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Prähistorischer Fund unter den Wellen

Archäologen haben Spuren des ältesten Hausgrundrisses der Schweiz gefunden. Doch Touristen wird dieser Fund nie anziehen: Er liegt unter Wasser mitten im Bielersee.

Weil das Haus aus Holz bestand, konnte mit der Dendrochronologie - die Methode der Datierung mit Hilfe von Jahresringen - das exakte Baujahr 3863 v. Chr. berechnet werden.

Den Fund im Bielersee, nordwestlich der Schweizer Hauptstadt Bern, bezeichnet Albert Hafner als "sensationell".

Hafner ist verantwortlich für die Unterwasser-Archäologie der Region.

Taucher des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern hatten den Fundort bereits im Winter 2006 entdeckt, als sie prähistorische Pfahlbauer-Dörfer in der Region Sutz-Lattrigen untersucht hatten, die einst dicht besiedelt war.

Schon in den 1980-er Jahren waren Taucher im dortigen Seeabschnitt mehrfach auf Reste von Ufersiedlungen gestossen. Aber auch an zahlreichen anderen Schweizer Seen hatten Pfahlbauer ihre Häuser gebaut.

Weil sich die Seespiegel seither verändert haben, stehen viele Überreste von Siedlungen heute unter Wasser. Gebaut worden waren sie aber an den Ufern.

Fischfallen

Das nun entdeckte Haus wurde im östlichen Uferabschnitt des drei Kilometer langen Seeanstosses der Gemeinde Sutz-Lattrigen gefunden.

Es ist anders als die normalen Häuser der Pfahlbauer und stand bereits damals 200 Meter entfernt vom Ufer im Wasser. Daher scheint klar, dass es sich dabei nicht um ein Wohnhaus handelte.

In unmittelbarer Nähe des Hauses wurden "merkwürdige Pfahlstrukturen" in Form von Kreisen und Ringen von 4 bis 8 Metern Durchmesser entdeckt. Die Archäologen nehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit an, dass es sich um Fischfallen handelt.

"Dies ist das erste Mal, dass wir in einem der Schweizer Seen einen prähistorischen Fundort entdeckt haben, an dem Fische gefangen wurden", sagt Archäologin Cynthia Dunning gegenüber swissinfo.

"Doch auf einen Fund folgt häufig der nächste. Wir hoffen, mehr zu finden." Ähnliche Funde seien bisher nur aus dem baltischen Seengebiet bekannt.

Ältestes Dorf

In der Region Sutz-Lattrigen entdecken die Archäologen bereits seit 20 Jahren prähistorische Häuser und Dörfer. Insgesamt gibt es bis jetzt acht Fundorte.

Nach Erkenntnissen der Archäologen handelt es sich dabei um mehr als 30 Dorfanlagen aus der Zeit zwischen 3800 und 1600 v. Christi Geburt.

Über 30'000 Quadratmeter im See wurden bereits untersucht und dabei tausende Objekte ans Tageslicht gebracht.

Um diesen wichtigen Teil des schweizerischen Kulturerbes zu erhalten, hat der Archäologische Dienst Notgrabungen durchgeführt und Massnahmen gegen die Erosion vorgenommen, ein Problem in dieser Gegend.

Doku-Soap

Pfahlbauer sind den Schweizern sehr nah: Das Land ist reich an früheren Pfahlbauer-Dörfern, die an fast allen Seen zu finden sind.

Als im 19. Jahrhundert die ersten Pfahlbauerdörfer entdeckt wurden, wurden sie als Schweizer Kulturerbe gesehen, das nationale Identität vermittelt.

So war auch die diesjährige Doku-Soap des Schweizer Fernsehens, die in einem nachgebauten Pfahlbauerdorf spielte, ein Erfolg.

Antrag auf Weltkulturerbe

Die archäologischen Funde in Sutz-Lattrigen sollen nun einen besonderen Stellenwert erhalten: Zusammen mit anderen Ufersiedlungen in der Drei-Seen-Region bemüht sich eine Gruppe von Kantonsarchäologen um Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Dossier soll 2009 oder 2010 bei der UNESCO eingereicht werden.

swissinfo, Julia Slater, Sutz-Lattrigen
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub und Corinne Buchser)

In Kürze

Pfahlbauerdörfer entstanden an Seeufern vom späten Neolithikum bis ins Bronzezeitalter.

Das erste Pfahlbauerdorf in der Schweiz wurde nach dem trockenen Winter 1853/1854 am Zürichsee entdeckt, als der Wasserpegel besonders tief war.

Weitere Pfahlbauerdörfer gibt es in Biel, Neuenburg, Murten, Luzern, Zug und Konstanz.

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Dendrochronologie

Die Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode der Archäologie, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten Wachstumszeit zugeordnet werden.

Jahresringe von Jahren mit guten Wachstumsbedingungen sind breiter als solche von Jahren mit schlechten Lebensbedingungen.

Durch die Überlagerung der Ringmuster vieler Bäume (Crossdating-Methode) entsteht eine gemittelte Baumringabfolge (Jahrring-Chronologie), die aufgrund der überlappenden Lebenszeiten der Bäume viele Jahrtausende abdecken kann.

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