Jam-Session für die Augen
Matthias Winkler - ein Mann, der von sich reden macht. Er gestaltet den diesjährigen Auftritt des Jazz-Festivals Montreux. Vor ihm haben so schillernde Figuren wie Jean Tinguely, Phil Collins oder Niki de St. Phalle das Festival-Plakat gestaltet.
Es tönt und es tanzt, das Plakat von Matthias Winkler. Leichtfüssig erreicht die Botschaft von Klang, Farbe und Rhythmus den Betrachter. Die musizierenden Figuren können mit Fantasie zu immer neuen Formationen zusammengestellt werden. Jede dieser Figuren ist in einen Rahmen gestellt: «Jeder macht seinen Ton, aber zusammen gibt es ein ganzes Lied», sagt Matthias Winkler gegenüber swissinfo.
Erfüllter Traum
Solange auf den Bühnen von Montreux gejazzt wird, ist der Macher des Plakats des Festivals 2001 vor Ort. Er packt die Gelegenheit zum Marketing beim Schopf, stellt seine Bilder aus, signiert und verkauft: «Wenn man etwas macht, muss man davon reden. Wenn man davon leben will, muss man zwei mal davon reden.»
Trotz seiner Geschäfts-Tüchtigkeit hat der 35-jährige das Gefühl, «noch nicht ganz auf dem Boden zu sein». Es komme ihm vor, als befinde er sich «in einem Film». Er erwähnt auch die Müdigkeit, die ihn durch diese Tage begleite, neben «dem Gefühl des erfüllten Traumes».
Vom Kindergärtner zum Künstler
Als Jugendlicher hatte Matthias Winkler das Montreux-Plakat von Jean Tinguely im Zimmer hängen, doch dass er selbst einmal Maler werden könnte, hätte er nie gedacht. Von Beruf Kindergärtner, hat er «mit den Kindern acht Jahre verbracht», wie er erzählt. Er habe in jener Zeit viel gemalt und Zeichensprachen entwickelt. «Diese Zeichensprache wurde dann von den Leuten plötzlich als Kunst gesehen.»
Bei den Träumen anklopfen
Immer öfter erhielt er Aufträge: angefangen bei Geburtskarten über Plakate für regionale Anlässe bis zur Gestaltung einer Uhr beim Uhrenhersteller Swatch. Winkler erzählt, dass er Nicolas Hayek geschrieben habe, er habe Lust, eine Swatch zu gestalten – und so schliesslich dazugekommen sei, diesen Traum zu verwirklichen.
«Ich habe eine einfache Art, bei meinen Träumen anzuklopfen», meint Winkler schlicht. Eben deshalb hat er seine Arbeiten auch Jazz-Festival-Chef Claude Nobs vorgestellt. Die Fortsetzung ist bekannt.
Kontakt zu Leuten behalten
Von den Festivalbesuchern in Montreux erhält Winkler viel Lob. «Mir wird auf die Schulter geklopft, ich bin schon ganz wund». Er lacht und meint dann: «Aber ich bleibe auf dem Boden.»
Aus diesem Grund werde er auch weiterhin Kleidungs-Stücke bemalen. Er wolle, dass die Leute seine Bilder anziehen, sei es mit einer Uhr am Handgelenk oder mit einem Foulard um den Hals. «Ich will hin zu den Leuten und nicht in der Galerie verstauben und mit Champagner übergossen werden», betont er. Möglich seien solche Kontakte beispielsweise in seinem Atelier in Münsingen.
Nächstes Jahr in Brasilien
Trotzdem: Grössere Aufträge zu übernehmen, auch jenseits der Schweizer Grenzen, ist ein anderes Ziel. Dass er im nächsten Jahr ein Jazz-Festival in Brasilien graphisch begleiten kann, hat für Matthias Winkler einen besonderen Reiz: «Da freu ich mich aufs Abenteuer.»
Kathrin Boss Brawand
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