicht wurde.
Wie es in den Unterlagen zur Aufführung weiter heisst, kann Rousseaus Devin du Village als Vorbild für Mozarts Bastien und Bastienne gesehen werden. Beide stehen in der Tradition der Idyllen, die der Grieche Theokrit im 3. Jahrhundert vor Christus begründete. Die Liebe und ihre Verwicklungen in der Hirtenwelt sind ein bevorzugtes Thema der Idylle.
swissinfo und Agenturen
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