Identitäten

LGBTIQ: Harziger Mentalitätswandel in der Schweiz

Vorreiterin bei der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare, liegt die Schweiz heute in Bezug auf die Rechte von Menschen aus der LGBTIQ-Community hinter anderen europäischen Ländern zurück.

Dieser Inhalt wurde am 12. März 2020 - 16:29 publiziert
Paula Troxler (Illustration)

Der jüngste kleine Sieg für die LGBTIQ-Community – es sind dies lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, intersexuelle und queere Personen – geht auf den 9. Februar 2020 zurück. Die Schweizer haben sich an diesem Datum an der Urne bereit erklärt, Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung genauso zu bestrafen wie Rassismus.

Obwohl die Gesellschaft Homosexualität immer mehr akzeptiert, bleibt Homophobie in der Schweiz ein Problem. Diskriminierung sowie verbale und physische Übergriffe aufgrund der sexuellen Orientierung oder der geschlechtlichen Identität begleiten immer noch Menschen auf ihrem Weg.

"Die Besonderheit von Homophobie und Transphobie besteht darin, dass sie in der eigenen Familie vorhanden sein können", erklärt Caroline Dayer, Expertin für Genderfragen und Gewaltprävention.

Darüber hinaus sind einige ultrakonservative religiöse Bewegungen immer noch besonders intolerant gegenüber sexuellen Minderheiten. Sie praktizieren – auf mehr oder weniger transparente Art und Weise – Konversionstherapien.

In den letzten Jahren wurden Aktionen zur Bekämpfung von Homophobie, insbesondere im schulischen Kontext, gestartet. Oft handelt es sich dabei um private Initiativen, die auf ehrenamtlicher Arbeit beruhen, wie die des Berner Vereins ABQ.

Einst hatte die Schweiz in Sache LGBTIQ-Rechte zur Avantgarde gehört. Sie entkriminalisierte Homosexualität 1942, zu einer Zeit, als in den Nachbarländern die Repression gegen Homosexuelle wütete. Mit der Einführung der eingetragenen Partnerschaft im Jahr 2007 war sie das erste Land der Welt, in dem die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare direkt und mehr als deutlich (58%) von der Bevölkerung gewährt wurde.

Seit Januar 2018 haben Homosexuelle das Recht, das Kind ihres Partners zu adoptieren. Die eingetragene Partnerschaft stellt jedoch Homosexuelle und Heterosexuelle nicht auf eine gleichberechtigte Basis. Sie erlaubt gleichgeschlechtlichen Paaren nicht, Kinder zu adoptieren oder medizinisch unterstützte Fortpflanzung zu nutzen.

Die Mehrheit der europäischen Länder kennt die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Nicht so die Schweiz. Dies könnte sich in den kommenden Jahren ändern. Noch in diesem Jahr wird das Parlament über die Einführung der "Ehe für alle" debattieren. Unterstützt wird das Vorhaben von allen Regierungsparteien ausser von der konservativen Rechten. Ob auch der Zugang zur medizinischen Fortpflanzung für lesbische Paare berücksichtigt werden wird, steht aber in den Sternen.

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