Wahlen in der Schweiz 2023: SVP gewinnt 9 Sitze, Grüne und GLP verlieren deren 11
Die SVP legt stärker zu als erwartet, die Grünen und Grünliberalen sacken ab und die Mitte überholt die FDP – die Resultate der Gesamterneuerungswahlen.
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Ich bin hauptsächlich für die Übersetzung, das Korrekturlesen und das Onlinestellen der Artikel von SWI swissinfo.ch zuständig. Manchmal schreibe ich auch Artikel zu typisch schweizerischen Themen sowie Pressespiegel.
Nach dem Studium der Geschichte und Religionswissenschaften habe ich meine journalistische Laufbahn bei Radio Fribourg begonnen. Nach einem Abstecher in die nationale Redaktion der Schweizerischen Depeschenagentur wechselte ich im Jahr 2000 zu SWI swissinfo.ch. Dort war ich lange Zeit Spezialist für Bundespolitik und später als Historiker tätig. Seit kurzem beschäftige ich mich mit Übersetzungen, Korrekturlesen und der Aufschaltung von Artikeln.
Ich schreibe vertiefte datengestützte Artikel und nutze dabei meine Fähigkeiten in der Datenanalyse und -visualisierung. Ich beschäftige mich mit einer Vielzahl von Themen, unter anderem mit der Rolle der Schweiz im Welthandel, dem Klimawandel und der Demografie. Geboren und aufgewachsen in Frankreich, habe ich in Lyon internationale Beziehungen studiert und 2011 die Journalistenschule in Lille abgeschlossen. Seit 2012 lebe ich in der Schweiz und habe acht Jahre lang bei RTS gearbeitet, bevor ich 2020 zu SWI swissinfo.ch kam.
Wo steht die Schweiz in der Welt? Und wohin steuert sie? Aktuelle und künftige Entwicklungen stehen bei mir im Fokus.
Nach dem Studium (Geschichte, Rechtswissenschaften und Europastudien) eine Zeit lang auf der Schweizer Botschaft in Athen gearbeitet. Journalistische Erfahrungen im In- und Ausland, auf lokaler wie nationaler Ebene, als Freelancer wie auch als Angestellter. Heute mit internationalem Fokus.
Ich schreibe über demografische Entwicklungen, gesellschaftliche Trends und Debatten in der Schweiz.
Ich bin nach 15 Jahren bei einer Lokalzeitung in Zürich zu SWI swissinfo.ch gekommen.
Die Schweizer Wahlberechtigten haben am Sonntag die grosse und die kleine Kammer für die Legislaturperiode 2023-2027 gewählt.
Grosse Gewinnerin ist die SVP. Die Volkspartei kann um 2,3 Prozentpunkte zulegen und kommt auf 27,9 Prozent* Wähleranteil. Es ist das zweitbeste Resultat ihrer Geschichte. Sie gewinnt 9 weitere Sitze im Natioinalrat und steht neu bei 62.
Die Grünen verlieren 3,4 Prozentpunkte und liegen mit 9,8 Prozent nun wieder unter der 10-Prozent-Schwelle. Sie büssen 5 Sitze ein und halten neu deren 23.
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Schweizer Politik
Wahlen in der Schweiz 2023: Diese acht Erkenntnisse bleiben
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Was bleibt unter dem Strich von diesen Wahlen? Eine Analyse.
Die FDP veliert 0,8 Prozentpunkte und kommt auf noch 14,3 Prozent Wähleranteil. Sie verliert einen Sitz und ist nun noch mit 28 Parlamentarier:innen im Nationalrat vertreten.
Die Mitte hingegen kann um 0,3 Prozentpunkte auf 14,1 Prozent zulegen, sie gewinnt einen Sitz dazu und zählt jetzt deren 29. Damit löst sie im Nationalrat die FDP als drittstärkste politische Kraft ab. Je nachdem, wie die Ständeratswahlen ausgehen, ist die Zusammensetzung des Bundesrates in Frage gestellt.
Die SP profitiert von den Verlusten der Grünen, kann den Absturz der Linken aber nur geringfügig abfedern. Sie legt um 1,5 Prozentpunkte auf 18,3 Prozent zu. Das reicht für 41 statt 39 Sitze.
Hart trifft es die Grünliberale Partei. Sie gibt zwar nur 0,2 Prozentpunkte ab und hat neu 7,6 Prozent Wähleranteil, verliert aber ganze 6 ihrer bisher 16 Sitze.
Bürgerinnen und Bürger strömen zum Stimmlokal am Bahnhof der Hauptstadt Bern. Am Sonntag 22. Oktober 2023 haben die Schweizer:innen entschieden, wer im neuen Parlament sitzen wird – nur einen Spaziergang von diesem Stimmlokal entfernt.
Alessandro Della Valle/Keystone
Auch in der Stadt Lausanne gab es am Morgen kurze Schlangen vor dem Stimmlokal. Bis 12 Uhr mittags konnten die Stimmberechtigten wählen. Die allermeisten in der Schweiz wählen aber per Briefpost vor dem Wahltag selbst.
