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Entwicklungszusammenarbeit Schweizer Spin-off tüftelt an nachhaltigen Häusern für alle

Zwei Männer stehen in einer grossen Halle und lachen.

Gnanli Landrou und Thibault Demoulin von Oxara in ihrer "Werkstatt" auf dem Gelände der ETH auf dem Hönggerberg: Sie wollen mit zementfreiem Beton Häuser bauen.

(swissinfo.ch)

Zwei Materialwissenschaftler und eine Architektin wollen mit ihrem zementfreien Beton aus tonhaltigem Aushubmaterial die Bauindustrie revolutionieren. Ihr Ansatz soll vor allem Menschen in Entwicklungsländern zugutekommen.

"Oxaraexterner Link" kommt von "Ossara" und heisst Kommune auf Kabiyé. Die Sprache ist benannt nach einem Volk, das unter anderem im Togo lebt. "Dieser Name ist uns sehr wichtig", sagt Gnanli Landrouexterner Link. Der Togolese ist der Gründer eines gleichnamigen Spin-offs, das er vergangenen Herbst ins Leben gerufen hat.

Zusammen mit Thibault Demoulinexterner Link, wie Landrou ein Materialwissenschaftler, steht er gut gelaunt in einer grossen Werkstatthalle der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETHexterner Link) auf dem Hönggerberg in Zürich. Es fehlt die Architektin Daria Ardantexterner Link, die ebenfalls zum Oxara-Team gehört und laut den beiden jungen Männern "ein Auge fürs Detail hat".

Auf zwei Tischen haben Landrou und Demoulin Ansichtsexemplare ausgestellt: Zementfreie Betonplatten und -zylinder. Ein Reagenzglas mit Wasser, tonhaltiges Aushubmaterial und ein Fläschchen gefüllt mit einem weissen Pulver ergänzen die kleine Ausstellung: Aus diesen drei Zutaten besteht ihr Baustoff, eine Alternative zum herkömmlichen Beton, an der sie die letzten Jahre forschten und mit der sie die Bauindustrie nachhaltig umwälzen wollen.

Ein Reagenzglas, ein weisses Pulver und ein Häufchen Erde liegen auf einem Tisch.

Wasser, ein von Oxara entwickelter Zusatzstoff und lehmhaltiges Aushubmaterial: Aus diesen drei Zutaten giesst das Spin-off zementfreien Beton.

(swissinfo.ch)

Beton ist das am meisten verwendete Baumaterial der Welt. Doch um ihn zu binden, braucht es Zement, und dessen Produktion ist Energie- und CO2-intensiv. Ein weiteres Problem ist die Ressourcenknappheit: Zur Herstellung von Beton sind nebst Zement tonnenweise Sand und Kies nötig. Schliesslich ist Beton für viele schlicht zu teuer.

"Der von Oxara erfundene Beton ist 90% umweltfreundlicher und 60% billiger", sagt Landrou. Umweltfreundlicher, weil er keinen Zement enthält und mit lehmhaltigem Aushubmaterial hergestellt werden kann. Material, das beim Ausheben einer Baugrube entsteht und heute auf einer Deponie entsorgt werden muss. "Mehr als 90 Prozent des Materials, das wir zur Herstellung unseres Betons brauchen, ist Aushubmaterial." Das macht das Baumaterial von Oxara auch bedeutend billiger.

Die Erschwinglichkeit des Hausbaus liegt Landrou besonders am Herzen: "Oxara will, dass alle ein Haus bauen können. Auch die Armen". Das Wohn- und Siedlungsprogramm der UNO (UN-Habitatexterner Link) geht davon aus, dass Afrika bis 2050 Tausende Spitäler und Schulen sowie Millionen erschwingliche Wohnungen braucht.

Dieser Grundgedanke des Teilens ihrer Erfindung bewegte Oxara dazu, sich für den Wettbewerb "Together we're betterexterner Link" zu bewerben. Ausgeschrieben haben ihn die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Dezaexterner Link) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Secoexterner Link). "Wir suchten innovative Projekte, Initiativen und Ideen von jungen Menschen aus der Schweiz, die zur nachhaltigen Entwicklung und Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern beitragen", sagt Projektverantwortliche Barbara Hell. Über 90 Bewerbungen seien eingegangen.

Blick auf Häuser aus Wellblech in einem Slum.

Ein würdiges Zuhause für alle: So lautet das ambitionierte Ziel des Spin-offs Oxara in Zürich. Im Bild ein Slum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

(Keystone / Ben Curtis)

Die besten fünf Projekte wurden am Freitag an der Jahreskonferenz der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit prämiert, Oxara erhielt den ersten Preis in der Höhe von 10'000 Schweizer Franken.

Das Spin-off will das Preisgeld für ein Pilot-Projekt in Afrika verwenden. Oxara möchte mit der Nichtregierungsorganisation Earth Enableexterner Link in Ruanda zusammenarbeiten. Diese baut bereits für die lokale Bevölkerung: Spezielle Böden, die sich reinigen lassen. Denn schmutzige Böden sind ein Paradies für Mücken und Parasiten, was die Ausbreitung von Krankheiten fördert.

"Mit der Technik von Earth Enable dauert es vier Wochen, bis das Haus bewohnbar ist", erklärt Landrou: Drei für den Bau und die Trocknung des Fundamentes aus Stampflehm, eine für die Veredelung. Der Materialmix von Oxara trocknet schneller und die Vorgehensweise, bei der mit Verschalungen gearbeitet wird, ist weniger zeitintensiv als das Stampfen.

Earth Enables NGO Ruanda

Video zur NGO Earth Enable

Landrou ist es wichtig zu betonen, dass er nicht nach Ruanda geht, um den Menschen vor Ort zu sagen, was sie brauchen. "Ich sehe, dass eine lokale NGO sich mit dem gleichen Thema befasst wie Oxara. Ich stelle ihr unsere Technik vor, die schneller, ökologischer und nachhaltiger ist. Aber sie entscheidet, ob sie an einer Zusammenarbeit interessiert ist."

Landrou schaut auf seine Uhr. Ein nächster Termin ruft. Mechanische Teste, Materialentwicklung: Das ist die Basis, auf der Oxara aufbauen will. Das Spin-Off steht am Anfang, zurzeit beschäftigen die Wissenschaftler Fragen zur Patentierung und dem Geschäftsaufbau – Neuland für alle. Es ist ein Prozess, oberstes Ziel soll ein nachhaltiger und kostengünstiger Bau bleiben.

Zum Schluss noch eine Frage: Wo steht Oxara in zehn Jahren? Die beiden Männer lachen, es ist eine Frage, die sie sehr beschäftigt: "Darüber haben wir zum letzten Mal heute Morgen gesprochen", sagt Demoulin und Landrou erklärt: "In zehn Jahren bauen wir hoffentlich in vielen Ländern für viele Menschen Häuser."

Jahreskonferenz Schweizer Entwicklungszusammenarbeit

Sie sind aus der Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr wegzudenken: Partnerschaften mit Regierungen von Partnerländern, Unternehmen, multilateralen Organisationen, schweizerischen, internationalen und lokalen Nichtregierungsorganisationen sowie Hochschulen und Forschungsinstituten.

Dabei wird die Rolle von formellen und informellen Netzwerken immer wichtiger – auch von Jugend-Netzwerken. Die diesjährige Jahreskonferenz der Schweizer Entwicklungszusammenarbeitexterner Link gab Einblick in neue Partnerschaften. Sie fand am Freitag in Freiburg statt.

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