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Lawinenbulletin gefährdet

Kaum vorstellbar wäre ein Winter ohne das Lawinenbulletin: Täglich weist es auf die Lawinengefahren hin. Keystone Archive

Das Lawinenbulletin steckt in Geldnot und sein Fortbestand ist nicht gesichert. Jetzt sucht das SLF Gespräche mit allen Beteiligten.

Das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) ist nicht mehr bereit, jedes Jahr knapp 4 Mio. Franken aus dem Forschungsbereich abzuzweigen.

Täglich erstellt das SLF in Davos während der Wintersaison mehrere Lawinenbulletins in Deutsch, Französisch und Italienisch. Sie finden in Radio, Fernsehen, Internet, aber auch per Telefon, SMS, WAP oder Fax-Abfrage viel Beachtung.

Vom Bulletin profitieren Tourenskifahrer, Freerider, aber auch Sicherheits-Verantwortliche für Verkehrs- und Infrastruktur-Einrichtungen. Allein die Internetseite wird pro Winter rund zwei Millionen Mal abgerufen.

Massiver Ausbau

Für diesen Service Public wolle aber niemand zahlen, sagte SLF-Leiter Walter Ammann. In den vergangenen Jahren und verstärkt nach dem verheerenden Lawinenwinter 1999 sei mit Unterstützung von Bund und Kantonen ein Netz von Beobachter-und Messstationen für die Lawinenwarnung entstanden. Für den Betrieb des Beobachternetzes seien aber zusätzliche Mittel nötig.

Schon 1994 habe man aber auf einen Fehlbetrag von 1,5 Millionen beim Lawinenbulletin hingewiesen, fügte Amman hinzu. Weitere Kosten resultierten für das SLF aus dem Massnahmenkatalog, der nach dem Lawinenwinter 1999 ausgearbeitet wurde.

Mit zusätzlichen Ausgaben werde durch die laufende Armeereform zu rechnen sein, da das SLF dann die Verantwortlichkeiten des Militärs im Bereich der Lawinenwarnung für den Kriegsfall übernehme, sagte Ammann.

Runder Tisch

Darüber liefen zur Zeit Diskussionen mit dem VBS, sagte Ammann. Das SLF suche das Gespräch mit allen Beteiligten. Bereits im vergangenen Jahr habe das Institut beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) einen Antrag für «eine massgebliche Finanzierung seiner Dienstleistungen gestellt».

Doch das BUWAL verweist auf die Waldverordnung, wonach es für Massnahmen zum Schutz von touristischen Anlagen keine Mittel verwenden dürfe. Und der Ausbau des Lawinenbulletins diene schwergewichtig dem Tourismus, sagte Werner Schärer, Eidgenössischer Forstdirektor im BUWAL.

Man sei aber bereit, an einem runden Tisch teilzunehmen. Mit rund 800’000 Franken pro Jahr subventioniere das Bundesamt bereits jetzt kantonale und regionale Lawinenwarndienste und ein interkantonales Messnetz. Davon profitiere auch das SLF. Überdies setze das BUWAL rund 50 Mio. Franken für Naturgefahrenabwehr ein, wozu auch Lawinenverbauungen und Gefahrenzonen-Planungen gehörten.

Die Kosten einfach auf die Nutzer überzuwälzen, hält SLF-Leiter Ammann für unrealistisch. Das Lawinenbulletin sei wie die Sturmwarnung der MeteoSchweiz ein Service Public. Gerade der Lawinenwinter 1999 habe die grosse Bedeutung der Warnungs- und Informationssysteme für die Sicherheit der Bevölkerung gezeigt.

swissinfo und Agenturen

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