Valentin Flauraud/Keystone
Der Wahlzettel landet in der Urne. Hier in einem Stimmlokal im Schulhaus Hochfeld in Bern.
Peter Klaunzer/Keystone
Wertvolle Ware in der verschlossenen Wahlurne: Der Vorsteher der Regierung von Appenzell-Innerrhoden, Alfred Koller, trägt die volle Wahlurne durch die Strassen des Kantonshauptorts Appenzell zum Auszählungslokal.
Gaetan Bally/Keystone
In der Stadt Bern wird in der Turnhalle ausgezählt: Anke Bautzmann vom ständigen Stimmausschuss trägt eine Wahlurne in jeder Hand.
Alessandro Della Valle/Keystone
Ein Wasserfall von Stimmen: In einer Turnhalle in der Stadt Zürich werden die Stimmzettel zum Auszählen umgeschüttet.
Ennio Leanza/Keystone
In Bern werden am Wahltag 2023 die Stimmzettel ausgeschüttet.
Alessandro Della Valle/Keystone
Ein Moment der Ruhe im wunderschönen Rathaus von Bellinzona, wo gerade nur ein einzelner Wähler unterwegs ist.
Pablo Gianinazzi/Ti-press/Keystone
Das konzentrierte Zählen in der Berner Turnhalle dauert an.
Alessandro Della Valle/Keystone
In grossen Kantonen braucht man Zehntausende Stimmen, um gewählt zu werden. Im kleinsten Kanton Appenzell-Innerrhoden leben nur gut 16’000 Menschen. Das Foto zeigt 856 Stimmzettel für Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner als handliche Beige. Insgesamt erreichte er 2423 Stimmen.
Gaetan Bally/Keystone
Mitte-Politiker Giorgio Fonio verfolgt die Zwischenresultate in Bellinzona.
Pablo Gianuzzi/Ti-press/Keystone
Das Warten auf die Ergebnisse ist für viele Politiker:innen eine Geduldsprobe. Corina Gredig, Co-Präsidentin der Grünliberalen Partei im Kanton Zürich, verfolgt das Geschehen auf ihrem Smartphone.
Ennio Leanza/Keystone
Kurz vor der sogenannten Elefantenrunde, wenn die Parteipräsident:innen im Fernsehen diskutieren, was die Hochrechnungen und vorläufigen Ergebnisse für die Zukunft der Schweizer Politik bedeuten. SVP-Parteipräsident Marco Chiesa spricht mit FDP-Präsident Thierry Burkart.
Anthony Anex/Keystone
Ein Moment privaten Glücks: Im Kanton Schwyz küsst der frisch gewählte Mitte-Nationalrat Dominik Blunschy seine Frau.
Eveline Beerkircher/Keystone
Es war ein harter Tag für die Grüne Partei, die heute schweizweit deutliche Verluste hinnehmen musste. Hier verfolgen die bisherige Grünen-Nationalrätin Natalie Imboden und der grüne Ständeratskandidat Bernhard Pulver die Zwischenresultate in Bern.
Alessandro Della Valle/Keystone
Dafür grosse Euphorie bei den Gewinnern: Die SVP Kanton Aargau feiert im Restaurant Schützen in Aarau. In der Mitte steht Nationalrat Alois Huber und rechts im Bild ist Nationalrätin Stefanie Heimgartner.
Michael Buholzer/Keystone
Marco Chiesa ist als SVP-Parteipräsident der grosse Sieger des Tages. Gleichzeitig muss er für seinen Sitz als Vertreter des Kantons Tessin im Ständerat in den zweiten Wahlgang.
Anthony Anex/Keystone
Bei den Kleinparteien verliert die mitte-links positionierte EVP einen von zwei Sitzen. Am äusseren rechten Flügel kann die EDU einen Sitz zulegen und wieder ein Duo nach Bern schicken.
Die Tessiner Rechtsaussen-Partei Lega kehrt mit einem Sitzgewinn ins Parlament zurück. Und die rechte Genfer Protestpartei MCG schickt gleich zwei Nationalräte nach Bern.
Nicht mehr im Nationalrat vertreten sind hingegen die linksaussen positionierten PdA/Sol, die ihre zwei Sitze abgeben.
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Auswandern
Darum wählen Auslandschweizer:innen anders
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220’000 Schweizerinnen und Schweizer konnten bei Wahlen 2023 mitbestimmen. Wie ticken Sie? Und wie mächtig sind sie wirklich?.
Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zu den 45,1 Prozent im Jahr 2019 leicht gestiegen, auf 46,6 Prozent.
Gesunken ist der Frauenanteil des neu gewählten Nationalrats: 77 Politikerinnen wurden in die grosse Kammer gewählt. Das sind sieben Frauen weniger als vor vier Jahren. Der Frauenanteil beträgt damit neu 38.5 Prozent.
Frauen hatten bei den Nationalratswahlen 2019 stark zugelegt. Sie holten sich 84 der 200 Mandate in der grossen Kammer. Der Frauenanteil betrug damals 42 Prozent. Während der vergangenen Legislatur sank der Anteil an Frauen leicht aufgrund von Abgängen.
