Flughafen Unique schliesst Entlassungen nicht aus
Auch der Flughafen Zürich wird möglicherweise in den Strudel des Swissair-Debakels gezogen. Unique-Direktor Josef Felder schliesst nicht aus, dass auch der Flughafen als Folge der Swissair-Krise Personal entlassen muss. Es sei schon ein Sozialplan ausgearbeitet worden.
Wenn aus dem heute interkontinentalen ein europäischer Flughafen würde, käme es auch bei der Flughafen AG zu Entlassungen, erklärt Felder in einem Gespräch mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) vom Samstag. Die potenziell betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen seien informiert worden.
Allenfalls entlassen würden laut Felder in erster Linie Busfahrer, welche die Fluggäste zu den Flugzeugen fahren, Reinigungspersonal und jene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, welche die Gepäckwagen von einem Terminal zum anderen bringen.
Der Flughafen habe verschiedene Szenarien ausgearbeitet. Eines davon sieht laut Felder die ganze oder teilweise Still-Legung eines Terminals vor. Angesichts der verkehrsmässig erstklassigen Lage des Flughafens sei eine anderweitige Nutzung der Gebäude durchaus denkbar.
Gefahr für Atraxis und Swissport
Nach wie vor bestehe auch die Gefahr, dass Atraxis und Swissport in den Strudel der Nachlass-Stundung hineingezogen würden. Wenn aber die ausländischen Fluggesellschaften die grundlegenden Betriebselemente nicht mehr nutzen könnten, sei der Betrieb des Flughafens nicht mehr möglich.
Die Liquidität der Informatik-Gesellschaft Atraxis und der Gepäckabfertigungs-Firma Swissport sei arg angespannt. Es gebe Besorgnis erregende Signale, dass es auch hier zu einer Nachlassstundung kommen könnte. Wegen eines möglichen Domino-Effekts bestehe die Befürchtung, dass diese Firmen, aber auch die SR Technics mitgezogen werden könnten.
Am Freitag war bekannt geworden, dass der Sachwalter den Überbrückungs-Kredit der Banken von 250 Millionen Franken, der unter anderem für diese Firmen bestimmt gewesen war, gestoppt hat. Die Banken sicherten zu, eine direkte Kreditgewährung an die betroffenen Firmen rasch zu prüfen. «Die Zeit drängt, wir müssen in den nächsten wenigen Tagen zum Ziel kommen», sagte Felder.
Problematisch sei vor allem, dass die Schweizer Rechtsordnung «einen solchen Sonderfall nicht wirklich vorgesehen» habe, sagt Felder. Es sei deshalb zu hoffen, dass nicht nur der Buchstabe des Gesetzes angewandt werde, sondern «dass hier auch der gesunde Menschenverstand spielt».
Rechtliche Grundlagen für Bundeshilfe
Für ein Engagement des Bundes gibt es laut Felder ausreichende rechtliche Grundlagen. Der Unique-Direktor beruft sich auf das Luftfahrt-Gesetz sowie dazugehörende Verordnungen. So räume das Luftfahrt-Gesetz dem Bund ausdrücklich die Möglichkeit einer Beteiligung an Luftfahrt-Unternehmen ein, falls dies im nationalen Interesse liege.
Problematisch sei vor allem, dass die Schweizer Rechtsordnung «einen solchen Sonderfall nicht wirklich vorgesehen» habe, sagt Felder. Es sei deshalb zu hoffen, dass nicht nur der Buchstabe des Gesetzes angewandt werde, sondern «dass hier auch der gesunde Menschenverstand spielt».
Ausbau muss weitergehen
Von einem Abbruch der Flughafen-Ausbauarbeiten will Felder vorerst weiterhin nichts wissen. Für die vor zwei Jahren begonnenen Arbeiten seien bereits 1,4 Mrd. Franken ausgegeben worden. Die noch zur Verfügung stehenden 700 Mio. seien gesichert. Felder: «Wenn wir jetzt aufhören zu bauen, wäre das eine finanzielle Katastrophe für unser Unternehmen.»
Immerhin sei die fünfte Ausbauetappe ein Projekt für die nächsten 20 Jahre. Und Felder ist zuversichtlich, dass sich «der Flughafen früher oder später wieder weiterentwickeln» wird.
swissinfo und Agenturen
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