«La vigie» von Fabrice Gygi
Der Genfer Künstler Fabrice Gygi vertritt die Schweiz an der Biennale São Paulo in Brasilien. Thema seines Werks: Die Überwachungs-Gesellschaft.
Angst über der Stadt: Fabrice Gygi beobachtet die Metropolen, vereinnahmt von Kontrollsystemen, die der Mensch installiert hat, um gegen seine eigenen Gefühle der Unsicherheit anzukämpfen.
So hat der Künstler inmitten der Biennale zum Thema «grossstädtische Ikonographien» einen imposanten Wachturm installiert mit einer Kabine, die auf einer zwölf Meter hohen Achse auf- und abfährt. Die Skulptur kontrolliert gleichsam das Kommen und Gehen der Besucher.
Schutz und Aggression
Gygis monumentales Werk im Big Brother-Stil ist mit Suchscheinwerfern ausgestattet und erinnert an Konzentrations- und Militärlager. Sie widerspiegelt Gygis seit den 90er Jahren andauernde Beschäftigung mit dem Thema Schutz/Aggression.
Die autoritäre Vorstellung von der Beziehung zwischen dem Menschen und der Stadt entspricht nicht nur der Realität in Grossstädten wie Saõ Paulo, sondern auch dem Alltag in jeder städtischen Agglomeration, die mit Sicherheitsproblemen kämpft.
Totalitäre Gefahr
So stellt die stetig anwachsende Anzahl von privaten Überwachungs-Systemen, wie Kameras in Gebäuden und Aufzügen, einen verzweifelten Versuch dar, alles Verdächtige sofort zu orten und dingfest zu machen. Gygis Kontrollturm verweist damit auch auf das Risiko des Totalitarismus, das mit allen Sicherheitsmassnahmen einhergeht, die im Zusammenhang mit Problemen der öffentlichen Ordnung in Städten ergriffen werden.
Fabrice Gygis Beitrag an der Biennale wird vom Bundesamt für Kultur organisiert, produziert und finanziert, auf Empfehlung der Eidgenössischen Kunstkommission.
Die nach Venedig zweitwichtigste Biennale wurde am Wochenende eröffnet. Insgesamt 190 Künstlerinnen und Künstler aus 70 Ländern stellen im Ciccillo Matarazzo Pavilion aus.
swissinfo und Agenturen
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