Pilgerort des modernen Italien
Das Bundesamt für Kultur hat das Museo Vela in Ligornetto (TI) am Mittwoch (20.06.) wieder eröffnet. Mario Bottas Gebäudeumbau und die Restaurierung der Sammlung dauerten vier Jahre. Die Kosten belaufen sich auf 6,45 Mio. Franken.
In einem 10’000 Quadratmeter grossen Park steht die pompöse, 1862 im Auftrag des liberalen Tessiner Bildhauers Vincenzo Vela (1820-1891) erbaute Villa blendend weiss auf einer Anhöhe über dem Dorf Ligornetto. In der Mitte des quadratischen Baus erhebt sich über zwei Stockwerke der achteckige Zentralraum, dessen aufragender, mit Fenstern durchsetzter Tambour von Weitem sichtbar ist.
Vom Künstlerhaus zum Wohnhaus-Museum
Dieses Oktogon, der «Salone pei modelli», hatte Vela zum lichtdurchfluteten Kultraum, zum Museum für die eigenen Gipsmodelle gestaltet. Hier versammelte er seine Standbilder und Büsten, darunter in grosser Zahl wichtige Figuren der italienischen Einigungsbewegung des 19. Jahrhunderts.
Mario Botta, der vom Bundesamt für Bauten und Logistik engagierte Tessiner Architekt, und die vom Bundesamt für Kultur (BAK) eingesetzte Leiterin des Museums, Gianna Mina Zeni, tragen dieser künstlerisch-politischen Bedeutung des Raums Rechnung. Und so präsentiert er sich auch heute noch gleichsam als «Pantheon des Risorgimento».
Dominiert wird er vom monumentalen Reiterstandbild des Karl II. Herzog in Braunschweig. Dazu gesellen sich rundherum Giuseppe Garibaldi, Camille Benso Graf Cavour oder Viktor Emanuel II. sowie an den Wänden 35 Porträtbüsten. Das so gestaltete Oktogon müsste eigentlich, so die Konservatorin beim Rundgang, «zum Pilgerort der Italienerinnen und Italiener werden».
Ursprünglich war die Villa ein Künstlerhaus, wo Vela nicht nur arbeitete und ausstellte, sondern auch wohnte. Botta hat sie auf Kosten dieser intimen Ausstrahlung zum modernen «Wohnhaus-Museum» umfunktioniert. Ihren privaten Charakter konserviert haben nur wenige der 22 Ausstellungsräume, etwa der Saal II, der neben dem Gipsmodell «Die letzten Augenblicke Napoleons I.», einer der bekanntesten Arbeiten Velas, in Originalmöbeln die Familienbibliothek beherbergt.
Zwei Ausstellungen
Zur Wiedereröffnung hat Mina Zeni im Museumsgebäude zwei Ausstellungen konzipiert: Die Wechselausstellung «Schönheit und Wirklichkeit» zeigt in acht Sälen mit insgesamt 300 Quadratmetern «Die Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert»: Im Zentrum stehen Skulpturen von Vincenzo Vela und seinem älteren Bruder Lorenzo, die bis heute in den Depots des Museums aufbewahrt wurden.
Auch die permanente Ausstellung, für die in 14 Sälen 700 Quadratmeter zur Verfügung stehen, hat Mina Zeni vollkommen neu konzipiert. Sie umfasst 220 thematisch gruppierte Werke, darunter alle wichtigen Gipsmodelle Vincenzo Velas. Indem die Konservatorin Gemälde, Zeichnungen, Skizzen, Drucke und Fotografien auch anderer Künstler in die thematische Schau integriert, befreit sie die Werke Velas aus der Vereinzelung und zeigt sie als zusammenhängende Teile eines kreativen Schaffensprozesses.
Da die von Mario Botta für die Standbilder entworfenen, zumeist geometrisch-luftigen Sockel eine ausführliche Legende nicht zulassen, werden die nummerierten Werke in Saalprospekten erläutert. Die informativen Faltblätter stehen den Besucherinnen und Besuchern zur freien Verfügung und bieten zudem den Vorteil, dass man sich in aller Ruhe in die einzelnen Themen der Ausstellung einlesen kann.
swissinfo und Agenturen
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