The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Mindestens 32 Tote nach Doppel-Erdbeben in Venezuela

Keystone-SDA

Bei zwei schweren Erdbeben in Venezuela sind ersten Erkenntnissen zufolge mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen und rund 700 weitere verletzt worden. Das sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez.

(Keystone-SDA) Die Regierung rief angesichts der «Tragödie» den Notstand aus. Rettungskräfte suchten in den Trümmern eingestürzter Gebäude nach zahlreichen Verschütteten. Der Zugverkehr in dem südamerikanischen Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde wegen Schäden geschlossen.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Eine Modellrechnung der Behörde legte nahe, dass eine sehr hohe Opferzahl zu befürchten war.

In Caracas sowie in mehreren Bundesstaaten im Norden Venezuelas kam es zu teils grossen Schäden, wie Rodríguez sagte. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben.

Zwei schwere Erdbeben innerhalb einer Minute

Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit; 0.04 Uhr MESZ Donnerstag) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens grösser sein.

Allein in den relativ nahe gelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort war vom Einsturz von Gebäuden und erheblichen Schäden die Rede.

Die automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe.

Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon.

Trump: Werden für unsere neuen Freunde da sein

US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. Er habe alle US-Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu helfen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die beiden Erdbeben seien von «massivem Ausmass» gewesen und hätten zu einer «verheerenden Zahl Toter» geführt, schrieb Trump. Er machte dabei keine Angaben dazu, auf welche Informationen sich seine Aussage zur Opferzahl stützte.

«Wir werden für unsere neuen und grossartigen Freunde da sein», schrieb Trump – wohl mit Blick auf die Übergangsregierung in Caracas. Weiter erklärte er in Bezug auf das wahrscheinliche Ausmass der Folgen: «Die ersten Berichte sind nicht gut!!!»

Fotos und Videos zeigen Ausmass der Schäden

Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV. Rund 22 Verletzte würden dort in Kliniken medizinisch versorgt.

In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschädigten Gebäuden und Schäden unter anderem am Flughafen von Caracas. Videos zeigten, wie verängstigte Menschen am Flughafen versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, während der Boden bebte und Staubwolken aufstiegen.

Zahlreiche Staaten bieten ihre Hilfe an

Die geschäftsführende Präsidentin sprach von einem «Vorfall mit schwerwiegenden Folgen». Das US-Aussenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.

Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.

Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien, Mexiko, Panama und weitere Staaten signalisierten Hilfsbereitschaft.

Innenminister: «Äusserst alarmierende Situation»

«Wir haben es mit einer äusserst alarmierenden Situation zu tun», sagte Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.

Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf der Plattform X: «Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen.»

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft