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Neue Dampfzentralen-Trägerschaft ist auch die alte

Keystone-SDA

Die bisherige Trägerschaft führt die Stadtberner Dampfzentrale auch ab 2028. Der Verein Dampfzentrale hat mit seinem Konzept "Plan D" die Ausschreibung der Stadt Bern gewonnen, wie Stadtpräsidentin Marieke Kruit (SP) am Donnerstag vor den Medien bekanntgab.

(Keystone-SDA) Der Entscheid der neun Personen umfassenden Jury fiel gemäss Kruit einstimmig. «Plan D» zeichne sich als «überzeugende Vision mit künstlerischem Anspruch» aus. Das Konzept sei stimmig und ausgewogen. Es stärke das lokale Tanzschaffen und führe das starke Musikprogramm weiter.

Der Verein verspricht mit seinem Konzept eine Dampfzentrale, «die offen ist für alle», sagte Barbara Keller als Vertreterin der Trägerschaft vor den Medien. Als Personalverantwortliche im Vorstand wurde sie als eine der «Schlüsselpersonen» der Ausschreibung definiert, gemeinsam mit Schauspieler Martin Schick und Catja Loepfe, Leiterin des Zürcher Tanzhauses.

Das Konzept soll vier Sparten oder «Houses» unter einem Dach vereinen. Im Zentrum sollen Tanz und Performance («House of Dance») sowie Musik («House of Decibel») stehen. Hinzu kommen die Dimension Diskurs («House of Dialogue») und das «House of Dezentrale». Den Namen «Plan D» trägt das Projekt, so erklärte es Keller, «weil Plan B und C verworfen wurden».

Die Dampfzentrale soll künftig 350 Tage pro Jahr geöffnet haben, auch mit niederschwelligen Angeboten für das Quartier. Keller betonte an der Medienkonferenz, der Verein wolle versöhnlich mit kritischen Stimmen umgehen und auch jene willkommen heissen, die sich bisher ausgeschlossen fühlten. Die Kritik habe man ernst genommen, nun strebe man «weit geöffnete Türen» an.

Verhandlungen starten im Herbst

Das Angebot des Vereins Dampfzentrale dient nun als Grundlage für die Verhandlungen eines Leistungsvertrags, die im kommenden Herbst anstehen – unter Vorbehalt einer 20-tägigen Einsprachefrist. Einspracheberechtigt sind der Verein Auawirleben und das Projekt «Hannah Dampf», die es ebenfalls in die zweite Runde des selektiven Verfahrens geschafft hatten. Der Stadtrat wird voraussichtlich Anfang 2027 über die Leistungsverträge befinden.

Weil das Gebäude der Dampfzentrale voraussichtlich ab 2031 gesamtsaniert wird, soll der Vertrag nur für eine dreijährige Periode abgeschlossen werden. Sollte sich die Sanierung verzögern, wird der Leistungsvertrag bis 2031 verlängert. Bisher beteiligte sich die Stadt mit jährlich rund 2,4 Millionen Franken an der Dampfzentrale. Rund 520‘000 Franken fliessen aktuell etwa in Form von Miete an die Stadt zurück.

Die Stadt sieht vor, die bestehenden Ziele im Rahmen der Neuverhandlung anzuheben. «Die Welt dreht sich weiter», sagte Kruit. Die städtische Kulturbeauftragte Franziska Burkhardt verwies zudem darauf, dass die bisherigen Verträge in einer von pandemiebedingter Unsicherheit geprägten Zeit entstanden.

«Gut investiertes Geld»

Obwohl der Betrieb der Dampfzentrale nun – zumindest formell – in gleichen Händen bleibt, bezeichnete Kruit die Neuausschreibung als «gut investiertes Geld». Der Gemeinderat hatte in diesem Rahmen die Ziele gesetzt, die Angebotsdichte zu erhöhen und die Dampfzentrale «stärker zu einem aktiven Ort des Berner Tanzschaffens zu machen». Das Angebot der Dampfzentrale verspreche, diese Erwartungen zu erfüllen.

Die Neuausschreibung der Stadt als alleinige Subventionsgeberin war durchaus als Misstrauensvotum zu verstehen. Wenn die gewünschte Veränderung ausbleibe, sei eine Ausschreibung «eine gute Lösung», sagte Burkhardt vor den Medien.

Sie betonte allerdings, dass es nicht nur zwischen dem Gemeinderat und der bisherigen Leitung Differenzen gab. «Die Vorstellungen vieler Menschen waren nicht die gleichen wie jene der aktuellen Geschäftsleitung», sagte sie und meinte damit etwa die lokale Tanzszene.

«Übergangsjahr» steht an

Im Nachgang der Neuausschreibung hatte um die Dampfzentrale zuletzt ein Streit getobt. Wegen Spannungen zwischen Vorstand und Geschäftsleitung trat der Vorstand im Sommer geschlossen zurück, woraufhin sieben neue Mitglieder das Ruder übernahmen.

Anfang April hatte schliesslich die dreiköpfige Geschäfts- und künstlerische Leitung angekündigt, das Haus Ende 2027 zu verlassen. Intern sei es schon am Anfang des Prozesses klar geworden, dass sie per Ende des laufenden Leistungsvertrags gehen würden, sagte Keller.

2027 werde ein «Übergangsjahr», an dem sowohl die bisherige Geschäftsleitung als auch eine neue, noch nicht besetzte Co-Leitung mitwirken solle. Vorgesehen ist, dass je eine Person mit kulturellem und eine mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund die Leitung übernehmen – und den «Plan D» umsetzen.

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