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Film ab!

Ivo Kummer, der rührige Direktor der Solothurner Filmtage. Yvo Kummer

Die 37. Solothurner Filmtage zeigen sich selbstbewusst. Das heisst: mehr Filme, neues Erscheinungsbild und ein grösseres Platzangebot.

Nebst dem Schweizer Filmschaffen werden erstmals auch Produktionen aus einem Gastland – heuer dem frankophonen Québec, Kanada – vorgestellt.

Schweizer Filmschaffen, Solothurn, Januar, diese drei Begriffe stehen seit Jahren für die Werkschau des Schweizer Films, für Sonderveranstaltungen, Sonderprogramme, Diskussionen zu später Stunde, Entdeckungen, Austausch, Kritik.

Allerdings kritisierten engagierte Zungen seit längerem, dass die Werkschau zu beliebig, das Platzangebot zu klein, die Premieren zu rar seien. Nun, dieses Jahr (15. bis 20. Januar 2002) soll alles besser sein.

Nachdem Ivo Kummer, umtriebiger Festivaldirektor, letztes Jahr gar mit dem Auszug des Festivals kokettierte – Luzern und Bern wurden als mögliche Alternativen gehandelt – ging ein veritabler Ruck durch die Aarestadt.

Neu im Januar

So präsentiert sich das neue Erscheinungsbild in den Farben Gelb und Schwarz (das Filmfestival Locarno lässt grüssen) und inspiriert sich an der Bilderfülle der Filmtage. Türme und Lichtsignaturen locken das Publikum, die Website kommt in drei Landessprachen und Englisch daher.

Den stetig steigenden Publikumszahlen wurde die Renovation und der Ausbau der Reithalle entgegengesetzt. In dieser rund 900-plätzigen Halle wird am kommenden Mittwoch auch der Schweizerische Filmpreis verliehen werden. And last but not least stehen wieder vermehrt Uraufführungen auf dem Programm.

Volles Programm

Ein Programm notabene, das einmal mehr durch seine Fülle besticht oder erschlägt, je nach Leseart. 19 Spielfilme stehen zur Auswahl, wobei die grösste Aufmerksamkeit sicherlich auf Urs Eggers Premiere «Epsteins Nacht», die Geschichte eines Priesters mit angeblicher KZ-Kommandanten-Vergangenheit, liegt.

Dass die filmende Schweiz ein Land von Dokumentarfilmern und -filmerinnen ist, bestätigt Solothurn einmal mehr. In der Retrospektive wird Paul Riniker aus dem Hause SF DRS Respekt gezollt für seine dokumentarischen Verdienste im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Daneben stehen etliche Porträts, auffallend vieler Männer (Zeitgeist oder Zufall?) zur Auswahl.

Weiter flimmern Experimental-, Trick-, Kinder-, und Jugend-, und die stets gut besuchten Kurzspielfilme über die Leinwände. Die Expo.02 nimmt die Gelegenheit zum Anlass, Projekte und Ausstellungen vorzustellen, in denen der Film eine wichtige Rolle spielt.

Eine Podiumsdiskussion mit Martin Heller über Konkordanz und Populismus, Autonomie und Instrumentalisierung, Quotenzwang und Gefälligkeit lässt auf kernige Worte hoffen.

Schweizer Hoffnung

Der Schweizer Film. Eine Geschichte ohne Happy End, aber immerhin eine Geschichte. Um den Futtertrog, mit dem neuen Filmgesetz gefüllter denn je, drängt sich die Szene. Doch so wie Geld nicht automatisch glücklich macht, garantieren Filmgelder nicht gute Geschichten. Und daran mangelt es eben immer noch. Anstrengungen werden zwar unternommen, Ausbildungen angestrebt, und einige Lichtblicke sind durchaus zu erkennen.

Doch die Leichtigkeit der Fiktion, die Lust an der Lust und das Spielen mit Themen, die europaweite Beachtung finden, diese Drehbücher müssen erst noch geschrieben werden. Vielleicht ist in Solothurn eines dabei.

Brigitta Javurek

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