Presse zur Crossair-Abstimmung
Die Schweizer Zeitungen begrüssen klar das Zürcher Ja zum Millionen-Kredit für die "Neue Crossair", deren Namen man immer noch nicht kennt.
Rückenwind für die neue Schweizer Fluggesellschaft: Das Stimmvolk des Kantons Zürich hat überraschend deutlich Ja gesagt zur Kapitalbeteiligung von 300 Millionen Franken.
«Die Vernunft hat gesiegt»
meint der Zürcher TAGES-ANZEIGER. Niemand lasse sein Auto verschrotten, nur weil der Scheibenwischer defekt sei.
«Und niemand lässt ein Unternehmen in Konkurs gehen, nur weil ein paar Manager versagt haben».
Das hätten die Zürcherinnen und Zürcher begriffen, lobt der TAGI. Zehntausende von Arbeitsplätzen seien gerettet und die Existenz des für die Wirtschaft lebenswichtigen Flughafens Kloten gesichert.
«Was sagen Sie jetzt, Herr Blocher?»
fragt der BLICK den Neinsager der Nation provokativ. Auf eidgenössischer Ebene hätten die Bundesmilliarden bei der Stimmbevölkerung keine Chance gehabt, meint dieser zum Zürcher Urnengang.
«Zurich sauve Kloten»
titelt in grossen Lettern das Lausanner Blatt «24-HEURES», und einen noch bildhafteren Vergleich bietet LE TEMPS aus Genf:
«Si les soupirs de soulagement faisaient voler les avions, ceux exhalés dimanche suffiraient à tenir la flotte Crossair en l’air pendant une semaine sans kérosène.»
Wenn Erleichterungsseufzer den Flugzeugen als Treibstoff dienen könnten, würden die am Sonntag ausgestossenen genügen, um die Crossair-Flotte eine ganze Woche lang ohne Kerosin in der Luft zu halten.
«Einsicht gezeigt»
kommentiert die AARGAUER ZEITUNG den Entscheid. Die ganze Schweiz habe dieses Wochenende auf Zürich geschaut:
«Würden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das Vorurteil vom arroganten Zürcher, der vor allem auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, bestätigen und die Finanzierung der neuen Airline dem Bund und den anderen Kantonen überlassen? Oder würden sich solidarisch zeigen ?»
Das Stimmvolk habe die Probe bestanden: Die 55,5 Prozent Ja-Stimmen seien ein eindrückliches Bekenntnis zu den Interessen des Landes. Für das ST. GALLER TAGBLATT war vor allem
«die Sorge um die Arbeitsplätze»
ausschlaggebend. Und die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG betont, dass die Zustimmung des Flughafenkantons zur neuen Crossair und zum Flughafen doppelt und dreifach wiegt. Denn:
«Man wusste ja nicht, wie jene sich verhalten würden, die sich von der Swissair in irgendeiner Weise im Stich gelassen fühlen. Man wusste nicht, wieweit sich die Kämpfer gegen übermässigen Fluglärm zusammentun würden, um so das Übel an der Quelle zu bremsen.»
Die Politik sei jetzt gefordert, mahnt die BASLER ZEITUNG im Tageskommentar. Sie müsse mit Augenmass dafür sorgen, dass der Flugverkehr nicht erneut unaufhaltsam ansteige. Zwar nur
«ein Etappenerfolg, aber ein wichtiger» ist der Zürcher Entscheid für die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Das Ja sei nicht selbstverständlich, schreibt DER BUND, aber
«nach dem Kraftakt, den Bund und Wirtschaft gemeinsam zur Rettung der Schweizer Luftfahrt vollführten, hätte sich der Standortkanton des Interkontinental-Flughafens und Hauptbetroffener des Swissair-Desasters mit einem schnöden Nein mehr als unmöglich gemacht.
» Dass die Zürcherinnen und Zürcher – nicht ohne Eigennutz – wirtschaftliche Überlegungen höher gewichtet hätten als politische, habe Signalwirkung für die zahlungsunwilligen Kantone, folgert die BERNER ZEITUNG:
«Denn die neue Airline ist jetzt definitiv auf Zielkurs.»
Monika Lüthi
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