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Schweizer Politik
Wahlen in der Schweiz 2023: Die grosse Nachwahlanalyse in Grafiken
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Wo gab es die grössten Umwälzungen, wer hat die Wahl geschafft, wer nicht? Die Ergebnisse interaktiv und in Feinauflösung.
Das Durchschnittsalter der am Sonntag gewählten Nationalrät:innen beträgt 49.5 Jahre. Am ältesten ist der 76-jährige Genfer Charles Poncet (SVP).
Die Bernerin Katja Riem (SVP) ist mit 26 Jahren das jüngste Nationalratsmitglied. In der abgelaufenen Legislatur waren die Mitglieder der grossen Kammer durchschnittlich 51,7 Jahre alt.
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Schweizer Politik
Anke Tresch: «Das Bedürfnis nach Sicherheit wächst auch in der Schweiz»
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Die Politologin Anke Tresch analysiert den Rechtsrutsch der Eidgenössischen Wahlen. Und weshalb die SVP besser mobilisieren konnte.
Im Ständerat scheint die Ausgangslage vor allem für die FDP günstig, ihr winken mehrere Sitzgewinne. Kombiniert mit den erwarteten Verlusten von Links-Grün ergibt das einen Rechtsrutsch in der kleinen Kammer. Am 19. November kommt es zum zweiten Wahlgang, dann wird die definitive Zusammenstellung klar sein.
Externer Inhalt
Eva Herzog wurde in Basel-Stadt als Ständerätin wiedergewählt.
In Basel-Landschaft konnte Maya Graf (Grüne) ihren Sitz verteidigen.
Erich Ettlin (Die Mitte) wurde in Obwalden in stiller Wahl bestätigt.
In Nidwalden hat sich FDP-Ständerat Hans Wicki die Wiederwahl im ersten Wahlgang sichern können.
Die bisherige Urner Vertretung im Ständerat ist auch die künftige: Heidi Z’graggen (Mitte) und Josef Dittli (FDP) schaffen ihre Wiederwahl problemlos.
Im Kanton Appenzell Ausserrhoden hat Andrea Caroni (FDP) seinen Ständeratssitz gehalten.
In Appenzell Innerrhoden wurde Daniel Fässler (Die Mitte) bereits am 30. April gewählt worden.
In Schaffhausen ist der bisherige Ständerat Hannes Germann (SVP) gewählt. Für den noch offenen Sitz ist ein zweiter Wahlgang nötig.
Kein Wechsel in Luzern: Die bisherigen Damian Müller (FDP) und Andrea Gmür (Die Mitte) sind wiedergewählt worden.
Auch im Kanton Zug bleibt die Zusammensetzung gleich: Peter Hegglin (Die Mitte) und Matthias Michel (FDP) wurden beide bestätigt.
Der FDP-Parteipräsident Thierry Burkart konnte im Aargau seinen Sitz verteidigen; für den zweiten Sitz ist ein zweiter Wahlgang nötig.
Pirmin Bischof (Die Mitte) wurde in Solothurn wiedergewählt, für den zweiten Sitz ist ein weiterer Wahlgang nötig.
Im Kanton Schwyz sind Petra Gössi (FDP) und Pirmin Schwander (SVP) neu gewählt worden.
In der Waadt wurde Pierre-Yves Maillard (SP) bestätigt, der zweite Sitz ist vakant.
Kein Wechsel in St. Gallen: Benedikt Würth (Die Mitte) und Esther Friedli (SVP) wurden bestätigt.
In Neuenburg wurde Baptiste Hurni (SP) neu gewählt und die grüne Céline Vara bestätigt.
Im Thurgau konnten sich die beiden Bisherigen Brigitte Häberli-Koller (Die Mitte) und Jakob Stark (SVP) im ersten Wahlgang durchsetzen.
In Zürich wurde Daniel Jositsch (SP) bestätigt, im zweiten Wahlgang wird der zweite Sitz entschieden.
In Graubünden wurden Stefan Engler (Die Mitte) und Martin Schmid (FDP) bestätigt.
Im Jura wurden Charles Juillard (Die Mitte) und Mathilde Crevoisier Crelier (SP) bestätigt.
In den Kantonen Freiburg, Tessin, Wallis, Bern und Genf hat es keine Entscheidung gegeben; es kommt zu einem zweiten Wahlgang.
Der Hintergrund und die wichtigsten Fragen der Wahlen werden in diesem Artikel erläutert:
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Schweizer Politik
Wahlen in der Schweiz – Prognosen sagen: Rechts erstarkt, grün erlahmt
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Auch die Eidgenossenschaft folgt den politischen Trends in Europa. Es zeichnet sich ein Sieg der SVP ab.
*Dieser Artikel wurde am 25.10.2023 überarbeitet. Der Bund hat an diesem Tag die zuvor publizierten Parteistärken korrigiert. Die Sitzverteilung hingegen bleibt unverändert. Details finden Sie hier.
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