Fin de Siècle in Basel
Unter dem Titel "Fin de Siècle in Basel" zeigt das Kunstmuseum ab Samstag Bilder, Zeichnungen und Objekte von Hans Sandreuter (1850-1901).
Sandreuter steht im Schatten berühmterer und radikalerer Zeitgenossen wie Hodler, Vallotton oder auch seines Vorbildes Böcklin, wie Kurator Bernd Wolfgang Lindemann ausführte. Interessant sei er dennoch, vor allem wegen unüblichen Experimenten und Einflüssen, etwa englischer Kunst.
Zu Lebzeiten war der Sohn eines Kaufmanns landesweit geachtet und hatte respektable Aufträge, so für das Landesmuseum in Zürich, ein Basler Zunfthaus oder das Bundeshaus. Nach seinem Tod geriet er in Vergessenheit. Seinem Wohnhaus in Riehen BS – mit allen Objekten ein Gesamtkunstwerk – drohte vor wenigen Jahren gar der Abbruch.
Schnitzereien
Die Ausstellung versammelt nun über 80 Gemälde, Zeichnungen, Skizzen sowie Möbelstücke aus Sandreuters Hand. Manche der Rahmen insbesondere von späten Gemälden hat er selbst geschnitzt und bemalt, mit floralen oder geometrischen Mustern. Neu zu entdecken ist so auch der begnadete Dekorateur mit Humor.
Im Kunstmuseum Basel ist Sandreuters Entwicklung von frühen Landschaften – vieles in Tempera – bis zu monumentalen Wandbildern chronologisch nachzuvollziehen. Menschen stellte er übrigens virtuoser dar als sein Vorbild Böcklin, dessen sichtbarer Einfluss ihm bereits zu Lebzeiten teils vorgeworfen worden war.
Der Einfluss von damals auf dem Festland eher ignorierter englischer Kunst – namentlich der «Arts and Crafts»-Strömung – geht auf Zeitschriften-Lektüre und auf seinen Bruder zurück, der eine englische Firma in Basel vertrat. Das englische Faible für Handwerk statt Industrie passt jedoch zu seinem Moderne-Selbstverständnis.
Experimentierlust
Licht und Schatten, Motive und Flächen spielen immer wieder wichtige Rollen in seinen Arrangements. Speziell in Nicht-Auftragsarbeiten ist auch Experimentier-Lust zu spüren, wenn etwa in einer Landschaftsabbildung plötzlich Farb-Ebenen ein beinahe abstraktes Eigenleben erhalten.
Der Grossteil der Exponate stammt aus Privatbesitz; sehr vieles war noch nie öffentlich zu sehen. Einige Werke wurden für die Retrospektive gar erstmals aus Nachlass-Mappen genommen. Weil sich die Ausstellung in Sammlerkreisen herumsprach, tauchten einzelne Werke erst nach der Drucklegung des Kataloges auf.
swissinfo und Agenturen
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