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Schweizer Tor zum Süden

Die Schweizer in Mailand sind stolz aufs Centro Svizzero. Keystone

Für die Schweizer Wirtschaft, die Kultur und den Tourismus stellt die lombardische Hauptstadt das wichtigste Tor nach Italien dar. Das dortige "Centro Svizzero" - ein Bau, in dem immer viele Kontakte geknüpft wurden - wird 50 Jahre alt. Nächste Woche finden die Jubiläums-Feierlichkeiten statt, mit dabei ist auch Aussenminister Deiss.

Die Eidgenossen in Mailand sind mächtig stolz auf ihr «Centro Svizzero». Das Hochhaus an der zentralen Piazza Cavour war lange Zeit neben dem Dom das höchste Gebäude der Stadt. Diesen Primat hat der Bau zwar eingebüsst, aber mit 20 Stockwerken ist er immer noch von stattlicher Höhe.

Zusammen mit dem niedrigeren Vorbau, der Casa bassa, stellt der Komplex den grössten Immobilienbesitz des Bundes im Ausland dar. Der Wert inklusive Grundstück beläuft sich auf schätzungsweise 65 Millionen Franken. Da können herkömmliche Botschaften und Konsulate, die den Immobilienschatz der Schweiz im Ausland bilden, nicht mithalten.

Rückblick auf lange Tradition

Die Einweihung des «Centro Svizzero» fand 1951 statt. Armin Meili, Direktor des Landesausstellung von 1939 in Zürich, hatte den Bau entworfen.

Die Finanzen stammten aus einer bedeutenden Hinterlassenschaft des Tessiners Francesco Chiesa sowie aus dem Verkauf von Grundstücken des Schweizer Vereins, die durch Bombardierungen 1943 zerstört worden waren. Dazu kam der Erlös von Kriegsschulden Italiens an die Schweiz.

Das «Centro Svizzero» krönte eine Präsenz der Schweizer in Mailand, die schon zur Mitte des 20. Jahrhundert auf eine lange Geschichte zurückblicken konnte. Seit 1798 gab es eine Vertretung der Konföderation in Mailand. Aus der Delegation wurde 1816 das Schweizerische Generalkonsulat, das seinen Sitz inzwischen im «Centro Svizzero» hat. Die Präsenz der Schweizer in der lombardischen Metropole stieg vor allem nach der Eröffnung der Gotthardbahn an.

1883 wurde der erste Schweizer Verein gegründet. Heute ist das Generalkonsulat von Mailand für 24’000 Schweizer Bürgerinnen und Bürger zwischen Triest und dem Aostatal zuständig, mehr als die Hälfte aller in Italien lebenden Eidgenossen. Seit 1919 gibt es eine Schweizer Schule.

Mit neuem Direktor ins Jubiläum

Neben der offiziellen Vertretung der Schweiz hat sich im Centro Svizzero die Schweizer Handelskammer in Italien eingemietet, das Centro Culturale Svizzero (CCS), Schweiz Tourismus sowie das Schweizer Radio und Fernsehen italienischer Sprache (RTSI). Daneben gibt es Kongress-Säle, die vermietet werden, und ein Restaurant.

In der Öffentlichkeit besonders bekannt ist das erst 1997 als Kultur-Antenne der Pro Helvetia gegründete CCS. Mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten hat sich das Zentrum einen Namen gemacht. Der Bündner Chaspar Pult hat es aufgebaut, Anfang Oktober hat der Tessiner Domenico Lucchini die Direktion übernommen (siehe Link). Zur Jubiläumswoche wird im CCS eine Ausstellung über den Architekten Meili gezeigt.

Schweizerisch-italienische Wirtschaftskontakte

Die Handelskammer mit ihren über 500 Mitgliedsunternehmen ist hingegen eine bedeutende Schnittstelle zwischen der Schweizer und italienischen Wirtschaft. «Dass hier viele Institutionen unter einem Dach sind, erleichtert unsere Arbeit», meint Alessandra Modenese Kauffmann, Generalsekretärin der Camera di Commercio Svizzera in Italia. So liessen sich auch kleine Probleme wie der Erwerb einer Autobahnvignette schnell erledigen.

Zur Eröffnung der Jubiläumswoche am Centro Svizzero wird am 15. Oktober in der Handelskammer der Swiss Business Hub als offizielle Anlaufstelle für Handelsbeziehungen zwischen den beiden Nachbarländern in Betrieb genommen. Aussenminister Joseph Deiss gibt diesem Ereignis durch seine Präsenz ein besonderes Gewicht.

Wichtige Handelspartner

Wie wichtig die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Italien und der Schweiz sind, verdeutlichen einige Zahlen: Das Exportvolumen von der Schweiz nach Italien beläuft sich auf jährlich 10,5 Mrd. Franken, umgekehrt sind es sogar 13 Mrd. Franken.

Nach Deutschland und Frankreich ist Italien wichtigster Aussenhandelspartner der Schweiz innerhalb der EU. Präzisionsmechanik und Pharmaprodukte sind die Schweizer Eportschlager sowie – eher weniger bekannt -Textilien. Eine vom Textilverband Schweiz und dem Europäischen Institut für Design organisierte Modenschau während der Jubiläumswoche «Die Schweiz in Mailand» wird diesen Aspekt unterstreichen.

Modern (fast) ohne Klischees

Auf die typischen Schweiz-Klischees wollen die Veranstalter der Jubiläumswoche, die am 20. Oktober mit einem Tag der Offenen Tür beendet wird, bewusst verzichten. Doch ganz ohne diese wird es wohl auch nicht gehen. Die Präsentation der Woche fand in der «Stube» statt, dem rustikal eingerichteten Raum des Schweizer Vereins mit einem historischen Kachelofen aus dem Thurgau.

Gerhard Lob, Mailand

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